Flüchtlingsunterkünfte

Wo die Hamburger Polizei besonders häufig schlichten muss

Teils schwere Ausschreitungen musste die Polizei unterbinden und einige Flüchtlinge vorläufig in Gewahrsam nehmen

Teils schwere Ausschreitungen musste die Polizei unterbinden und einige Flüchtlinge vorläufig in Gewahrsam nehmen

Foto: Michael Arning

Zwei Flüchtlingsunterkünfte sind Spitzenreiter: Dorthin musste die Polizei täglich anrücken. Fünf Sexualstraftaten registriert.

Hamburg.  Die Hamburger Polizei rückte im Januar zu 299 Einsätzen in Zentralen Erstaufnahmen aus. Das waren 17 Einsätze mehr als im Vormonat. Zugleich wurden nur 796 Peterwagen eingesetzt; im Dezember waren es noch 796 gewesen. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage des Bürgerschaftsabgeordneten Dennis Gladiator (CDU) hervor.

Bahrenfeld und Bergedorf

Die meisten Einsätze hatte die Polizei in den Großunterkünften an der Schnackenburgsallee in Bahrenfeld (2684 Plätze) und an der Kurt-A.-Körber-Chaussee in Bergedorf (900 Plätze). Im Schnitt musste sie dorthin jeden Tag einmal ausrücken. Kleinere Unterkünfte wie das Rauhe Haus oder die Asklepios-Klinik in Harburg waren dagegen polizeilich völlig unauffällig.

Zu einem der Einsätze in der Schnackenburgsallee mussten im Januar mehr als zehn Peterwagenbesatzungen ausrücken. In der Bergedorfer Einrichtung wurden in einem Fall 13 Peterwagen wegen Menschen eingesetzt werden, die dort randalierten. Weitere größere Einsätze gab es am Bargkoppelstieg wegen einer Bedrohungslage (14 Peterwagen), in der Zentralen Erstaufnahmeeinrichtung Flagentwiet wegen einer randalierenden Person (11 Peterwagen), gleich zweifach in der Zentralen Erstaufnahme Kieler Straße wegen Randalierern (16 Peterwagen) und wegen einer gesuchten Person (13 Peterwagen).

In der Oktaviostraße zur Unterstützung des Landeskriminalamtes (12 Peterwagenbesatzungen), zweifach in der Papenreye wegen Randalierern (10 Peterwagen) und einer Schlägerei (17 Peterwagen), ebenfalls zweifach am Rugenbarg wegen Schlägereien, bei denen 23 und im zweiten Fall 11 Peterwagen eingesetzt wurden.

Fünf Sexualstraftaten registriert

Insgesamt registrierte die Polizei fünf Sexualstraftaten innerhalb der Erstaufnahmen. In mehreren Fällen gab es Bedrohungen mit Waffen. Dazu kommen zahlreiche Schlägereien oder Streitigkeiten, die zu eskalieren drohten.

Betrachtet man die letzten drei Monate, sind die Schnackenburgsallee mit 92 Einsätzen, die ehemalige Post in Harburg mit 88 Einsätzen und die Kurt-A.-Körber-Allee mit 82 Einsätzen die Zentralen Erstaufnahmen, die die Polizei am stärksten beschäftigt haben.

Im selben Zeitraum war die Polizei zu 914 Einsätzen in allen Zentralen Erstaufnahmen ausgerückt. Dabei wurden zusammen gerechnet 2563 Peterwagenbesatzungen benötigt. Teilweise musste die Polizei gleich mehrfach kurz nacheinander vor Ort sein, weil sich die Situation nicht so leicht dauerhaft beruhigen ließ. Etwa im Dezember in der Einrichtung Jenfelder Moor. Dort hatte es Auseinandersetzungen und Bedrohungen gegen das Personal gegeben, die die Polizei über Tage in Atem hielt. Hundert Peterwagenbesatzungen waren in diesem Monat allein in dieser Flüchtlingsunterkunft eingesetzt. Diese Zahl wurde in keiner anderen Zentralen Erstaufnahme im vergangenen Quartal erreicht.

Dauerbelastung für die Polizei

In anderen Großunterkünfte, wie im ehemaligen Obi-Markt am Geutensweg in Neugraben, wo bislang 385 Menschen untergebracht sind, ging es dagegen friedlich zu. Gerade zu zehn Einsätzen musste die Polizei dorthin in den letzten drei Monaten ausrücken. Im gesamten Januar waren es zwei Polizeieinsätze.

„Die Zahlen zeigen, dass die Zentralen Erstaufnahmen allein schon vom Personaleinsatz eine Dauerbelastung für die Polizei sind und absehbar auch bleiben werden“, sagt Dennis Gladiator. Der neue Innensenator Andy Grote müsse dafür sorgen, dass die Polizei den Anforderungen auch personell gerecht werden kann.