Hamburg

Nur mäßige Zustimmung für neue Linken-Doppelspitze

Keyvan Taheri und Zaklin Nastic, beide Landessprecher der Partei Die Linke, stehen nach ihrer Wahl während des siebten Landesparteitags von Die Linke vor dem Partei-Logo.

Keyvan Taheri und Zaklin Nastic, beide Landessprecher der Partei Die Linke, stehen nach ihrer Wahl während des siebten Landesparteitags von Die Linke vor dem Partei-Logo.

Foto: Georg Wendt/dpa

Żaklin Nastić gewinnt weniger deutlich als bei der Wahl vor vier Jahren. Keyvan Taheri wird Co-Chef der Partei.

Hamburg. Sie sprach hinterher von einem „starken Rückhalt“ in ihrer Partei, doch die Zahlen untermauerten dies nicht: Mit einer Zustimmung von 63,1 Prozent ist die Hamburger Linken-Bundestagsabgeordnete Żaklin Nastić am Sonntag zur neuen Landesvorsitzenden der Hamburger Linken gewählt worden.

Auf dem Parteitag in der Friedrich-Ebert-Halle in Heimfeld votierten 77 von 123 Delegierten für die 40-Jährige aus Langenhorn, die als einzige Bewerberin angetreten war. Nastić war bereits von 2016 bis 2018 Landessprecherin der Linken. Bei ihrer ersten Wahl vor vier Jahren hatte sie allerdings 88,4 Prozent Zustimmung erhalten. Als neuen Vorsitzenden der Hamburger Linken wählten die Delegierten Keyvan Taheri. Der 45 Jahre alte Abgeordnete in der Bezirksversammlung Hamburg-Nord erhielt eine Zustimmung von 54,5 Prozent.

Nastić will sich wieder stärker in Hamburg engagieren

Mehrere Delegierte, unter ihnen die Linken-Bürgerschaftsfraktionschefin Sabine Boeddinghaus, fragten Nastić, wie sie ihre herausfordernde Arbeit als Bundestagsabgeordnete mit den Aufgaben als Landessprecherin unter einen Hut bekommen wollte. Diese Frage sei gerade von Boeddinghaus irritierend, antwortete Nastić, da sie während ihrer ersten Amtszeit als Landessprecherin von Boeddinghaus „massiv unterstützt“ worden sei, für den Bundestag zu kandidieren.

Nach fast 13 Jahren Mitgliedschaft bei den Linken kenne sie die Strukturen der Partei sehr gut und habe von der Bezirksebene aufwärts „vielfältige Erfahrungen gesammelt“. Auch wenn sie viel in Berlin arbeite, gelte: „Ich lebe in Hamburg, meine Familie und Freunde und meine Partei sind hier.“ Sie werde nicht erneut für den Linken-Bundesvorstand kandidieren und sich stattdessen wieder stärker in der Hansestadt engagieren.

Kritik an Mitbewerber um Amt des neuen Landessprechers

Um den Posten des Landessprechers hatte sich auch Andreas Grünwald beworben, neben Linken-Mitglied Marco Alexander Hosemann, der seine Kandidatur allerdings zurückzog. Gegen Grünwald positionierte sich am Sonntag der Linken-Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch mit scharfer Kritik.

Grünwald sei zwar ein „sehr guter Redner“, aber politisch ein „Hallodri“, denn er habe in der von Sarah Wagenknecht begründeten linken Bewegung „Aufstehen“ eine „sehr aktive Rolle“ gespielt, wobei diese Bewegung die Linken „in die Krise gebracht“ habe, sagte Hackbusch.

Grünwald wies dies zurück. Ihm sei es immer darum gegangen, unterschiedliche Positionen unter den Linken zusammenzuführen. In der „Aufstehen“-Bewegung habe er weder zu den Sprechern, noch zu den entscheidenden Kräften gehört. Bei der Wahl des Landessprechers musste sich Grünwald dann geschlagen geben.

Linken-Doppelspitze will die Gemeinschaft stärken

Die neue Linken-Doppelspitze versprach, sich für Zusammenhalt einzusetzen. „Wir müssen unsere Gemeinschaft wieder stärker in den Vordergrund stellen, nicht das wenige Trennende“, sagte Żaklin Nastić. Er werde „solidarisch mit allen Mitgliedern arbeiten“, sagte Keyvan Taheri. Die beiden lösen Olga Fritzsche und David Stoop ab, die wegen ihres Wechsels als Abgeordnete in die Bürgerschaft nicht mehr antreten durften.

Zu ihrem neuen Landesschatzmeister wählten die Hamburger Linken mit 47,9 Prozent den 28 Jahre alten früheren Linken-Fraktionschef von Wandsbek, Julian Georg. Landesgeschäftsführer bleibt Martin Wittmaack. Der 52-Jährige erhielt 70,3 Prozent der Stimmen.

Vor der Wahl hatten die Linken den Leitantrag des Vorstands „Linkes Handeln in der Krise – die soziale und ökologische Wende jetzt erkämpfen“ verabschiedet. Darin bleibt der Landesverband bei seiner Forderung nach einem Mietendeckel in Hamburg und fordert eine „soziale Wohnungsbauoffensive“.