Hamburg nach der Wahl

Bezirkswahlen: Wo die SPD noch stärkste Partei ist

Blick vom Energieberg in Georgswerder: Wilhelmsburg gehört zu den Stadtteilen, in denen die SPD ihre besten Bezirkswahlergebnisse eingefahren hat.

Blick vom Energieberg in Georgswerder: Wilhelmsburg gehört zu den Stadtteilen, in denen die SPD ihre besten Bezirkswahlergebnisse eingefahren hat.

Foto: Imago/Hoch zwei/Angerer

Wo waren die Grünen besonders stark, wo die CDU besonders schwach? So haben Hamburgs Stadtteile gewählt. Der Überblick.

Hamburg. Zwar gibt es die klassischen Arbeiter-Stadtteile, in denen die SPD einst ihr großes Wählerreservoir hatte, nicht mehr. Aber dort, wo die Sozialdemokraten früher ihre Hochburgen hatten und heute oft überproportional viele Menschen Empfänger von Sozialhilfeleistungen sind, schneidet sie auch heute noch vergleichsweise gut ab. Das hat die aktuelle Analyse des Statistischen Landesamtes zur Bezirksversammlungswahl vom 26. Mai ergeben.

Die SPD ist in den Vierteln mit einem relativ hohen Anteil von Hartz-IV-Empfängern sogar stärkste Kraft geworden und kommt auf einen Anteil von 27,5 Prozent (landesweit 24 Prozent), während die Grünen als Gewinner der Bezirkswahl nur bei 25,7 Prozent (31,3 Prozent) landen. In den Stadtteilen mit geringem sozialen Status ist auch die Linke stark und kommt mit 15,2 Prozent (10,7 Prozent) auf Platz drei noch vor der CDU mit 14,2 Prozent (18,2 Prozent). Die AfD erreicht neun Prozent (6,3 Prozent) und die FDP 5,1 Prozent (6,6 Prozent).

Zu den Stadtteilen mit den besten SPD-Werten von deutlich über 30 Prozent gehören die früheren Arbeiterviertel Wilhelmsburg/Steinwerder mit 32,2 Prozent, Veddel mit 31,4 Prozent, Ro­thenburgsort mit 32,9 Prozent, Billstedt/Billbrook mit 33,2 Prozent, Steilshoop mit 34,2 Prozent und Lurup mit 33,1 Prozent. Am besten schnitten die Sozialdemokraten in Finkenwerder/Waltershof/Neuwerk mit 38 Prozent ab.

Niedrige Wahlbeteiligung in sozial benachteiligten Vierteln

Doch die guten Ergebnisse haben eine relativ geringe Auswirkung auf das Gesamtergebnis der SPD, weil die Wahlbeteiligung in den sozial benachteiligten Stadtteilen sehr niedrig ist. So haben in diesen Quartieren nur 45,4 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, während es in Stadtteilen mit hohem Sozialstatus 71,5 Prozent waren. Insgesamt lag die Wahlbeteiligung bei den Bezirkswahlen bei 58,6 Prozent (2014: 40,9 Prozent).

Dort, wo der Anteil von Sozialhilfeempfängern besonders niedrig und der Sozialstatus sehr hoch ist, haben die Grünen die CDU als stärkste Kraft abgelöst. Die Ökopartei kommt in diesen Stadtteilen auf 30,7 Prozent, gefolgt von der CDU mit 27,8 Prozent. Hier ist die SPD mit 18,9 Prozent deutlich abgeschlagen, während die FDP mit 9,7 Prozent überproportional gut abschneidet. Die Linke kommt in diesen Quartieren auf 6,4 Prozent, die AfD nur auf 4,8 Prozent.

In den Vier- und Marschlanden sowie den Walddörfern im Nordosten der Stadt schneidet die CDU besonders gut ab. In diesen nicht besonders stark besiedelten und eher ländlichen Gebieten kommt die CDU auf 27,4 Prozent und ist damit stärkste Kraft vor den Grünen, die 24,6 Prozent erreichen. Spitzenwerte erzielt die CDU in Kirchdorf mit 36,5 Prozent, Ochsenwerder mit 35,2 Prozent und in den zusammengefassten Stadtteilen Reitbrook/Allermöhe/Billwerder/Moorfleet/Tatenberg/Spadenland mit ebenfalls 35,2 Prozent.

