Landesparteitag

Abitur nach acht oder neun Jahren? CDU ist uneins

CDU-Fraktionschef André Trepoll (Archivbild) setzte sich durch – aber nur mit knapper Mehrheit

CDU-Fraktionschef André Trepoll (Archivbild) setzte sich durch – aber nur mit knapper Mehrheit

Foto: Roland Magunia / HA

Die Frage, ob die Hamburger CDU die Rückkehr zur längeren Lerndauer am Gymnasium unterstützen will, blieb offen – vorerst.

Hamburg.  Die Hamburger Christdemokraten wollen die Diskussion über eine Rückkehr zum neunjährigen Bildungsgang (G9) am Gymnasium fortsetzen. Der Landesparteitag beschloss gestern Abend mit einer nicht sehr deutlichen Mehrheit einen Antrag des Landesvorstandes, nach dem über die Frage des längeren Lernens am Gymnasiums im Rahmen des Wahlprogramms zur Bürgerschaftswahl im Frühjahr 2020 entschieden werden soll.

Der Abstimmung war eine gut einstündige Diskussion über die Bildungspolitik vorausgegangen, durch die sich die Frage der Schuldauer wie ein roter Faden zog. In Hamburg bieten die Gymnasien das Abitur nach acht Jahren (G8), die Stadtteilschulen nach neun Jahren an. Der damalige CDU-geführte Senat hatte die Schulzeitverkürzung am Gymnasium bereits 2003 und das Zwei-Säulen-Modell beider Schulformen 2009 eingeführt.

„2003 war eine andere Zeit“, sagt André Trepoll

„2003 war eine andere Zeit. Damals ging es darum, dass die Schulabgänger zu alt waren. Heute beklagen viele Eltern und Schüler, dass G8 am Gymnasium zu wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten lässt. Deswegen ist es richtig, diese Diskussion zu führen. Lasst uns mutig sein“, sagte CDU-Bürgerschafts-Fraktionschef André Trepoll, der die G9-Diskussion maßgeblich angestoßen hatte und deutliche Sympathien für eine längere Lernzeit am Gymnasium erkennen ließ.

Eindringlich warnten vor allem die Schulpolitiker der Union vor einem solchen Schritt. „Wenn wir G9 am Gymnasium wieder einführen, dann verändern wir die Schulstruktur sehr schnell. Mittelfristig werden die Gymnasien dann zu einer Art Gesamtschulen mit sehr hohen Anmeldezahlen, während die Stadtteilschulen zu Restschulen verkümmern“, sagte der frühere Bildungsstaatsrat Reinhard Behrens vom Landesfachausschuss Bildung der CDU.

Sorge vor der „Einheitsschule“ bei Birgit Stöver

„Mit einem erneuten Wechsel der Bildungsdauer am Gymnasium würden wir das Zwei-Säulen-Modell infrage stellen und der Einheitsschule Vorschub leisten“, sagte Birgit Stöver, stellvertretende Fraktionschefin und schulpolitische Sprecherin. Schulpolitikerin Kaja Steffens wies darauf hin, dass die CDU bereits die gescheiterte Volksinitiative zur Wiedereinführung von G9 am Gymnasium 2014 abgelehnt hatte. „Wir hatten damals gute Gründe, dagegen zu sein. Und diese Gründe gelten immer noch“, sagte Steffens.

„Es gibt in der Stadt einen Bedarf, sachlich und fachlich über dieses Thema zu diskutieren. Und das sollten wir auch tun“, sagte CDU-Landeschef Roland Heintze. Sowohl Heintze als auch Trepoll blicken Richtung Schleswig-Holstein, wo CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther nicht zuletzt mit der Forderung nach einer Rückkehr zu G9 am Gymnasium einen überraschenden Wahlerfolg erzielte und Ministerpräsident wurde. Trepoll wies darauf hin, dass es nach ersten Auswertungen im Norden nach der Einführung von G9 „keinen Run auf die Gymnasien“ gegeben habe.

Bei der Bildungspolitik insgesamt herrscht Einigkeit

So umstritten die G8/G9-Frage in der Union ist, so unumstritten ist die Bildungspolitik insgesamt. Bei nur einer Gegenstimme verabschiedeten die Delegierten den umfangreichen Antrag „Qualitätsoffensive für Bildung und Erziehung“.

Die Union fordert darin unter anderem eine neue Schulentwicklungsplanung, eine Begrenzung der Schulgrößen, die Wiedereinführung von Klassenwiederholungen, eine bessere Besoldung von Grundschullehrern und eine stärkere Leistungsdifferenzierung in den Stadtteilschulen. „Qualität fängt damit an, dass Unterricht überhaupt stattfindet. Wir fordern ein Ende der Notlösungen beim Unterrichtsausfall“, sagte Birgit Stöver.