Rechtsmediziner: Yagmur war hochgradig gefährdet

Hamburg. Mit deutlichen Worten hat Klaus Püschel, Leiter der Rechtsmedizin am UKE, darauf hingewiesen, wie ungewöhnlich der Fall des getöteten Mädchens Yagmur („Yaya“) aus seiner Sicht ist. Im Familienausschuss sagte der Rechtsmediziner, dass das Mädchen schon bei einer Untersuchung im Krankenhaus vor knapp einem Jahr schwerste Verletzungen am Kopf und im Bauchbereich aufwies.

Püschel: „Die Verletzungen waren ungewöhnlich massiv. Ich habe das Mädchen als hochgradig gefährdet angesehen.“ Die Verletzungen hätten aus seiner Sicht nicht durch ein Unglück oder einen Unfall verursacht werden können. Er habe deshalb bei der Staatsanwaltschaft „Strafanzeige gegen unbekannt“ gestellt. Bei etwa 250 Untersuchungen im Jahr durch sein Institut sei dies ein „ungewöhnlicher Vorgang“.

Wie berichtet, ist das drei Jahre alte Kind am 18. Dezember an den Folgen eines Leberrisses gestorben. Der Vater steht unter Tatverdacht, das Mädchen misshandelt zu haben, die Mutter soll nichts dagegen unternommen haben. Beide sitzen in Untersuchungshaft.

Die Bürgerschaftsabgeordneten zeigten sich im Ausschuss verärgert darüber, dass Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) keine Informationen über die aktuellen Erkenntnisse des Falls mitteilte. Scheele berief sich darauf, dass er erst dann Auskunft geben könne, wenn das Ergebnis der Jugendhilfeinspektion vorliege. Dies solle bei der nächsten Ausschusssitzung am 6. Februar der Fall sein. „Sie haben Auskunft zu geben“, sagte Walter Scheuerl, parteiloses Mitglied der CDU-Fraktion. Es sei eine „Missachtung der Bürgerschaft“, keine Auskunft zu geben, „nur weil der Senator meint, es könnten noch Informationen hinzukommen“.