Bildung in Hamburg

Senat baut Berufsschulsystem wegen Flüchtlingen um

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lernen in der Berufsschule Eidelstedt

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lernen in der Berufsschule Eidelstedt

Foto: Marcelo Hernandez

Junge Flüchtlinge sollen so schnell wie möglich Deutsch lernen. Deshalb organisiert Hamburg sein Berufsschulsystem nun neu.

Hamburg.  Um die Chancen jugendlicher Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, organisiert die Hansestadt Hamburg ihr Berufsschulsystem um. Von Februar an werden die staatlichen berufsbildenden Schulen schrittweise auf einen Ganztagsbetrieb umgestellt, wie die Schulbehörde am Montag mitteilte. An zwei Tagen pro Woche sollen die jungen Leute Praktika in Betrieben absolvieren.

Zudem würden die Klassen zufolge auf 14 bis 15 Schüler verkleinert, um die Jugendlichen besser auf den Haupt- oder Realschulabschluss und den Übergang in eine Ausbildung vorzubereiten. Die Wirtschaft stelle schrittweise rund 2000 Praktikumsplätze zur Verfügung. Laut Schulbehörde werden derzeit rund 2000 jugendliche Flüchtlinge an Hamburgs staatlichen berufsbildenden Schulen unterrichtet.

Integrierte betriebliche Sprachförderung ab Februar 2016

„Wir wollen, dass jugendliche Flüchtlinge schnell Deutsch lernen, einen Schulabschluss machen, sich in die Gesellschaft eingliedern und eine Ausbildung beginnen“, begründete Schulsenator Ties Rabe (SPD) die Übernahme des Modells der dualisierten Ausbildungsvorbereitung für Flüchtlinge. Durch den steten Wechsel zwischen Berufsschule und Unternehmen lernten die Flüchtlinge „unsere Arbeitswelt, unsere Kultur, das duale Ausbildungssystem „made in Germany“ und Hamburgs Betriebe kennen“.

Die Firmen wiederum bekämen nach Ansicht des Unternehmensverbands Nord die Chance, ihre Nachwuchssorgen in den Griff zu bekommen. „Gerade diejenigen, die bereits jugendliche Flüchtlinge ausbilden, berichten immer wieder, wie engagiert ihre neuen Azubis sind“, erklärte Geschäftsführer Michael Thomas Fröhlich.

Das Angebot mit integrierter betrieblicher Sprachförderung gilt vom 1. Februar 2016 für alle neu zugewanderten Jugendlichen zwischen 16 und 18 Jahren - und zwar unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus, wie die Behörde betonte. Parallel dazu stelle die Schulbehörde rund 50 betriebliche Integrationsbegleiter als Mentoren ein. Hamburg reagiert damit auf den steten Zustrom jugendlicher Flüchtlinge.

Opposition fordert weitergehende Schritte

Den Angaben zufolge wurden von Januar bis Juli für sie jeden Monat vier bis fünf neue Klassen an berufsbildenden Schulen eingerichtet, seit Sommer stieg der Bedarf auf monatlich rund zwölf neue Klassen und erreichte im November 2015 den bisherigen Spitzenwert von 33 zusätzlichen Klassen.

CDU und FDP begrüßten grundsätzlich das Vorgehen des rot-grünen Senats, forderten aber weitergehende Schritte. „Neben einem verstärktem Augenmerk auf den Spracherwerb ist es auch von erheblicher Bedeutung, dass die Flüchtlinge im Unterricht unser Werte- und Rechtssystem kennenlernen“, erklärte die CDU-Schulexpertin Karin Prien. Auch müsse die Hilfe auf die Gruppe der 18- bis 25-Jährigen ausgeweitet werden.

Die FDP-Bildungsexpertin Anna von Treuenfels mahnte Ausbaukapazitäten an: „Sollten weiter 300 bis 400 jugendliche Flüchtlinge monatlich nach Hamburg kommen, muss hier dringend vorausgedacht werden - ohne monatelange Pause.“ Die Linken kritisierten das Programm als ungenügend. „Bestenfalls ist das gut gemeint, aber die Umsetzung wird so keinesfalls funktionieren“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Sabine Boeddinghaus.