Bundestagswahl 2021

Beifall, Bravo-Rufe und Brause: Die Grünen feiern in Altona

| Lesedauer: 4 Minuten
Jens Meyer-Odewald
Auf der Grünen-Wahlparty im SchrØdingers im Schanzenpark feierten die Spitzkandidaten Till Steffen und Katharina Beck mit Parteifreunden.

Auf der Grünen-Wahlparty im SchrØdingers im Schanzenpark feierten die Spitzkandidaten Till Steffen und Katharina Beck mit Parteifreunden.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Im Schanzenpark war die Stimmung gut, wenn auch nicht euphorisch – trotz des historisch besten Ergebnisses. Über die Wahlparty.

Hamburg.  Mumm haben sie; und sie fackeln nicht lange. Kurz nach Schließung der Wahllokale, noch ohne richtig fundierte Zahlen, tritt das Hamburger Spitzenteam der Grünen um 18.07 Uhr an die Mikrofone. Die erste Prognose besagt 15 Prozent für die Partei. Mehr als vor vier Jahren, klar weniger als erwartet. „Wir haben das historisch beste Ergebnis eingefahren“, sagt die Landesvorsitzende Maryam Blumenthal. „Lasst uns feiern.“ Dann ruft sie in die Menge: „Ja, wir sind unter unseren eigenen Erwartungen geblieben, aber hey, heute das ist ein klarer Auftrag.“

Beifall. Bravo-Rufe. Brause. Bier. Und dennoch ein bisschen Bedrückung. Denn schon nach Öffnung des mit grünen Scheinwerfern illuminierten Biergartens um 16 Uhr war der Trend durchgesickert. Tenor: Es hätte erheblich besser kommen können – und sollen. Wie zum Trotz tanzen ein paar junge Aktivistinnen auf der Kiesfläche vor der Bühne zur hämmernden Lautsprechermusik. Die Frauenquote bei dieser Party liegt deutlich über 50 Prozent.

Bundestagswahl: Grünen feiern im Schanzenpark

Wenn im Schanzenpark die Signale auf Grün stehen, birgt das auch politische Strahlkraft. Wegen der unklaren Gesamtlage dominieren kurz nach 19 Uhr dennoch mehrheitlich bange Blicke. „Die Briefwähler …“, hofft Isabel aus Lurup. Grüne Wähler seien vermutlich Langschläfer.

Für ihre Wahlparty haben die Grünen ein Heimspiel gewählt: Das Veranstaltungszentrum SchrØdingers an der Grenze der Stadtteile Rotherbaum und Sternschanze passt prima zum Anlass. In der großzügigen Grünanlage unterhalb des Fernsehturms lässt es sich unter alten Baumkronen stimmungsvoll feiern. Auf der Schanze hat die Partei bei der vorherigen Bundestagswahl fast 26 Prozent der Stimmen erhalten. Mehr als 600 Mitglieder und Sympathisanten sind erschienen, um gemeinsam Zeugen einer politischen Wende zu sein. Opposition in Berlin? Bitte nicht noch einmal.

Bei den Grünen ist Selbstversorgung angesagt

Und wer Regierungsbeteiligung anstrebt, muss Disziplin wahren. So geschieht es dann auch. Vorbildlich. Vor der Kulturoase an der Schröderstiftstraße 7 wird akkurat Abstand gehalten. Zutritt erhalten nur geimpfte und genesene Besucher. Auf den Bierbänken im Freien wird intensiv debattiert. Was haben die ersten Daten zu bedeuten?

Die Spannung wächst. Alle Blicke sind auf den Monitor links auf der Bühne gerichtet. Zumindest das Wetter mit aktuell 20 Grad spielt mit. Freibier gibt es nicht. An gut bestückten Holzbuden ist Selbstversorgung angesagt. Je nach Geschmack werden Cola und Energy-Drinks für jeweils 2,50 Euro, Rotwein für sechs Euro oder ein Halber vom Fass für 4,50 Euro verkauft.

„Junge Menschen wollen die Zukunft mit uns gestalten“

Im Laufe des Abends haben sich fast alle Stadtgrößen der Grünen im Schanzenpark angekündigt. Das Gros der Gäste kennt sich. Wegen des weitläufigen Kulturzentrums sind bis zu 750 Teilnehmer erlaubt, sodass niemand draußen bleiben muss. Dagegen werden die Kandidaten wohl erst in der Nacht oder Montag früh erfahren, ob sie drinnen sind – im neuen Bundestag.

„Junge Menschen wollen die Zukunft mit uns gestalten“, sagt Ajla Deichmann, Sprecherin der Grünen Jugend, „und viele Kandidierende der Grünen Jugend werden jetzt in den Bundestag einziehen.“ Sie verspüre ein „Signal für Aufbruch“ und freue sich auch darüber, „dass die Union abgestraft“ worden sei.

Bundestagswahl: Grünen bereiten sich auf Verhandlungen vor

Der Jurist Till Steffen, Nummer zwei der Grünen-Bundestagskandidaten, befindet: „Es liegt eine schwierige Phase vor uns – die Koalitionsverhandlungen.“ Kein Bündnis sei einfach: „Es ist jetzt die Kunst, das Beste aus diesem Ergebnis zu machen.“ Und so geht trotz anfänglicher Ernüchterung und einer Hochrechnung von 14,7 Prozent für die Grünen eine Party an den Start, die diese Bezeichnung verdient. Erstaunlich lustvoll. Und sehr lautstark.