Volt & Co.

Zwei "Sonstige" haben in Hamburg durchaus Perspektive

| Lesedauer: 3 Minuten
Sven Kummereincke
Volt-Plakatwerbung mit den Kandidaten Mira Alexander und Patrick Fischer.

Volt-Plakatwerbung mit den Kandidaten Mira Alexander und Patrick Fischer.

Foto: Imago

Vor allem Volt und Die Partei könnten in Zukunft eine größere politische Rolle spielen. Debütant Volt ist stolz auf das Wahlergebnis.

Hamburg.  Diesmal waren es 6,1 Prozent. So viele Stimmen haben die sogenannten kleinen Parteien zusammen bekommen, die meist in der Rubrik „Sonstige“ auftauchen. Mit Landeslisten sind bei der Wahl Volt (1,3 Prozent), Die Partei (1,4), Tierschutzpartei (0,7), ÖDP, (0,7), Freie Wähler (0,6), die Piraten (0,5), Tierschutz hier! (0,5), die Humanisten und die Partei Gesundheitsforschung (je 0,2) angetreten.

Während einige Gruppierungen klassische Ein-Thema-Parteien sind wie de Tierschützer etwa, denen es kaum möglich sein wird, größere Wähler­gruppen anzusprechen, verdienen die beiden Bestplatzierten durchaus Beachtung. Gerade der pro-europäischen Partei Volt, die in mehreren europäischen Ländern antritt, trauen manche mittelfristig zu, die Fünfprozenthürde zu überspringen.

Volt hat vor allem sehr junge Anhänger

„Wenn wir gemeinsam auf allen Ebenen proeuropäische Politik machen, bringen wir Europa zu den Menschen vor Ort und können Probleme über Grenzen hinweg lösen“, sagte Friederike Schier, die „Vorstandsvorsitzende“ von Volt Deutschland. Hamburg ist der erste deutsche Landesverband, der bei einer Wahl angetreten ist. Spitzenkandidatin Mira Alexander sagte, sie sei „unglaublich stolz auf unser Wahlergebnis“. Volt ist 2017 von einem Italiener, einer Französin und einer Deutschen gegründet worden und hat vor allem sehr junge Anhänger.

Ganz anders, aber nicht chancenlos für immer sind die Satiriker um Martin Sonneborn von „Die Partei“, die schon bei den Europawahlen in Hamburg ein beachtliches Ergebnis hatten: 3,8 Prozent. Sie stellt zwei Abgeordnete im Europaparlament. Auf dem absteigenden Ast sind dagegen die Piraten, die nur noch 0,5 Prozent errangen – nach 1,6 und 2,1 Prozent bei den vorherigen Wahlen.

Eindruck täuscht

Der Eindruck, dass die Kleinen immer mehr und immer größer werden, ist indes durchaus falsch. Zwar ist der Anteil der „Sonstigen“ an den Stimmen im Vergleich zu 2015 – damals waren es 4,2 Prozent für sieben Parteien – um 1,9 auf 6,1 gestiegen. Bei der Wahl davor kamen sie zusammen aber auch schon auf 5,5 Prozent. In den Nullerjahren war ihr Anteil gesunken: von 4,3 Prozent (2001) – damals kam die Schill-Partei kurz nach ihrer Gründung auf 19,6 Prozent – über 4,2 Prozent (2004; die Schill-Partei mit 3,1 Prozent und die FDP mit 2,8 nicht mitgerechnet) auf 2,5 Prozent im Jahr 2008.

In den 1990er-Jahren war das ganz anders. 1997 entfielen 6,7 Prozent auf die „Sonstigen“, 1993 waren es 6,4 Prozent. Alle Parteien zusammengerechnet, die es damals nicht ins Parlament schafften, kamen sogar auf 14,6 Prozent. Denn die rechtspopulistischen Republikaner scheiterten mit 4,8 Prozent nur knapp. Auch die FDP schaffte es mit 4,2 Prozent nicht. Und die rechtsextreme DVU kam damals auf 2,8 Prozent.