Bundestagswahl

Bis zu 80 Prozent Wahlbeteiligung in Hamburg erwartet

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Andreas Dey
Hamburgs Wahlleiter Oliver Rudolf rechnet in der Hansestadt mit einer Wahlbeteiligung von bis zu 80 Prozent bei der Bundestagswahl.

Hamburgs Wahlleiter Oliver Rudolf rechnet in der Hansestadt mit einer Wahlbeteiligung von bis zu 80 Prozent bei der Bundestagswahl.

Foto: picture alliance/dpa/Daniel Bockwoldt

40 Prozent haben Briefwahl beantragt. Diese Partei hat laut Umfrage Nase vorn. Was Hamburger zum Wahltag wissen müssen.

Hamburg. Bei der Bundestagswahl am Sonntag zeichnet sich in Hamburg eine sehr hohe Wahlbeteiligung ab. Landeswahlleiter Oliver Rudolf sagt am Dienstag, er rechne damit, dass „bis zu 80 Prozent“ der Berechtigten an dem Urnengang teilnehmen werden. „Die Spannung ist ja durchaus gegeben bei dieser Wahl.“

Bei knapp über 80 Prozent hatte die Wahlbeteiligung in Hamburg zuletzt bei der Bundestagswahl 1998 gelegen. Seitdem war sie stetig bergab gesunken, bis 2013 mit 70,3 Prozent der bisherige Tiefstand erreicht wurde. 2017 stieg sie dann wieder kräftig an auf 76 Prozent. Rudolf sagte, er rechne mit einer weiteren Steigerung um einige Punkte.

Bundestagswahl: 534.000 Hamburger haben Briefwahl beantragt

Ein Beleg für das große Interesse ist die Nachfrage nach Briefwahlunterlagen: Rund 534.000 Wählerinnen und Wähler haben die Unterlagen bereits angefordert, das sind etwa 40 Prozent der knapp 1,3 Millionen Wahlberechtigten.

345.000 oder 65 Prozent von ihnen haben ihre Wahlentscheidung bereits getroffen und die Unterlagen schon zurückgeschickt. Zum Vergleich: 2017 hatten insgesamt 364.213 Wähler ihre Stimme per Brief abgegeben. Rudolf: „Der Trend zur Briefwahl hält unverändert an.“

Das müssen Hamburgs Wählerinnen und Wähler wissen

Entsprechend würden aber auch mehr Briefwahlvorstände für das Auszählen benötigt, nämlich 790. Insgesamt sei die Anzahl der ehrenamtlichen Wahlvorstände von 12.000 auf 16.000 erhöht worden, so Rudolf, der sich erfreut zeigte, dass das ohne große Schwierigkeiten gelungen sei: „Dies unterstreicht das hohe demokratische Engagement der Hamburgerinnen und Hamburger.“

Kann ich noch Briefwahl machen?

Ja, man muss sich allerdings „sputen“, so Rudolf. Theoretisch könne der Antrag zwar noch bis Freitag, 18 Uhr, gestellt werden. Aber da der rote Wahlbrief bis spätestens am Wahlsonntag um 18 Uhr bei der Kreiswahlleitung eingegangen sein muss, sei es besser, sich die Unterlagen direkt in der zuständigen bezirklichen Wahldienststelle zu holen und dort auch gleich zu wählen.

Hamburg: Krank am Wahlsonntag – was nun?

Bei plötzlicher Erkrankung oder für den Fall einer Quarantäneanordnung kann Briefwahl auch noch am Wahlsonntag bis 15 Uhr beantragt werden: Mit dem vorausgefüllten Antrag aus der Wahlbenachrichtigung könne auch eine Person zur Abholung der Wahlunterlagen bevollmächtigt werden. Es müsse aber ein ärztliches Attest beigefügt oder die plötzliche Erkrankung „auf andere Weise glaubhaft“ gemacht werden. Eine bevollmächtigte Person kann die Unterlagen in der Wahldienststelle abholen und anschließend den Wahlbrief bis 18 Uhr zur Kreiswahlleitung bringen lassen.

Wo kann ich in Hamburg barrierefrei wählen?

868 der 1268 Wahllokale sind barrierefrei. Gehört das eigene Wahllokal nicht dazu, kann in jedem Wahllokal des eigenen Wahlkreises gewählt werden. Der Blinden- und Sehbehindertenverein Hamburg e.V. stellt kostenlos Stimmzettelschablonen und Informationen zur Verfügung: Telefon 040 209 40 40 oder per E-Mail an info@bsvh.org.

Bei Fragen: Wahlbenachrichtigung verlegt? Welches ist mein Wahllokal? Solche und andere Fragen beantwortet der Telefonische Hamburg-Service unter Telefon 115 auch am Wahlwochenende jeweils von 8 bis 18 Uhr.

Corona-Regelungen: In den Wahllokalen und den Auszählzentren der Briefwahl ist ein Mindestabstand von 1,5 Metern einzuhalten und es ist eine medizinische Maske zu tragen. Wähler sollten, wenn möglich, einen eigenen Kugelschreiber mitbringen.

Bundestagswahl-Umfrage: SPD hat in Hamburg weiter Nase vorn

Ex-Bürgermeister und SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz kann in Hamburg derweil weiter mit einem starken Ergebnis für seine Partei rechnen. Laut einer am Dienstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts Trend Research für Radio Hamburg würden aktuell 33 Prozent der Hamburger Wahlberechtigten für die SPD stimmen. Das wäre zwar ein Prozentpunkt weniger Zustimmung als bei einer Befragung von Anfang September, aber immer noch deutlich mehr als für die zweitplatzierten Grünen, die demnach in Hamburg einen Punkt zulegen würden und auf 18 Prozent kämen.

Die CDU landete bei der aktuellen Sonntagsfrage hingegen nur noch bei 14 Prozent (ein Punkt Minus zur Vorbefragung) und würde damit zusammen mit der FDP, die einen Punkt zulegt, auf Platz drei rangieren. Die Linke könnte mit 9 (minus 1) und die AfD unverändert mit 7 Prozent rechnen.

Für die Umfrage wurden den Angaben zufolge vom 13. bis 16. September 703 Wahlberechtigte in Hamburg online befragt. Wahlumfragen spiegeln nur das Meinungsbild zum aktuellen Zeitpunkt der Befragung wider. Sie sind keine Wahlprognosen. Zudem sind sie immer mit Unsicherheiten behaftet. Unter anderem erschweren nachlassende Parteibindungen und immer kurzfristigere Wahlentscheidungen den Meinungsforschungsinstituten die Gewichtung der erhobenen Daten.

( mit dpa )