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Hamburg will höher bauen: Mehr Wohnraum auch für Flüchtlinge

Die Othmarscher Höfe sind ziemlich
eng bebaut

Die Othmarscher Höfe sind ziemlich eng bebaut

Foto: Bertold Fabricius / HA

Hamburgs Bürgermeister Scholz und Oberbaudirektor Walter planen „Nachverdichtung“ wie in Hamburgs Gründerzeit.

Hamburg.  Mehrfamilienhäuser sollen in Hamburg künftig dichter und höher als bisher gebaut werden. Dies sieht eine Studie der Stadtentwicklungsbehörde vor. Hintergrund ist die starke Nachfrage nach Wohnraum in der Hansestadt, die wegen des aktuellen Zustroms Tausender Flüchtlinge noch zunehmen dürfte.

Laut der Studie sollen die Gründerzeitviertel den neuen Maßstab in allen Stadtteilen bilden. Sechs bis sieben Geschosse hoch sind diese teils eng bebauten Quartiere wie in Eimsbüttel oder Altona. Gebäudehöhen von 17 bis teilweise 23 Metern wurden dabei erreicht. Seit Kriegsende werden in Hamburg indes meist drei- bis viergeschossige Gebäude gebaut, die bis etwa 14 Meter hoch sind. „Mehr Dichte kann zu großen städtebaulichen Qualitäten führen, wie man in Ottensen oder Eimsbüttel sehen kann“, sagt Oberbaudirektor Jörn Walter. Auch Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) plädierte bei einer Veranstaltung der Stadtentwicklungsgesellschaft (Steg) für eine Nachverdichtung der Wohnquartiere. Man müsse vieles neu denken und „auch einmal höher bauen können, als es heute noch oft der Fall ist“, forderte er.

Wie berichtet, soll sich das Wohnungsbauprogramm des Senats von 6000 neuen Wohneinheiten pro Jahr fast verdoppeln, um die Zuwanderer in der Hansestadt unterbringen zu können. Die Stadtentwicklungsbehörde verfolgt dabei das Ziel, vor allem in den gut erschlossenen Stadtteilen Bau­lücken für Neubauten zu nutzen oder Gebäude nachträglich aufzustocken, bzw. Dachausbauten vorzunehmen.

„Hamburg wird dichter und enger werden“, sagt auch der Stadtentwicklungsexperte der grünen Bürgerschaftsfraktion, Olaf Duge. Fünf bis sechs Geschosse würden künftig die Regel sein bei Neubauten, nicht mehr drei bis vier Geschosse. Den Neubau von Hochhäusern wie in den 70er-Jahren lehnt der Grünen-Politiker aber ab. „Hamburg soll keine Hochhausstadt werden“, heißt es auch in der Studie „Stadt in der Stadt“ der Behörde. Denkbar seien sie nur an „ausgewählten“ Standorten wie im Harburger Binnenhafen, an den Elbbrücken oder am Eingang von Wandsbek.

Für einen drastischen Ausbau im Mehrfamilienhausbau plädiert auch der Hamburger Stadtplanungs-Hochschullehrer Dirk Meyhöfer. Angesichts der Flüchtlingszahlen müsse Hamburg jetzt zehn bis 20 Prozent höher bauen als bisher. Bis zu acht Geschosse seien dabei vertretbar, sagt er. Viel wichtiger sei aber, dass man einfacher und schneller bauen könnte. Das Baurecht sei heute „überfüttert“ mit Regelungen – etwa zur Wärmedämmung. Die Notwendigkeit, jetzt sehr schnell, sehr viel zu bauen, böte daher die große Chance, das Baurecht zu revolutionieren, um das Bauen endlich wieder günstiger zu machen. In Hochhäusern wollten die Menschen dagegen nicht wohnen.