Wirtschaftsministerium

Habeck macht Hamburgerin zur Chef-Strategin der Grünen

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Andreas Dey
Die Grünen-Politikerinnen Katharina Fegebank, Anja Hajduk mit Annalena Baerbock (v. r.).

Die Grünen-Politikerinnen Katharina Fegebank, Anja Hajduk mit Annalena Baerbock (v. r.).

Foto: MARK SANDTEN / FUNKE FOTO SERVICES

Ex-Senatorin soll als Staatssekretärin im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz die grüne Regierungsarbeit koordinieren.

Hamburg. Das ist mal ein schnelles Comeback. Nur zwei Monate nach ihrem Abschied aus dem Deutschen Bundestag ist Anja Hajduk (Grüne) zurück auf der politischen Bühne, und wie. Nach Abendblatt-Informationen holt der künftige Vizekanzler Robert Habeck die frühere Hamburger Senatorin in sein Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz und überträgt ihr dort eine Schlüsselrolle im Regierungsapparat: Als verbeamtete Staatssekretärin soll Hajduk nicht nur Habecks Behörde nach innen leiten, sondern auch die Arbeit der fünf grünen Ministerien koordinieren und den Kontakt zu den anderen Ministerien halten. Zuerst hatte der „Spiegel“ darüber berichtet.

Im Prinzip gehe es um die Funktion, die Wolfgang Schmidt bislang für Olaf Scholz ausgeübt hat, hieß es aus Parteikreisen. Der damalige Staatsrat Schmidt hatte Scholz schon in dessen Zeit als Hamburger Bürgermeister gedient und war ihm dann 2018 in die Bundesregierung gefolgt, wo er als Staatssekretär im Finanzministerium dem Vizekanzler Scholz den Rücken frei hielt. Jetzt steigt er weiter auf und wird Scholz’ Kanzleramtsminister.

Anja Hajduk gilt als diskrete und sachliche Fachpolitikerin

Auch wenn es auf dem Papier eine ähnliche Rolle ist, dürfte Hajduk sie aber etwas anders interpretieren. Denn im Gegensatz zu dem eher extrovertierten und auf vielen Kanälen omnipräsenten Schmidt, gilt die 58-Jährige als sehr diskrete und betont sachliche Fachpolitikerin, die nicht nur bei den Grünen einen exzellenten Ruf genießt.

Vor allem die Haushalts- und Finanzpolitik ist ihr Steckenpferd – was auch der künftige Kanzler Scholz schon zu spüren bekam. Während seiner ersten Amtszeit als Bürgermeister war Hajduk stellvertretende Fraktionsvorsitzende der damals oppositionellen Grünen in der Bürgerschaft, und als deren haushaltspolitische Sprecherin hatte sie die Finanzpolitik des Senats immer wieder fundiert seziert.

Anja Hajduk: Das war ihre größte Niederlage

Trotz etlicher Funktionen in der Landespolitik, etwa als Stadtentwicklungssenatorin (2008 – 2010), Parteivorsitzende (2002 bis 2008) und als Bürgerschaftsabgeordnete (1997 bis 2002 und 2011 bis 2013) war Hajduk aber, ähnlich wie Scholz, im Herzen eher Bundespolitikerin. 2002 war sie erstmals in den Bundestag eingezogen und hatte ihr Mandat nur zugunsten des ersten schwarz-grünen Senats unter Ole von Beust (CDU) aufgegeben.

2013 kehrte sie in den Bundestag zurück und nahm als parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion sofort wieder eine tragende strategische Rolle ein. Dazwischen lag ihre wohl größte politische Niederlage: Nach dem Beust-Rücktritt hatte Hajduk Ende 2010 grünen-intern mit dafür plädiert, die Koalition mit der CDU zu beenden und ihre Grünen als Spitzenkandidatin in die Neuwahl der Bürgerschaft im Februar 2011 geführt. Statt in einer rot-grünen Koalition landeten die Grünen jedoch in der Opposition – weil Scholz für die SPD die absolute Mehrheit holte.

Emotionaler Abschied im Mai beim virtuellen Landesparteitag

Nach 20 Jahren in verantwortlichen Positionen hatte Hajduk vergangenes Jahr angekündigt, sich aus der ersten Reihe zurückzuziehen – und nicht wieder für den Bundestag zu kandidieren. Ihr Abschied auf einem virtuellen Landesparteitag der Hamburger Grünen im Mai war sehr emotional. Unter Tränen betonte Hajduk, dass sie ja nur ihr Mandat aufgebe und dies „kein Abschied von den Grünen“ bedeute.

Ihre Parteifreunden riet sie, sich an die Verantwortung zu gewöhnen, „für die große Rolle, die wir spielen wollen“. Nun übernimmt sie diese Verantwortung selbst. Hinter den Kulissen hatte sie dafür bereits Vorarbeit geleistet: In den Koalitionsverhandlungen mit SPD und FDP hatte Hajduk für die Grünen das Thema Haushalt verantwortet.

Ihre Parteifreundinnen und - freunde zeigten sich begeistert. „Eine richtig gute Nachricht!“, twitterte die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank – die 2008 den Landesvorsitz von Hajduk übernommen hatte. „Was für ein Gewinn für die kommende Regierung, und in Hamburg ist die Freude besonders groß.“