CDU-Parteitag

In Hamburg schließt sich für Angela Merkel ein Kreis

Angela Merkel im Gespräch mit ihrem damaligen Mentor Helmut Kohl

Angela Merkel im Gespräch mit ihrem damaligen Mentor Helmut Kohl

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Über die Historie von CDU-Parteitagen: Die heutige Bundeskanzlerin hielt vor 28 Jahren eine erste kleine Rede – im Hamburger CCH.

Hamburg.  Vor etwas mehr als 28 Jahren begann der Aufstieg Merkels zu einer der mächtigsten Politikerinnen weltweit mit einer kleinen Rede in Hamburg: auf dem sogenannten Vereinigungsparteitag der CDU am 1. und 2. Oktober 1990 im Congress Centrum. Für Angela Merkel schließt sich somit mit dem 31. Bundesparteitag der CDU in den Messehallen ein Kreis.

Unmittelbar vor dem Vollzug der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 traten damals die fünf ostdeutschen Landesverbände der CDU der Bundespartei bei. Merkel hat sich erst vor wenigen Monaten in einem Aufsatz für die Konrad-Adenauer-Stiftung an den Konvent in ihrer Heimatstadt Hamburg erinnert.

„Helmut Kohl sagte zu mir: Sprich lieber über dich als über Politik“

„Als Delegierte des Demokratischen Aufbruchs sollte ich eine kleine Rede halten – meine erste Parteitagsrede“, schrieb Merkel. „Helmut Kohl sagte zu mir: Sprich lieber über dich und deine Biografie als über Politik.“ Das sei für sie damals ein überraschender Hinweis gewesen. „Über die folgenden Jahre verstand ich jedoch immer besser, was hinter seinem Satz stand: Für Helmut Kohl war sein Verständnis politischen Handelns stets von Herkunft, Biografie und persönlicher Beziehung geprägt“, erinnerte sich die Kanzlerin.

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Es war Merkel selbst, die am Vorabend des Vereinigungsparteitages das persönliche Gespräch mit Kohl initiiert hatte. Und offensichtlich hat die junge Politikerin den Rat des damaligen Bundeskanzlers auf dem Parteitag 1990 beherzigt. Chronisten berichten von einer kurzen Rede, in der sich Merkel als „ehemalige Pressesprecherin des Demokratischen Aufbruchs“ und Mitarbeiterin des letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière vorstellte.

„Ich freue mich auf die gemeinsame Arbeit und bin auf den gemeinsamen Weg gespannt“, sagte Merkel, die eine von drei Delegierten des Demokratischen Aufbruchs (DA) war. Der DA hatte allerdings nach dem schlechten Abschneiden bei der letzten Volkskammerwahl bereits den Anschluss an die Ost-CDU beschlossen.

Der Vereinigungsparteitag der CDU in Hamburg, Merkels Initialzündung

Angela Merkel erhielt nach dem Parteitag übrigens eine Planstelle als Ministerialrätin im Bundespresse- und Informationsamt. Der Vereinigungsparteitag der CDU in Hamburg war die Initialzündung für eine sehr zielstrebige politische Karriere: Merkel bewarb sich um ein Bundestagsmandat und wurde Direktkandidatin der CDU im Wahlkreis Stralsund/Rügen/Grimmen.

Bei der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl am 2. Dezember 1990 gewann die Newcomerin ihren Wahlkreis mit 48,5 Prozent der Stimmen. Nach einem weiteren Treffen mit Kohl holte der wiedergewählte Kanzler Merkel 1991 in sein Kabinett: als Ministerin für Frauen und Jugend. Der entscheidende Schritt war für Merkel getan.

Seit 1950 fanden insgesamt sechs CDU-Parteitage in Hamburg statt

Von den insgesamt 69 Bundesparteitagen der CDU seit 1950 fanden mit dem aktuellen insgesamt sechs in Hamburg statt. Doch in ihrer Bedeutung ragen der Vereinigungsparteitag von 1990 und der jetzige in den Messehallen heraus, der den Abgang Merkels nach 18 Jahren an der Spitze der CDU bedeutet und das Ende der Ära Merkel einläutet. Dabei verabschiedete die CDU auf ihrem Bundesparteitag vom 21. bis zum 23. Februar 1994 in Hamburg immerhin das erste gesamtdeutsche Programm mit dem Motto „Freiheit in Verantwortung“. Vier Jahre intensiver Beratung waren vorausgegangen. Zentrales Thema war die Verwirklichung der inneren Einheit.

Daneben standen das Bekenntnis zum Ziel der Integration Europas sowie der als notwendig erachtete Umbau des Sozialstaats im Blickpunkt. Das Grundsatzprogramm wurde erst 2007 durch ein neues mit dem Titel „Freiheit und Sicherheit. Grundsätze für Deutschland“ abgelöst.

Zum ersten Mal in Hamburg tagte die CDU in der Staatsoper

Die Parteikonvente vom 28. bis zum 20. November 1973 – Helmut Kohl war erst ein halbes Jahr zuvor zum Bundesvorsitzenden gewählt worden – und vom 2. bis zum 5. November 1981 fielen in die für die Union eher seltene Phase der Opposition. Der erste CDU-Bundesparteitag in Hamburg fand vom 11. bis zum 15. Mai 1957 statt – aus heutiger Sicht eher überraschend in der wenige Jahre zuvor neu erbauten Hamburgischen Staatsoper. Musikalisch war die Eröffnung: Das Philharmonische Staatsorchester spielte die Sinfonie D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart.

„Die Freie und Hansestadt Hamburg hat uns heute ihre Staatsoper und ihr Orchester zur Verfügung gestellt, um dem Beginn unseres Parteitages den beflügelten Klang zu geben, den der ganze Parteitag haben soll“, sagte der damalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Konrad Adenauer in seiner Eröffnungsrede.