Bilanz in Hamburg

6900 Schüler haben auf Sommerferien verzichtet

Erstmals konnten Schüler in Hamburg während der Ferien in der Schule lernen (Symbolbild).

Erstmals konnten Schüler in Hamburg während der Ferien in der Schule lernen (Symbolbild).

Foto: dpa Picture-Alliance / Christian Charisius / picture alliance/dpa

Drei Viertel der Hamburger Schulen haben sich an dem umstrittenen Programm beteiligt. Diese Fächer standen im Zentrum.

Hamburg.  An den zunächst umstrittenen Lernferien haben sich 6900 Schülerinnen und Schüler an insgesamt 241 Schulen beteiligt – das sind drei Viertel der staatlichen allgemeinbildenden Schulen. Erstmals konnten Schüler in kleinen Gruppen während der Sommerferien Lerndefizite ausgleichen. Hauptgrund für die Einführung der Lernferien waren die wochenlange Schließung und spätere Teilschließung der Schulen wegen der Corona-Pandemie.

Der Schwerpunkt des Angebots lag auf Schülerinnen und Schülern, die aufgrund der familiären Situation beim Fernunterricht benachteiligt waren und deswegen möglicherweise in Lernrückstand gerieten.

„Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass Schulen und Lehrkräfte in den Sommerferien zusätzliche Lernkurse für Schülerinnen und Schüler anbieten. Deshalb bin ich besonders froh darüber, dass in Hamburg rund 75 Prozent aller Schulen mitgemacht und insgesamt 968 14-tägige Lernkurse organisiert haben“, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Es sei den Schulen gelungen, in kürzester Zeit ein flächendeckendes Angebot zu organisieren und genügend Lehrkräfte zu finden.

Lernferien in den meisten Schulen sozial benachteiligter Stadtteile

Nach einer Detailauswertung der Schulbehörde haben 201 Grundschulen oder Grundschulabteilungen, 61 Gymnasien, 44 Stadtteilschulen und 13 Regio­nale Bildungs- und Beratungszentren (ReBBZ) an den Lernferien teilgenommen. In den sozial benachteiligten Stadtteilen haben sogar 89 Prozent der Schulen Lernferien angeboten.

Die Lerngruppen umfassten in der Regel sieben Schüler, in den ReBBZ waren es aufgrund der besonderen Lernbedingungen nur drei. Von den 968 Lerngruppen wurden 60 Prozent für Vor- und Grundschulkinder angeboten. Insgesamt 77 Prozent der Kurse entfielen auf Schülerinnen und Schüler bis Klasse sechs. Gut zwei Drittel aller Teilnehmer hatten entweder einen attestierten Sprachförderbedarf oder einen Anspruch auf kostenlose schulische Lernförderung aufgrund mangelhafter Leistungen. Knapp ein Drittel der Schüler besuchte die Lernferien, um pandemiebedingte Defizite auszugleichen.

Viele Lehramtsstudierende unter den Kursleitern

Neun von zehn Schülern wurden von ihren Lehrern angesprochen und nahmen freiwillig teil, der Rest meldete sich freiwillig. Lehramtsstudierende machten mit 42 Prozent die größte Gruppe der Kursleiter aus, gefolgt von Lehrkräften aus der schulischen Lernförderung mit 37 Prozent. Jeweils acht Prozent waren Kursleiter der Volkshochschule und Mitarbeiter von Nachhilfe-Instituten sowie fünf Prozent pensionierte Lehrkräfte.

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Im Zentrum der Lernkurse stand die Förderung der sprachlichen und mathematischen Kompetenzen. Bei 85 Prozent der Kurse stellten die Schulen eigenes Lernmaterial zusammen, bei 15 Prozent lieferte das Landesinstitut für Lehrerbildung die Unterlagen. Ein Modell sah die Organisation der Lernferien durch die Volkshochschule an Schulen in sozial benachteiligten Stadtteilen vor. Die Einheiten erstreckten sich über 14 Tage mit drei Unterrichtsstunden pro Tag. Beim zweiten Modell organisierten die Schulleitungen selbst die Angebote.

Lernferien in den Herbstferien geplant

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir mit diesem Angebot einen Teil der durch die Schulschließung ausgefallenen Unterrichtsstunden ersetzen konnten“, sagte Rabe. Rund 80 bislang nicht beteiligte Schulen planen Lernferien in den Herbstferien.

„Die Auswertung sagt nichts über die Qualität der Angebote bzw. den tatsächlichen Lernfortschritt der Kinder. Und die Lernferien bleiben noch hinter den eher bescheidenen selbst gesteckten Zielen der Schulbehörde zurück“, sagte Linken-Bürgerschaftsfraktionschefin Sabine Boeddinghaus. Zunächst sei eine Kapazität von mehr als 8300 Plätzen allein an Schulen in sozialen Brennpunkten vorgesehen gewesen.