Corona in Hamburg

50.000 Prüfungen abgesagt: Was das für Schüler bedeutet

Die Prüfungen an den Schulen in Hamburg werden wegen der Corona-Krise abgesagt (Symbolbild).

Die Prüfungen an den Schulen in Hamburg werden wegen der Corona-Krise abgesagt (Symbolbild).

Foto: Jonas Güttler / picture alliance/dpa

Der Ausfall der Arbeiten betrifft auch die Abschlussjahrgänge. Die neue Schulwoche birgt weitere wichtige Änderungen.

Hamburg. Der Beginn der neuen Schulwoche sorgt für weitere Änderungen. In einer aktuellen Mail des Landesschulrats Thorsten Altenburg-Hack an alle Schulleitungen wird die grundsätzliche Schulpolitik so vorgegeben: Hamburg setzt auf Distanzunterricht und Lernen zu Hause.

Dennoch verspricht Schulsenator Ties Rabe: „Wir schicken kein Kind weg.“ Derzeit kommen quer durch alle Schulformen rund zehn Prozent der Schüler zum Präsenzunterricht in die Schulen. An den Grundschulen beträgt der Anteil 20 Prozent.

Doppelunterricht – also von einigen Schülern in der Schule und gleichzeitig ihren Mitschülern im Distanzunterricht zu Hause soll es künftig weniger geben. Präsenzunterricht werde es nicht mehr geben, teilte beispielsweise die Schule Rothestraße mit. Die Kinder, die dennoch in die Schule kommen, nehmen am Distanzunterricht teil und werden dabei vom pädagogischen Personal betreut.

Schüler in Hamburg bekommen dennoch einen Abschluss

Änderungen gibt es auch für eigentlich vorgeschriebene Klausuren. Die demnächst anstehenden Prüfungen für den Ersten Allgemeinen Schulabschluss (früher Hauptschulprüfungen) in Hamburg fallen aus – so wie in vielen anderen Bundesländern auch. Darauf hat sich Schulsenator Ties Rabe (SPD) mit den Schulleitungen verständigt. Dennoch sollen die rund 9000 betroffenen Schüler der Stadtteilschulen einen vollwertigen Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) erhalten.

Da jeder dieser Schüler je drei Abschlussklausuren und drei mündliche Prüfungen zu absolvieren hätte, entfallen somit in den nächsten Wochen etwa 50.000 Prüfungen. In den einzelnen Fächern sollen aus den Leistungen des letzten Schuljahres Abschlussnoten errechnet werden. Wegen des ausgesetzten regulären Unterrichts wird in diesem Schuljahr zudem auf die zentrale schriftliche Überprüfung in den zehnten Klassen der Gymnasien („sÜ10“) verzichtet. „Betroffen sind rund 6900 Gymnasiasten“, sagte Peter Albrecht, Sprecher der Schulbehörde dem Abendblatt.

Die ursprünglich für den 2. bis 8. Februar 2021 angesetzten Prüfungen sollen durch eine vom Umfang her kleinere Klassenarbeit ersetzt werden. Verantwortlich dafür sind die Fachlehrer. In den kommenden Wochen werden reguläre Prüfungen nur noch für die Klassen zwölf und 13 der Stadtteilschulen sowie für die Klassen elf und zwölf der Gymnasien organisiert.

In Märzferien können Schüler versäumten Stoff nachholen

Für alle Hamburger Schüler werden im März „Lernferien“ angeboten. Diese freiwillige Möglichkeit, versäumten Stoff nachzuholen, gilt gleichfalls für angehende Abiturienten. Über den Ablauf der diesjährigen Abiturprüfungen wollen die Kultusminister der Länder Ende dieses Monats beraten – und wahrscheinlich entscheiden. Möglich sind eine Verschiebung, ein Verzicht auf zentrale Prüfungen oder schlicht weniger Aufgaben.

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Nach wie vor gibt es bei der Praxis des digitalen Unterrichts via Internet technische Probleme. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass der städtische Dienstleister Dataport alle Schulen mit flächendeckendem WLAN ausstattet“, sagte Senator Ties Rabe. Außerdem müssen die Übertragungsraten verbessert werden. Bei optimaler Nutzung der derzeitigen Übertragungsleistung könne die Hälfte der rund 180.000 Hamburger Schüler parallel digital arbeiten.

Schulsenator Rabe findet Ausfall der Prüfungen "vernünftig"

„Hamburgs Schüler sollen keine Nachteile bekommen“, sagte Ties Rabe weiter. Bis Ende Januar sei voraussichtlich „fast ein halbes Schuljahr lang der reguläre Unterricht ausgefallen“. Den Beschluss, diesmal in den zehnten Klassen der Stadtteilschulen und Gymnasien auf die Prüfungen zu verzichten, halte er für „vernünftig“. Die Organisation dieser zusätzlichen Abschlussprüfungen „kostet alle Beteiligten sehr viel Zeit“. Dieser Aufwand, meinte der SPD-Politiker, solle besser genutzt werden, mehr Unterricht zu erteilen, mehr zu lernen und intensiv Versäumtes nachzuholen.

Parallel wurde entschieden, dass während der Schulschließungen im Januar in den Klassenstufen eins bis zehn keine Klassenarbeiten geschrieben werden. Nach Angaben der Schulbehörde können diese Prüfungen später nachgeholt oder durch eine „besondere Leistung“ ersetzt werden. Beispiele sind Hausaufgaben oder Präsentationen. Notfalls müssten die Klassenarbeiten ersatzlos entfallen.

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Außerdem wird die Verpflichtung für Betriebspraktika in bestimmten Schulklassen aufgehoben. Wer sich indes bereits einen Platz in einem Unternehmen gesichert habe, könne diese Stelle absolvieren – wenn die notwendigen Hygieneregeln umgesetzt werden. Das Angebot der Lernferien im März 2021 soll in Kleingruppen mit sechs bis acht Schülern organisiert werden. Täglich sollen drei bis vier Unterrichtstunden auf dem Programm stehen. Zusätzliche Kosten werden von der Behörde übernommen.

Unabhängig von diesen Maßnahmen hofft Hamburgs Schulsenator auf ein schnelles Ende des Lockdowns für Schulen. Die Aufhebung der Anwesenheitspflicht betrachte er mit Sorge. Der Distanzunterricht habe nicht die übliche Qualität. „Ich habe von Anfang an gesagt, dass dieses System von den Schulen und den Lehrern sehr, sehr viel verlangt“, sagte Rabe. Der Wegfall des normalen Unterrichts werde bei Kindern und Jugendlichen „tiefe Spuren hinterlassen“. Lernen daheim sei kein vollwertiger Ersatz.