Nach Lucke-Aus

Hamburgs AfD-Chef Jörn Kruse tritt zurück

Sein Rücktritt war nur eine Frage der Zeit: Jörn Kruse

Sein Rücktritt war nur eine Frage der Zeit: Jörn Kruse

Foto: dpa Picture-Alliance / Marcus Brandt / picture alliance / dpa

Bereits bei der Abwahl von AfD-Gründer Lucke zeigte sich Hamburgs AfD-Chef Kruse entsetzt. Nun zieht er Konsequenzen.

Hamburg. Hamburgs AfD-Chef Prof. Jörn Kruse tritt wegen des Rechtsrucks in der Partei und der Abwahl des Parteigründers Bernd Lucke zurück. „Ich bin entschlossen zurückzutreten“, sagte Kruse am Donnerstag dem NDR-„Hamburg Journal“. Es sei nur eine Frage der Zeit. „Normalerweise wäre ich am Sonntagabend zurückgetreten“, sagte er. Doch nun gehe er davon aus, dass die Entscheidung in der Partei noch am Abend fallen sollte.

Kruse hatte schon am Mittwoch nach Luckes Austrittsankündigung durchblicken lassen, dass er sein Parteiamt zur Verfügung stellen könnte. Am Herzen liege ihm nur die Fraktion, deren Vorsitzender er bleibe, sagte er. Nur ihretwegen behalte er anders als Lucke vorerst auch sein Parteibuch: „Wenn es hilfreich ist für die Fraktion (...), dass ich in der Partei bleibe, dann bleibe ich in der Partei.“

Die AfD hatte bei der Bürgerschaftswahl im Februar unter Kruses Führung erstmals den Sprung in ein westdeutsches Landesparlament geschafft und in Hamburg acht Mandate geholt. Die AfD Hamburg gilt abgesehen von einigen Mitgliedern wie Fraktions- und Parteivize Dirk Nockemann eigentlich als Lucke-treu. Lucke lehrte über Jahre Volkswirtschaft an der Universität Hamburg und lebt unweit der Hansestadt in Winsen (Luhe).

Kruse: AfD rückt sehr stark nach rechts

Zuvor hatte Kruse bereits die Wahl der neuen AfD-Bundesvorsitzenden Frauke Petry am vergangenen Wochenende kritisiert, die den nationalkonservativen Flügel der Partei verkörpert. Die Ergebnisse des AfD-Bundesparteitags in Essen seien eine Katastrophe, „weil sie deutlich machen, dass wir inzwischen zu einer rechten Partei geworden sind und vermutlich auch immer mehr werden“.

Gleichzeitig kritisierte er seinen Stellvertreter Nockemann, mit dem er seit Wochen im Clinch liegt. Er bezeichnete das frühere Schill-Mitglied als „irrelevant“. Außerdem leugne der frühere Kurzzeit-Innensenator wider besseres Wissen, dass die AfD nach rechts rücke. „Die Partei hat ihren Charakter komplett verändert. Herr Nockemann weiß natürlich genau, das die Partei nach rechts rückt - und zwar sehr stark.“

(dpa)