Hamburg

Marcus Weinberg: „Jeder Schüler soll ein KZ besuchen“

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg.

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg.

Foto: Marcelo Hernandez

Weniger Zeitzeugen des Nationalsozialismus: CDU-Bundestagsabgeordneter sieht Senat in der Pflicht.

Hamburg.  Weil es immer weniger Zeitzeugen des Nationalsozialismus gibt, hält der Altonaer CDU-Bundestagsabgeordnete Marcus Weinberg es für erforderlich, dass Jugendliche verstärkt die Orte der Nazi-Gräueltaten besuchen. „Ziel muss es sein, dass jeder Hamburger Schüler und jede Hamburger Schülerin einmal in ihrem Leben eine KZ-Gedenkstätte besucht hat“, sagt Weinberg.

Die Entwicklungen der jüngsten Vergangenheit hätten gezeigt, „dass Rassismus und Antisemitismus in unserer Gesellschaft wieder zunehmen“, sagt der CDU-Politiker. „Als Historiker und Geschichtslehrer habe ich dieses Thema in allen Schulformen unterrichtet, vom humanistischen Gymnasium bis zur Hauptschule.

Für eine aktive Erinnerung, gegen das Vergessen

Aufklärung und Bildung funktionieren am besten über den Besuch von Gedenkstätten und Erinnerungsorten“, sagt der Abgeordnete. So könne man jungen Menschen zeigen, wohin Hass führen könne und wie wichtig Toleranz, Achtung und Respekt voreinander seien.

Auf Initiative Weinbergs hat der CDU-Bundesvorstand eine Stärkung der historisch-politischen Bildung beschlossen. „Jeder Schülerin und jedem Schüler soll es ermöglicht werden, vor Abschluss der Schulzeit eine KZ-Gedenkstätte zu besuchen“, heißt es in dem CDU-Beschluss. Die gezielte Förderung von schulischen Gedenkstättenfahrten stehe unter dem Motto „für eine aktive Erinnerung, gegen das Vergessen“.

Im KZ-Neuengamme waren vor zwei Jahren 15.613 Hamburger Schüler

Allerdings: Das Konzept muss aufgrund der Kulturhoheit in und von den Ländern umgesetzt werden. „Der Senat muss, wie es in anderen Bundesländern der Fall ist, eine institutionelle Förderung sicherstellen“, fordert Weinberg. Das beinhalte ein Finanzierungsprogramm, damit Schulen und freien Trägern in Hamburg die notwendigen Mittel zur Organisation dieser Reisen – etwa nach Auschwitz – zur Verfügung stehen. Exakt 15.613 Hamburger Schüler haben 2018 die KZ-Gedenkstätte Neuengamme besucht (2017: 13.778), wobei nur wenig Fahrtkosten anfallen.

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Nach den rechtsextremistischen Anschlägen von Halle 2019 hatte die CDU-Bürgerschaftsfraktion einen Aktionsplan zum Kampf gegen Antisemitismus vorgelegt, der auch einen Pflichtbesuch von KZ-Gedenkstätten für Schüler vorsah. In einem daraus entwickelten interfraktionellen Antrag wird der Senat nur noch ersucht, „verstärkt auf Besuche in KZ-Gedenkstätten zu setzen“.