Hamburg

41 Wärmebild-Kameras zählen Radfahrer – die Standorte

| Lesedauer: 4 Minuten
Andreas Dey
Radschnellwege und Radfahren in Hamburg: Auch am Theodor-Heuss-Platz vor dem Dammtorbahnhof sollen künftig Radfahrer mit Hilfe einer Wärmebildkamera gezählt werden (simuliertes Wäremebild).

Radschnellwege und Radfahren in Hamburg: Auch am Theodor-Heuss-Platz vor dem Dammtorbahnhof sollen künftig Radfahrer mit Hilfe einer Wärmebildkamera gezählt werden (simuliertes Wäremebild).

Foto: Andreas Laible

Das System kostet knapp 1,4 Millionen Euro und hat einen gewöhnungsbedürftigen Namen. Die Ergebnisse werden Folgen haben.

Hamburg.  Wie viele Radfahrer sind in Hamburg wirklich unterwegs? Und wo? Und wann? Deutlich mehr als noch vor zehn Jahren – so viel ist klar, darin stimmen alle Statistiken überein. Doch die exakte Entwicklung lässt sich schwer ablesen. So hatte kürzlich eine Auswertung der „Fahrradpegel“ überraschend ergeben, dass 6,6 Prozent weniger Radler unterwegs waren als noch 2018. Allerdings gilt diese Art der Datenerhebung, bei der an 38 Stellen in der Stadt für einen Tag das Radverkehrsaufkommen registriert wird, als nicht sehr belastbar: So können unterschiedliche Wetterbedingungen an den Vergleichstagen die Ergebnisse stark verfälschen.

Künftig wird die Datengrundlage sehr viel verlässlicher, denn Hamburg bekommt an 41 Standorten dauerhafte Zählstellen für den Radverkehr. Dabei erfassen Wärmebildkameras an Lichtmasten oder Ampeln das Radverkehrsaufkommen. Die ersten sollen noch in diesem Jahr installiert werden, der Rest 2020.

Radfahrer zählen: Daten in Echtzeit im Internet

Die von ihnen erfassten Daten sollen in Echtzeit auf dem städtischen Geoportal (www.geoportal-hamburg.de) bereitgestellt werden und dort für alle Bürger einsehbar sein. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage von Martin Bill, Verkehrsexperte der Grünen in der Bürgerschaft, hervor.

Demnach erfolgt der Aufbau des neuen Hamburger Radverkehrszählnetzes (HaRaZäN) im Rahmen des ITS-Weltkongresses, der 2021 in Hamburg stattfindet. ITS steht für Intelligente Verkehrssysteme und Services. Von den Kosten für das Zählnetz in Höhe von 1,38 Millionen Euro übernimmt der Bund 50 Prozent.

„Wir arbeiten weiter mit Hochdruck an der Fahrradstadt Hamburg“, sagte Bill dem Abendblatt. „Schon seit langer Zeit fordern wir verlässliche Daten, um eine sinnvolle Radverkehrsplanung voranzutreiben. Von den 41 neuen Standorten für Zählstellen erhoffen wir uns wichtige Erkenntnisse für die Radverkehrsplanung.“

Radschnellwege: Sind sie breit genug?

So könne es zum Beispiel sein, dass sich bei hohem Radverkehrsaufkommen vor allem im Bereich der Innenstadt die heutige Regelbreite von 2,25 Metern für Radfahrstreifen auf den Velorouten als nicht ausreichend herausstelle. „Um die Attraktivität des Radverkehrs zu steigern, brauchen wir aber komfortable und sichere Radverkehrsanlagen“, so Bill. Die Bereitstellung der Daten in Echtzeit sei „für jeden Fahrradbegeisterten eine richtig coole Sache“.