Grüne erzielen beste Ergebnisse in urbanen Stadtteilen

In den urbanen Stadtteilen mit hoher Bevölkerungsdichte haben die Grünen mit durchschnittlich 38,6 Prozent ihre besten Ergebnisse geholt. Die Topwerte bescherten die Wähler den Grünen in Eimsbüttel mit 49,2 Prozent, Hoheluft-West mit 47,8 Prozent sowie Sternschanze mit 46,5 Prozent.

Von der deutlich erhöhten Wahlbeteiligung im gesamten Stadtgebiet haben vor allem die Grünen profitiert. Die Partei konnte die Zahl der absoluten Stimmen um das Anderthalbfache steigern: von 491.400 (2014) auf jetzt 1,24 Millionen Stimmen. Auch die CDU hat die Zahl der absoluten Stimmen um 52.585 auf 720.962 gesteigert. Sogar die SPD konnte ein leichtes Plus von 3684 auf jetzt 951.939 Stimmen verzeichnen, obwohl sie prozentual gesehen von 35,2 auf 24 Prozent abgestürzt ist.

Auch die drei kleineren Parteien haben profitiert. Die Linke gewann 151.597 Stimmen hinzu und kommt auf 425.572. Die FDP steigerte ihr Kontingent um 147 Prozent: von 105.387 auf 261.689 Stimmen. Die AfD konnte ihre Stimmenzahl mehr als verdoppeln und kam nach 120.964 (2014) auf 251.355 Stimmen.

Die höchsten und niedrigsten Ergebnisse

der Parteien im Überblick:

Die SPD: Zwischen 9,6 und 38 Prozent

Die SPD musste in der gesamten Stadt herbe Verluste hinnehmen. Besonders schlechte Ergebnisse erzielten die Sozialdemokraten auf dem Kleinen Grasbrook (9,6 %), Sternschanze (11,7 %), St. Pauli (14,0 %), Nienstedten (15,0 %), Wohldorf-Ohlstedt (15,1 %) und Blankenese (15,8 %).

Die höchste Zustimmung bekam die SPD in Finkenwerder/Waltershof/Neuwerk (38,0 %), in Billstedt/Billbrook (33,2 %), Lurup (33,1 %), Rothenburgsort (32,9 %), Neuland/Gut Moor (32,8 %), Jenfeld (32,7 %), Wilhelmsburg/Steinwerder (32,2 %) und auf der Veddel (31,4 %). Über 30 Prozent kamen die Sozialdemokraten auch in Lohbrügge (30,9 %) Eidelstedt (30,8 %), Horn (30,6 %), Farmsen-Berne (30,2 %). In allen anderen Stadtteilen verfehlten sie die 30-Prozent-Marke.

Die CDU: Zwischen 2,4 und 36,5 Prozent

Der CDU gelang es zum großen Teil nicht, von der Schwäche der SPD zu profitieren. Auch die Union büßte stadtweit Stimmanteile ein, in einigen – traditionell schwachen – Stadtteilen landete sie bei weit weniger als zehn Prozent der Stimmen: Auf der Veddel und auf dem Kleinen Grasbrook (je 2,4 %), auf St. Pauli (4,5 %), in der Sternschanze (5,4 %), Altona-Nord (5,9 %), Altona-Altstadt (6,2 %), in Ottensen (7,9 %) und Eimsbüttel (9,0 %).

Ihre Hamburger Hochburgen hat die CDU in Kirchwerder (36,5 %), Ochsenwerder (35,2 %) und den zusammengefasst berechneten Stadtteilen Reitbrook / Allermöhe / Billwerder / Moorfleet / Tatenberg / Spadenland (35,2%).

