Stadt verkauft Zeise-Parkplatz in Ottensen trotz Protesten

Auf dem Areal soll ein Bürohaus für 850 Werber entstehen

Ottensen. Trotz heftiger Anwohnerproteste hat jetzt nach Abendblatt-Information die städtische Kommission für Bodenordnung den Verkauf des Zeise-Parkplatzes in Ottensen beschlossen. Um das städtische Grundstück hatte es in den vergangenen Wochen heftige Auseinandersetzungen in Altona, aber auch in der Bürgerschaft gegeben (wir berichteten). Bis zuletzt versuchte eine Initiative, den Verkauf zu stoppen.

Ursprünglich hatten die Investoren in der Öffentlichkeit den Plan für ein Wohngebäude mit rund 80 Wohnungen und Geschäften im Erdgeschoss vorgestellt. Rund die Hälfte davon sollten Sozialwohnungen werden. Dann überraschte man mit dem Plan, dort für 65Millionen Euro einen Bürokomplex für zehn Hamburger Media- und Werbeagenturen der britischen Werbeholding WPP zu bauen, wozu auch das Unternehmen Scholz & Friends gehört. Die Initiative „Pro Wohnen Ottensen“ protestierte mit prominenter Unterstützung diverser Künstler dagegen. Man brauche im Stadtteil günstigen Wohnraum und Platz für kleine Betriebe und keinen riesigen Bürobau, so das Argument.

Dennoch verkauft die Stadt jetzt das als Parkplatz genutzte Areal für einen Preis von knapp mehr als fünf Millionen Euro an die Immobilienunternehmen Procom Invest und Quantum, die mit WPP bereits einen Mietvertrag über 15 Jahre abgeschlossen haben. Nach Abendblatt-Information bezog sich dieser Preis auf eine Bebauung mit Wohngebäuden. Als reines Gewerbegrundstück hätte das Areal an der Ecke Friedensallee/Behringstraße einen Wert von rund drei Millionen Euro. Dennoch boten die Investoren den höheren Preis, hieß es aus Kommissionskreisen. In der Kommission plädierten nach Abendblatt-Information SPD- und CDU-Politiker sowie Verwaltungsvertreter für den Verkauf. Die Ansiedelung von rund 850 Arbeitsplätzen in Ottensen und die lange Vertragsdauer seien bei der Entscheidung das entscheidende Argument gewesen.

Neue und günstige Wohnungen würden in absehbarer Zeit zudem in ausreichender Zahl in der Nähe gebaut. So würden im nahen Umfeld einige Tausend neue Wohnungen gebaut, darunter auch Sozialwohnungen. Angesichts der heftigen Proteste soll es nun auf Antrag der CDU dennoch eine weitere Informationsveranstaltung geben, um über die Vorgänge zu informieren.

Linke und Grüne in Altona hatten vor allem kritisiert, dass die Planänderung an der Öffentlichkeit vorbei im „Hinterzimmer“ lange schon besprochen gewesen sei, bevor Informationen bekannt wurden. „Formal korrekt, politisch fatal und intransparent“ – so lautet auch die Kritik der CDU an dem Verfahren. Dennoch stimmten die Christdemokraten am Ende doch noch dafür.

Das Grundstück dient bisher als Parkplatz für die benachbarten Zeise-Hallen. Und das war wohl auch ein großes Problem bei den Bemühungen der Stadt, das Areal zu verkaufen. So ist dort eine sogenannte Baulast eingetragen.

Das heißt im Klartext: Jeder Investor muss auch weiter sicherstellen, dass es dort öffentliche Parkplätze in ausreichender Zahl gibt. Und das lässt sich eben nur durch den Bau einer Tiefgarage lösen. Viele andere Ansiedelungsvorhaben waren daran in der Vergangenheit gescheitert.

So war der Zeise-Parkplatz auch schon einmal als Standort für eine Behörde im Gespräch. Der aktuelle Bebauungsplan sieht im Übrigen eine Gewerbenutzung ausdrücklich vor.