Vorsichtsmaßnahme

Wird der Hamburger Uni-Betrieb wegen Corona verschoben?

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hoffte vergebens auf eine einheitliche Linie der Länder.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hoffte vergebens auf eine einheitliche Linie der Länder.

Foto: Laible

Hamburg erwägt, das Sommersemester wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus um zwei Wochen zu verlegen.

Hamburg. Bayern, Baden-Württemberg und Berlin haben es schon beschlossen: Sie werden den Beginn des Sommersemesters an ihren Hochschulen auf den 20. April verlegen. Bald könnte auch Hamburg diesem Beispiel folgen: Wegen der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus erwägen die Hochschulen und Behörden in der Hansestadt, die Vorlesungszeit nicht wie vorgesehen Anfang des kommenden Monats zu beginnen, sondern um zwei Wochen nach hinten zu verschieben. Dabei geht es ausdrücklich nicht um eine Verkürzung des Semesters.

Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) hatte vor den Spitzentreffen von Bund und Ländern am Donnerstag in Berlin die Erwartung geäußert, dass dort hinsichtlich des Umgangs mit Corona „über eine gemeinsame Linie nicht nur beraten, sondern auch entschieden wird“. Doch am Abend war dann in Verhandlungskreisen nur noch von einem „abgestimmten Vorgehen“ die Rede, was jedoch nicht zwangsläufig bedeuten müsse, dass es eine einheitliche Haltung aller 16 Bundesländer geben wird. Mit anderen Worten: Jedes Land entscheidet innerhalb eines gewissen Rahmens weiterhin für sich.

Was bedeutet das nun für Hamburg? Aus der Wissenschaftsbehörde hieß es, man befinde sich dazu in engem Austausch mit den Hochschulen und der beim Thema Corona federführenden Gesundheitsbehörde. Eine Verschiebung des Vorlesebetriebs könne man sich aber vorstellen. Die Entscheidung darüber solle zeitnah fallen.

Hochschulen wollen wegen Corona jedes Risiko vermeiden

Eine zeitliche Verschiebung des Uni-Alltags wäre jedenfalls im Interesse der Hochschulen. Denn bei ihnen geht die Sorge um, dass sich bei einem normalen Betrieb schon ab Anfang April die Ansteckungsgefahr an den Hochschulen sehr schnell erhöhen könne. So ein Risiko wolle man möglichst vermeiden.

Daher befassen sich die Lehranstalten schon seit Wochen mit möglichen Corona-Auswirkungen. So hatte die Universität Hamburg, mit mehr als 43.000 Studierenden die größte Hochschule der Stadt, schon Ende Januar Anweisungen erlassen, die sich seinerzeit noch vor allem auf China bezogen, wo das Coronavirus erstmals nachgewiesen worden war. „Dienstreisen von Beschäftigten nach China werden bis auf Weiteres nicht genehmigt“, hieß es seinerzeit. Geplante Tagungen, Kongresse oder Konferenzen in Hamburg mit China-Bezug oder unter Teilnahme von Personen, die ihren ständigen Wohnsitz in China haben, wurden verschoben. Und es wurde ermittelt, welche Universitätsangehörigen seit Anfang Januar in China waren, „um für den Fall einer Erkrankung ggf. Maßnahmen gegen eine Ausbreitung des Virus in der Universität veranlassen zu können“.

Veranstaltungen mit möglichst wenig Präsenz

Nachdem das Virus nun in Hamburg angekommen ist, wird auch geprüft, inwiefern Vorlesungen und andere Veranstaltungen mit möglichst wenig Präsenz durchführbar sind – etwa indem Studenten sie per Livestream von zu Hause aus verfolgen können.

Coronavirus: So können Sie sich vor Ansteckung schützen

  • Niesen oder husten Sie am besten in ein Einwegtaschentuch, das sie danach wegwerfen. Ist keins griffbereit, halten Sie die Armbeuge vor Mund und Nase. Danach: Händewaschen
  • Regelmäßig und gründlich die Hände mit Seife waschen
  • Das Gesicht nicht mit den Händen berühren, weil die Erreger des Coronavirus über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen in den Körper eindringen und eine Infektion auslösen können
  • Ein bis zwei Meter Abstand zu Menschen halten, die Infektionssymptome zeigen
  • Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind überflüssig – sie können sogar umgekehrt zu Nachlässigkeit in wichtigeren Bereichen führen

Eine Sonderstellung nimmt die Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) ein, mit mehr als 17.000 Studierenden die zweitgrößte Hochschule der Stadt, denn am Berliner Tor und den anderen Standorten hat der Lehrbetrieb schon am 9. März begonnen. Sollte es zu einer Verschiebung des Vorlesebetriebs kommen, würde die Hochschule Vorlesungen und Seminare ab Anfang April für zwei Wochen aussetzen, sagte Präsident Professor Micha Teuscher dem Abendblatt.

An der HAW hängen Hinweise zur Infektionsprävention

Er ordnete bereits in der vergangenen Woche an und ließ auch via E-Mail alle Studenten und anderen Hochschulmitglieder darüber informieren, dass es Reiserückkehrern aus Risikogebieten wie Italien und Iran 14 Tage lang untersagt ist, die HAW zu betreten – gerechnet ab dem Zeitpunkt der Ausreise aus einem Risikogebiet. Das gelte für Studierende ebenso wie Lehrende und Verwaltungsmitarbeiter. An den Eingängen zu allen Gebäuden der HAW seien zudem Schilder mit Hinweisen zur „Infektionsprävention“ aufgestellt worden.

Außerdem sollen Professoren und wissenschaftliche Mitarbeiter zu Beginn von Lehrveranstaltungen darauf verweisen. Die HAW habe diese Maßnahmen im Rahmen ihres Hausrechts festgelegt, sagte Teuscher. Für die betroffenen Studierenden soll es einen Nachteilsausgleich geben. Dabei geht es etwa um die Frage, inwiefern Ausnahmen hinsichtlich der Anwesenheitspflicht gemacht werden können.

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Dem Hochschulchef zufolge haben sich inzwischen viele HAW-Professoren darauf vorbereitet, ihre Vorlesungen auch digital anzubieten, sodass sich für einen Teil der Lehrveranstaltungen eine zweiwöchige Auszeit überbrücken ließe. Womöglich könnten einige Veranstaltungen digital sogar bis zum Ende des Sommersemesters stattfinden, um weniger Studierende auf dem Campus zu haben – auch das könne für eine verringertes Ansteckungsrisiko sorgen, sagte Teuscher.

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