Wo die Grünen beinahe die absolute Mehrheit haben

Der Wahlsieger der Bezirkswahlen. In fast allen Stadtteilen erreichten die Grünen Rekordwerte, zum Teil mit Stimmenzuwächsen von mehr als 15 Prozentpunkten. Besonders stark schnitten sie in Eimsbüttel (49,2 %), Hoheluft-West (47,8 %), Sternschanze (46,5 %) und Altona-Nord (45,3 %) ab, wo sie die absolute Mehrheit jeweils nur knapp verfehlten.

Es gibt aber auch weiterhin Stadtteile, in denen vergleichsweise wenige Wähler ihre Kreuze bei den Grünen machen. Ihre schwächsten Ergebnisse erzielten sie im statistischen Konglomerat aus Reitbrook / Allermöhe / Billwerder / Moorfleet / Tatenberg / Spadenland (15,6 %), Neuland / Gut Moor (16,5 %), Billstedt/Billbrook (17,3 %), Kirchwerder (18,2 %), Jenfeld (18,8 %), Lohbrügge (19,0 %) und Ochsenwerder (19,7 %). In allen anderen Stadtteilen erzielten die Grünen ein Ergebnis jenseits der 20-Prozent-Marke.

Die Linke: Zwischen vier und 41 Prozent

Die Linke konnte im Vergleich zu den letzten Bezirkswahlen ihre Ergebnisse leicht verbessern: Auf dem Kleinen Grasbrook (41,0 %), St. Pauli (32,9 %) und auf der Veddel (30,6 %) sind sie traditionell sehr stark, auf mehr als 20 Prozent kommt die Linke darüber hinaus in der Sternschanze (29,0 %), in Altona-Altstadt (26,0 %), Altona-Nord (24,5 %) und Ottensen (22,0 %).

Besonders schwach ist die Linke in Wellingsbüttel, Lehmsahl-Mellingstedt (je 3,7 %), Nienstedten, Duvenstedt (je 3,8 %), Blankenese (4,4 %), Sasel (4,5 %) und Poppenbüttel (4,8 %). In allen anderen Stadtteilen erreicht sie mindestens fünf Prozent der Stimmanteile.

Wo die meisten FDP-Wähler leben

Die Liberalen erzielen leichte Zuwächse und kommen in mehreren Stadtteilen auf mehr als zehn Prozent der Stimmen. Besonders viele FDP-Wähler leben in Nienstedten (14,0 %), der HafenCity (13,2 %), Blankenese (13,1 %). Auch in Harvestehude (12,5 %), Othmarschen (12,4 %) und Groß Flottbek (12,3 %), Wellingsbüttel, Wohldorf-Ohlstedt (je 11,5 %), auf der Uhlenhorst (11,0 %), in Rotherbaum (10,6 %) und Eppendorf (10,2 %) schneiden die Liberalen stark ab.

Weniger als drei Prozent der Stimmen entfallen auf die FDP auf der Veddel (2,4 %) und auf St. Pauli (2,6 %).

In welchem Stadtteil die AfD nur 1,2 Prozent bekam

Die Rechtspopulisten bleiben insgesamt auf relativ niedrigem Stimmniveau. Auf mehr als zehn Prozent der Stimmen kommen sie nur in Neuland / Gut Moor (14,1 %), Billstedt/Billbrook (13,1 %), Hausbruch (12,6 %), Wilstorf (12,2 %), Neugraben-Fischbek und Jenfeld (je 11,9 %), in Neuallermöhe (11,7 %), Langenbek (11,3 %), Rönneburg (11,2 %), Horn (10,7 %), Sinstorf (10,5 %), Steilshoop (10,3 %) und Tonndorf (10,2 %).

Weniger als drei Prozent der Stimmen entfallen auf die Rechtspopulisten in der Sternschanze (1,2 %), in Ottensen (2,2 %), Altona-Nord, Eimsbüttel (je 2,3 %), Hoheluft-West (2,5 %), Hoheluft-Ost (2,8 %), auf St. Pauli (2,8 %) und dem Kleinen Grasbrook (2,9 %).