Verkehrsunfallbilanz

Im September kommt der nächste Blitzmarathon

Hamburgs Polizei will die hohe Zahl an Verkehrskontrollen auch in diesem Jahr fortführen. 2013 fuhren 525.000 Hamburger zu schnell. Erfreulich ist der Rückgang verunglückter Kinder.

Altstadt. Jeden Tag verunglücken auf Hamburgs Straßen mindestens sechs Menschen, weil Auto- oder Motorradfahrer rasen oder zu dicht auffahren. Fünf schwere Unfälle ereignen sich, weil beim Ein- und Ausfahren nicht auf den übrigen Verkehr geachtet wird. Drei Unfälle mit Toten oder Verletzten gehen schließlich darauf zurück, dass rote Ampeln missachtet oder die Vorfahrtsregeln ignoriert werden.

Zusammen genommen sind diese Gründe für fast 70 Prozent aller schweren Unfälle in Hamburg verantwortlich, Unfälle, bei denen Menschen zu Schaden kommen. Und es sind Unfälle, die nicht einfach passieren, sondern verursacht werden, die auf bewusste Entscheidungen zurückgehen, betonte Hamburgs Innensenator Michael Neumann (SPD) und plädierte für mehr Rücksicht auf Hamburgs Straßen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will die Polizei die hohe Zahl an Verkehrskontrollen – im vergangenen Jahr waren es allein 75 Großkontrollen – auch in diesem Jahr fortführen. 2013 nahm sie fast 525.000 Tempoverstöße auf, mehr als 16.000-mal wurden rote Ampeln überfahren. Nach den positiven Erfahrungen plant sie einen weiteren 24-Stunden-Blitzmarathon, voraussichtlich für den September. 2013 hatte sie dazu an fast 400 Stellen in der Hansestadt geblitzt, 300.000 Autos kontrolliert.

Am gestrigen Dienstag stellte Neumann die Verkehrsunfallbilanz für das vergangene Jahr im Rathaus vor, zusammen mit dem scheidenden Polizeipräsidenten Wolfgang Kopitzsch und dem höchstrangigen Verkehrspolizisten dieser Stadt, dem Chef der Verkehrsdirektion, Karsten Witt. Die Entwicklung, die der Senator für 2013 aufzeigte, kann sich durchaus sehen lassen: Die Zahl der im Straßenverkehr verunglückten Menschen sank mit 9474 Fällen (2012: 9.925) auf den zweitniedrigsten Stand seit Beginn der polizeilichen Statistik 1953. Nur 2010 wurden weniger Verkehrsteilnehmer verletzt oder getötet.

Insgesamt wurden bei 64.995 Verkehrsunfällen (2012: 65.727) im vergangenen Jahr 8642 Menschen leicht, 806 schwer und 26 tödlich (2012: 33) verletzt. Die meisten Verunglückten stammen erwartungsgemäß aus den Reihen der Autofahrer (4762), gefolgt von Fahrradfahrern (2212) und Fußgängern (1059). Allerdings wurden auch 521 Motorrad- und Mopedfahrer sowie 472 Fahrgäste in Bussen verletzt. Bei einem Bevölkerungsstand von mehr als 1,8 Millionen Hamburgern verunglückten im vergangenen Jahr entsprechend der Statistik 522 Menschen pro 100.000 Einwohnern. Dies ist der geringste Wert seit mehr als 20 Jahren.

Angesichts der – trotz des Rückgangs – hohen Zahl an Verkehrstoten von einer erfolgreichen Verkehrsunfallbilanz zu sprechen, sei jedoch „nicht nur pietätlos, sondern auch falsch“, sagte Innensenator Neumann. Die Anstrengungen bei der Verkehrssicherung dürften nicht verringert werden. Die Zahl sei doppelt so hoch wie die der Menschen, die in Hamburg durch ein Tötungsdelikt ums Leben kamen.

Wie der Chef der Verkehrsdirektion ausführte, waren unter den Getöteten 13 Fußgänger, zwei Radfahrer und acht Motorradfahrer. „Insgesamt also 23 Verkehrsteilnehmer, die zur Gruppe der schwächeren Verkehrsteilnehmer zu zählen sind“, sagte Karsten Witt, die im Gegensatz zum Autofahrer nur über eine „geringe passive Sicherheit“ verfügten. „Allerdings“, sagte Witt, „verursachten 13 von 26 Getöteten den Unfall selbst.“ Die getöteten Motorradfahrer deshalb, weil sie vorrangig viel zu schnell fuhren, viele der getöteten Fußgänger, weil sie ohne auf den Verkehr zu achten, auf die Straße traten.

Weniger verunglückte Kinder

„Besonders erfreulich ist, dass die Zahl der verunglückten Kinder um 111 von 808 auf 697 gesunken ist“, betonte Senator Neumann. Dies sei ein Rückgang von 13,7 Prozent.

Innerhalb der vergangenen zehn Jahre, seitdem die Polizei „ihre Verkehrssicherheitsarbeit für diese Zielgruppe intensiviert“ habe, sei die Zahl der Unfälle, an denen Kinder beteiligt waren, um 21,4 Prozent, die Zahl der verunglückten Kinder sogar um mehr als 28 Prozent zurückgegangen, obwohl die Zahl der Kinder in Hamburg seit 2004 gestiegen sei.

Erfreulich ist dabei festzustellen: Wie schon 2012 starb auch 2013 kein Kind bei einem Verkehrsunfall. Die meisten Kinder, darunter zählt die Polizei in der Verkehrsunfallbilanz alle Minderjährigen bis 14 Jahren, verunglückten beim Fahrradfahren (261) oder als passive Mitfahrer in Autos (258). 178 Kinder wurden verletzt, weil sie als Fußgänger in einen Unfall verwickelt waren.

Junge Erwachsene im Alter von 18 bis 24 Jahren verunglückten knapp 1300-mal und damit seltener als noch 2012. Die Zahl der verunglückten Senioren, der über 64-Jährigen, hingegen, stieg auf ein neues Hoch. 989 Senioren wurden 2013 verletzt, zehn getötet.

Es ist der höchste Wert seit mehr als 20 Jahren. Beide Altersklassen zählen zu den Hauptrisikogruppen im Straßenverkehr: Sind sie an Unfällen beteiligt, haben junge Erwachsene in fast 60 Prozent der Fälle auch schuld.