Stellenabbau

Hoher Krankenstand in den Hamburger Behörden

Das Bezirksamt Eimsbüttel

Das Bezirksamt Eimsbüttel

Foto: Imago

Im ersten Halbjahr fielen 8,6 Prozent der Beschäftigten aus. Gewerkschaft macht Stellenabbau dafür verantwortlich.

Hamburg. Der Krankenstand in den Hamburger Behörden bleibt konstant auf hohem Niveau. Im ersten Halbjahr 2016 fielen durchschnittlich 8,6 Prozent der Mitarbeiter von Behörden krankheitsbedingt aus. Das ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (8,7 Prozent) nur ein minimaler Rückgang.

In den Hamburger Hochschulen stieg der Krankenstand im Vergleich zu 2015 dafür von 4,8 auf 4,9 Prozent an, liegt damit aber weiter klar unter dem anderer Verwaltungen. Auch die Landesbetriebe der Stadt (Volkshochschule, Institut für Berufliche Bildung, Kasse.Hamburg, Landesbetrieb Verkehr etc.) verzeichneten eine Zunahme der krankgeschriebenen Mitarbeiter: von 8,0 auf 8,2 Prozent. Das ergibt sich aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des FDP-Bürgerschaftsabgeordneten Wieland Schinnenburg.

Den höchsten Anteil an erkrankten Mitarbeitern gibt es demnach beim Landesbetrieb Gebäudereinigung mit einem Krankenstand von 14,2 Prozent. Dahinter rangiert die Kasse.Hamburg, die für die Eintreibung von städtischen Geldforderungen zuständig ist. Bei ihr fielen im ersten Halbjahr 2016 im Durchschnitt 11,4 Prozent aller Mitarbeiter krankheitsbedingt aus. Beim Landesbetrieb Verkehr waren 10,2 Prozent der Belegschaft krank, im Bezirksamt Wandsbek 9,8 Prozent und bei der Innenbehörde, zu der auch Polizisten und Feuerwehrleute gerechnet werden, waren es immerhin 9,5 Prozent.

FDP-Politiker Schinnenburg verglich den Krankenstand mit den kürzlich von der Krankenkasse DAK in einer Studie vorgestellten Ergebnissen. Demnach fallen in westdeutschen Unternehmen lediglich durchschnittlich 4,2 Prozent der Mitarbeiter aus. „Es ist nicht hinzunehmen, dass der Krankenstand in der öffentlichen Verwaltung doppelt so hoch ist wie im Durchschnitt“, sagte der FDP-Politiker Schinnenburg dem Abendblatt. „Dies umso mehr, als im öffentlichen Dienst die Sorge um den Arbeitsplatz nicht vorhanden ist.“ Dieser Vergleich ist allerdings problematisch, da die Hamburger Verwaltung die Fehlzeitenquote anders berechnet als die DAK.

Das Hamburger Personalamt legt nach eigener Angabe nicht Kalender­tage zugrunde, sondern Arbeitstage – also Kalendertage abzüglich der Wochenenden und Feiertage. „Die Krankenkassen rechnen nach unserer Kenntnis in Kalendertagen. Fünf Krankentage bezogen auf 365 Tage ergibt einen deutlich anderen Prozentsatz als wenn man fünf Krankentage auf 250 Arbeitstage bezieht“, sagte Bettina Lentz, Leiterin des Personalamts. Die DAK bestätigte diese Vermutung.

Personal in Kundenzentren wurde abgebaut

Lentz räumte ein, dass der Krankenstand aber auch bei Berücksichtigung der unterschiedlichen Berechnungsformen in der Verwaltung immer noch höher als bei Unternehmen sei. Das hänge mit an einem höheren Durchschnittsalter und einer höheren Schwerbehindertenquote zusammen.

Bereits 2015 war der Krankenstand in der Verwaltung deutlich gestiegen und habe 882.898 Fehltagen entsprochen, heißt es im Personalbericht. „Die Entwicklung seit 2006 zeigt einen deutlichen Anstieg der Fehlzeitenquoten um 1,8 Prozentpunkte.“ In den Behörden sei die Erhöhung um 2,1 Prozentpunkte noch auffälliger. Die Gewerkschaft Ver.di macht den Personalabbau für den nach wie vor hohen Krankenstand in der Hamburger Verwaltung und die Probleme in den Kundenzentren verantwortlich. „Anfang des Jahres 2000 bewegte sich der Krankenstand noch um die sieben Prozent, mittlerweile ist er in den Behörden, Ämtern und Landesbetrieben auf mehr als acht Prozent gestiegen“, sagte Ver.di-Fachbereichsleiterin Sieglinde Frieß. „Das hat in der Regel nichts mit den Beschäftigten zu tun, sondern vorwiegend mit einem permanenten Aufgabenzuwachs, mit ständigen Strukturveränderungen und dem gleichzeitigen massiven Personalabbau.“ Mittlerweile habe „sogar die Finanzbehörde erkannt, dass es in vielen Bereichen nicht mehr so weitergeht, und hat einen flexiblen Umgang mit den Personalkürzungen vorgesehen“, sagte Frieß.

„Jüngstes Beispiel einer verfehlten Personalpolitik ist der Umgang mit den Kundenzentren: Entgegen allen Warnungen wurde Personal abgebaut, sodass jetzt die Terminplanung völlig zusammengebrochen ist. Leidtragende sind die Bürger, aber auch die Beschäftigten, die dem Druck nicht mehr standhalten und deren Krankheitsquote die zehn Prozent übersteigt.“ In den Bezirken seien „noch aushaltbare Belastungsgrenzen mittlerweile fast überall überschritten“, so Frieß. „Genauso ist es beim Landesbetrieb Verkehr.“