Hamburg

Die Fehler der Meinungsforscher bei der Bürgerschaftswahl

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Matthias Popien
So jubelte die SPD nach der ersten Prognose.

So jubelte die SPD nach der ersten Prognose.

Foto: Marcelo Hernandez

Warum ARD und ZDF die Stimmenanteile der AfD erst spät korrekt vermeldeten. Besser machte es das staatliche Statistikamt Nord.

Hamburg.  Am Sonntag um 18 Uhr brach gleich an mehreren Stellen in Hamburg Jubel aus – zum Beispiel bei der Wahlparty der SPD. „Nazis raus“, riefen die Sozialdemokraten – und das war keine Forderung, sondern eine Feststellung. 4,7 Prozent zeigte die Prognosen des Wahlergebnisses bei ARD und bei ZDF. Zwei Sender, ein klares Ergebnis: Was konnte da noch schiefgehen? Die Antwort lautet: Alles konnte schiefgehen. Sowohl die Forschungsgruppe Wahlen, die an diesem Abend die Prognose- und Hochrechnungsdaten fürs ZDF lieferte, als auch das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap, das der ARD zu Diensten war, lieferten lange falsche Informationen.

Besser machte es das staatliche Statistikamt Nord. Es veröffentlicht in Zusammenarbeit mit dem Hamburger Landeswahlleiter eigene Hochrechnungen. Und die schon gegen 19.40 Uhr präsentierten Zahlen sahen die AfD sehr deutlich drin: mit 5,8 Prozent.

Keine Fakten sondern eine allgemeine Stellungnahme

Doch dies blieb erst einmal eine Einzelstimme. Thema des Wahlabends war zunächst das schlechte Ergebnis der AfD. So verschickte beispielsweise das Presseteam des schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU) ein Statement, in dem es unter anderem hieß: „Das schwache Abschneiden für die AfD ist die erfreulichste Nachricht des Wahlabends. Danke an alle Hamburgerinnen und Hamburger, die das ermöglicht haben.“ Erst mit den Hochrechnungen um 20.51 Uhr (ARD) und 21.33 Uhr (ZDF) sahen dann auch die beiden großen Meinungsforschungsinstitute die AfD über fünf Prozent – also nah am Wahlergebnis von 5,3 Prozent.

Bei Infratest dimap bekommt man zu den AfD-Zahlen keine Fakten, sondern nur eine allgemeine Stellungnahme. „Dass wir mit unserer 18.00-Uhr-Prognose zur Bürgerschaftswahl die AfD unterhalb der 5-%-Hürde sahen, bedauern wir“, schreibt Geschäftsführer Michael Kunert. Über die danach ebenfalls fehlerhaften Hochrechnungen: kein Wort.

Kompliziertes Wahlrecht

Matthias Jung, Mitglied des Vorstands der Forschungsgruppe Wahlen GmbH, macht unter anderem das komplizierte Wahlrecht für den Fehler verantwortlich. Die Auszählung habe deshalb viel länger gedauert: „Selbst bei den Hochrechnungen gegen 20 Uhr haben noch nicht ausreichend ausgezählte Stimmbezirke vorgelegen.“ Außerdem habe es einen „Zusammenbruch eines Servers beim Landeswahlleiter“ gegeben, sodass eine Zeit lang keine neuen Daten zur Verfügung gestanden hätten.

Deshalb mussten sich die Meinungsforscher lange auf die Ergebnisse ihrer Nachwahlbefragungen stützen. Und die sind erstens nicht sehr genau – manch einer der Befragten flunkert –, und zweitens fehlen die Ergebnisse der Briefwähler. Ersatzweise operieren die Institute mit Annahmen über die Ergebnisse der Briefwahl. Doch die haben offenbar nicht gestimmt. Tatsache ist, dass man es hätte besser machen können. Hamburgs Landeswahlleiter Oliver Rudolf sagt: „Uns war schon früh klar, dass die AfD drinbleiben würde.“