Die Planung und die Umsetzung sind sehr zeitaufwendig. Dennoch steigen immer mehr Menschen auf das Zweirad um.

Hamburg. Wer als Radfahrer in Hamburg unterwegs ist, hat es mit Wind und Regen, mit parkenden Autos auf Fahrradwegen zu tun, auch mit Fußgängern, die den Weg kreuzen. Und dennoch steigen die Hamburger um aufs Fahrrad. Innerhalb von sechs Jahren hat sich der Anteil der Radfahrer nach Berechnungen der Stadtentwicklungsbehörde von neun Prozent (2002) auf 12,5 Prozent (2008) erhöht. Das freut die zuständige Senatorin Anja Hajduk (GAL), die mit der "Radverkehrsstrategie für Hamburg" den Anteil weiter ausbauen möchte. Ziel sind 18 Prozent im Jahr 2015.

+++ Hier wird saniert +++

Doch für die Kritiker fällt die Zwischenbilanz der schwarz-grünen Radfahrerinitiative eher mager aus. Der Ausbau stockt. Torsten Prenzlin vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in Hamburg glaubt nicht, dass sich der Radverkehr auf 18 Prozent erhöhen wird: "Dafür muss noch Tempo gemacht werden. Fünf Jahre hört sich viel an, aber die Maßnahmen dauern doch sehr lange." Zwar seien etliche Radwegesanierungen bereits umgesetzt worden, "doch für Alltagsfahrradfahrer sind die Fortschritte kaum zu sehen."

Die 1600 Kilometer Radwege sollen möglichst einheitlich aussehen

Karin Timmermann von der SPD-Bürgerschaftsfraktion ist ebenfalls skeptisch: "12,5 Prozent Fahrradfahrer ist zwar eine Verbesserung, aber doch eine erstaunliche Zahl bei dem schlechten Zustand der Fahrradwege."

Mit 25 Millionen Euro hat die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU) für 2009 und für das laufende Jahr so viel Geld für den Radwegeausbau zur Verfügung wie noch nie. Aber: Weil die Projekte so aufwendig sind, kann diese Summe in diesem Zeitraum gar nicht ausgegeben werden. "Von der Beauftragung der Planung bis zur baulichen Realisierung können leicht zwei und mehr Jahre vergehen", sagt Helma Krstanoski. Die nicht verbrauchten Mittel werden aber für die nächsten Jahre erhalten bleiben. Trotz des strengen Winters und der zahlreichen Schlaglöcher solle kein Geld aus dem Radwegeprogramm abgezogen werden.

Am Johannes-Brahms-Platz in der Neustadt zeigt sich die Radverkehrsstrategie aber doch. Der rot gepflasterte Fahrradweg ist schön eben, breit genug und hebt sich klar vom Fußweg ab. Auch das ist Teil der Sanierung: Seit einigen Jahren werden die neuen Wege mit den 25 mal 25 Zentimeter großen Betonquadern gepflastert. "Asphalt muss bei Leitungsarbeiten jedes Mal erneuert werden. Das Pflaster kann hingegen wieder eingebaut werden", erklärt Helma Krstanoski von der Stadtentwicklungsbehörde. Die 1600 Kilometer Radwege sollen möglichst einheitlich aussehen.

StadtRad-Stationen

Der Abschnitt rund um die Laeiszhalle ist Teil der Veloroute 1 (City-Altona-Rissen) bzw. Veloroute 2 (City-Eimsbüttel-Eidelstedt). Doch hier stocken die Verbesserungen: Von den 14 Routen, die bis 2015 zu einem stadtteilübergreifenden Netz ausgebaut werden sollen, ist zurzeit erst eine, die Route 2, komplett fertig. Auf sieben Velorouten sollen noch in diesem Jahr die Arbeiten beginnen. Beispiele: die Veloroute 8 (City-Billstedt-Bergedorf) soll bis 2011 auf der ganzen Länge sicher und komfortabel zu befahren sein. An der Veloroute 11 (City-Wilhelmsburg-Harburg) soll mit dem Bau des Radwegs vom Alten Elbtunnel nach Wilhelmsburg begonnen werden. "Es geht jetzt Schlag auf Schlag", so Krstanoski.

Doch viele der sanierten Strecken sind nach wie vor Gehsteig-Radwege. Das ärgert den ADFC, der sich für Radfahrstreifen auf den Straßen einsetzt. Dort kommen Fahrradfahrer zügiger voran. Und: "Auf Gehsteigwegen kommt es ständig zu Konflikten mit Fußgängern", sagt Torsten Prenzlin. Immerhin prüft die Behörde derzeit bei 150 Straßen, ob sie für Radfahrstreifen geeignet sind. Am Hammer Steindamm ist gerade einer angelegt worden. Geplant sind weitere an der Washingtonallee in Horn, an der Ausschläger Allee in Rothenburgsort, am Johannisbollwerk/Baumwall in der Neustadt und am Hofweg auf der Uhlenhorst.

Die Zahl der Fahrradleihstationen wird auf 83 Standorte erhöht

Weiterer Kritikpunkt der Radfahrerlobby: Es gibt zu viele Ampeln, an denen Fußgänger und Radfahrer Grün anfordern müssen. Behördensprecherin Helma Krstanoski sagt dazu etwas vage: "Im Rahmen der ständigen Programmpflege der Lichtsignalanlagen ist vorgesehen, bis auf begründete Ausnahmefälle, alle Anforderungsschaltungen, an denen Fußgänger und Radfahrer nicht immer parallel zum Autoverkehr Grün erhalten, zu ändern." Die Radfahrer können also auf Besserung hoffen. Stolz ist die Stadtentwicklungsbehörde auf die Einführung der 1000 Mieträder. Seit Ende vergangenen Jahres haben mehr als 36 000 Kunden ein Stadtrad ausgeliehen. In diesem Jahr will die Behörde die Zahl der Leihstationen von 69 um 14 weitere auf 83 Stationen erhöhen. Erstmals sollen auch auf der südlichen Elbseite, nämlich am Bürgerhaus Wilhelmsburg, am Stübenplatz und an der S-Bahn-Station Veddel Fahrräder ausgeliehen werden können.