An diesen 41 Standorten werden laut Senat die Wärmebildkameras installiert:

  • Altona-Nord: Große Bergstraße, Lessingtunnel.
  • Barmbek-Nord: Barmbeker-Ring-Brücke.
  • Barmbek-Süd: Hamburger Straße/Adolph-Schönfelder-Straße
  • Bergedorf: Oberer Landweg/Ladenbeker Furtweg
  • Billstedt: Billstedter Hauptstraße/Re­clamstraße
  • Borgfelde: Burgstraße
  • Eidelstedt: Elbgaustraße (Bahntunnel)
  • Eilbek: Ritterstraße/Hasselbrookstraße
  • Eimsbüttel: Osterstraße und Schäferkampsallee/Schröderstiftstraße
  • Farmsen-Berne: August-Krogmann-Straße/Rahlstedter Weg
  • Groß Flottbek: Osdorfer Landstraße/Windmühlenweg
  • HafenCity: Neue Elbbrücke/Zweibrückenstraße
  • Hamburg-Altstadt: Mönckebergstraße
  • Harburg: Alte Harburger Elbbrücke/ Brücke des 17. Juni, Harburger Ring/Neue Straße, Moorstraße/Wilstorfer Straße
  • Harvestehude: Krugkoppelbrücke, Radweg Bogenstraße/Kaiser-Friedrich-Ufer
  • Hoheluft-West: Hoheluftchaussee/Eppendorfer Weg
  • Langenhorn: Langenhorner Marktbrücke/Tangstedter Landstraße
  • Lohbrügge: Alte Holstenstraße
  • Marienthal: Wandsbeker Marktstraße
  • Neustadt: Millerntordamm/Holstenwall, Stephansplatz
  • Niendorf: Niendorfer Marktplatz
  • Poppenbüttel: Saseler Damm/Heegbarg
  • Rahlstedt: Rahlstedter Straße/Loher Straße
  • Rothenburgsort: Billhorner Brückenstraße/Am Billhafen
  • Rotherbaum: Kennedybrücke, Neuer Jungfernstieg/Alsterufer, Theodor-Heuss-Platz
  • St. Pauli: Landungsbrücken (vor U- und S-Bahn), Neuer Kamp/Sternstraße
  • Steinwerder: Hermann-Blohm-Straße (Alter Elbtunnel)
  • Uhlenhorst: Mundsburger Damm/Hartwicusstraße
  • Wilhelmsburg: Neuenfelder Straße/Otto-Brenner-Straße, Wilhelmsburger Reichsstraße/Gert-Schwämmle-Weg
  • Winterhude: Langenzugbrücke, Leinpfad

Wie berichtet, will die Verkehrs­behörde den gesamten Verkehr flächendeckend mithilfe von Wärmebildkameras überwachen – zum einen, um rund um die Uhr ein Bild der aktuellen Verkehrslage zu bekommen und gegebenenfalls darauf reagieren zu können. Zum anderen, um Erkenntnisse für die Verkehrsplanung zu gewinnen.

Im Sommer begann der Aufbau des Systems, bis 2021 sollen an insgesamt 420 Kreuzungen rund 2000 Kameras installiert sein. Zusätzlich wird nun an 41 Stellen der Fahrradverkehr gemessen.

Die Koalition aus SPD und Grünen hat das Ziel, den Anteil des Radverkehrs in Hamburg von derzeit rund 15 auf 25 Prozent im kommenden Jahrzehnt zu steigern. Pro Jahr sollen 60 Kilometer Radwege oder Fahrradstreifen auf Straßen neu gebaut oder erneuert werden – dieses Ziel wurde in den vergangenen beiden Jahren jedoch deutlich verfehlt.

Auch daher macht mittlerweile die Volksinitiative „Radentscheid Hamburg“ Druck: Sie hat kürzlich mehr als 22.000 Unterschriften eingereicht und fordert nicht nur mehr, sondern vor allem sicherere Radwege.

Protected Bike Lanes: Vorbild Kopenhagen

Dazu gehört aus ihrer Sicht, dass statt der auf die Straße gemalten Radstreifen „geschützte Radwege“ entstehen, die baulich von der Straße getrennt sind. Von den Vorzügen dieser „Protected Bike Lanes“ hatten sich Martin Bill und Grünen-Fraktionschef Anjes Tjarks Ende Oktober in Kopenhagen überzeugt. Das Konzept soll künftig auch in Hamburg getestet werden.