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Weniger wert? Die Wahrheit über das Hamburger Abitur

Eine Schülerin schreibt an ihrer Abiturarbeit (Archivbild)

Eine Schülerin schreibt an ihrer Abiturarbeit (Archivbild)

Foto: dpa Picture-Alliance / Julian Stratenschulte / picture alliance / dpa

Jeder vierte Schulabgänger schafft einen Einser-Abschluss. Schlechte Leistungen für das Abitur können leicht gestrichen werden.

Hamburg. Nur wenige Tage noch – dann werden die rund 10.000 Hamburger Abiturienten des Jahrgangs 2017 ihre letzten Prüfungen ablegen und nach zwölf oder 13 Jahren die Schule verlassen. In keinem anderen Bundesland ist die Abiturquote so hoch wie in Hamburg mit zuletzt 55,5 Prozent aller Schulentlassenen.

Das wirft Fragen auf: Ist das Abitur hier leichter als etwa in Bayern? Oder gelingt es in Hamburg besser, verborgene Begabungen bei Schülern zu wecken und zu fördern? Liegt es am Hamburger Schulsystem, das einen schnelleren Weg zum Abitur am Gymnasium und einen um ein Jahr längeren an der Stadtteilschule ermöglicht?

Das Abendblatt hat mit Wissenschaftlern und Schulpraktikern gesprochen und einschlägige Studien ausgewertet, um Antworten zu finden. Es gibt keine stichhaltigen Belege dafür, dass die Reifeprüfung im Laufe der Jahre immer leichter geworden ist. Zwar ist der Anteil der Abiturienten in den vergangenen 20 Jahren von 34 auf 55,5 Prozent geradezu sprunghaft angestiegen, aber die Durchschnittsnote im Abitur hat sich kaum verändert und schwankt um den Wert von 2,5. Auffällig ist allerdings, dass mittlerweile jeder vierte Schulabgänger ein Einser-Abitur (Note 1,0 bis 1,9) schafft.

Hamburg: Zentralabitur in fast allen Fächern

Die schriftlichen Abi-Prüfungen sind vergleichbarer geworden: Hamburg hat 2005 ein landesweites Zentralabitur eingeführt und seitdem auf fast alle Fächer ausgedehnt. Seit 2014 erhalten die Prüflinge in sechs Ländern einschließlich Hamburgs in den Kernfächern gleiche Aufgaben. Erkennbare Probleme gibt es für die Hamburger Abiturienten nur im Fach Mathematik, in dem die Noten klar abgesackt sind.

Erstmals in diesem Jahr enthalten die schriftlichen Abiturprüfungen in Deutsch, Englisch, Mathematik und Französisch in allen 16 Bundesländern zentrale Elemente. Von echter Vergleichbarkeit kann aber noch keine Rede sein, weil die Länder nicht verpflichtet sind, ihre Aufgaben aus dem zentralen Pool zu entnehmen.

Abiturprüfungen nur ein Drittel der Note

Die Abiturprüfungen machen ohnehin nur rund ein Drittel der Abiturnote aus. Zwei Drittel entfallen auf die Kursleistungen in der Oberstufe. Und hier ergeben sich starke Unterschiede. Während die Hamburger nur 32 Kurse in die Wertung einbringen müssen, sind es zum Beispiel in Bayern 40. Die Folge: Die Hamburger können mehr schlechte Kursleistungen streichen und kommen so auf einen besseren Schnitt. Das ist ein zentraler Grund dafür, dass das Abitur in Hamburg alles in allem leichter als etwa in Bayern ist.

Den großen Abi-Report lesen Sie in der Sonnabendausgabe des Hamburger Abendblattes