St.-Pauli-Aufsichtsrat

Demo gegen Polizeieinsatz im Jolly Roger

Der Aufsichtsrat des FC St. Pauli will bei einer Demonstration seinen Unmut über den umstrittenen Polizeieinsatz in der Kneipe Jolly Roger äußern. Mehrere Gäste waren dabei verletzt worden.

Hamburg. Nach dem umstrittenen Polizeieinsatz in der Kneipe Jolly Roger, bei dem mehrere Gäste am Rande der Krawalle nach dem Schanzenfest verletzt worden sind (wir berichteten), hat der Aufsichtsrat des FC St. Pauli eine Demonstration angekündigt. Der stellvertretende Vorsitzende, Rechtsanwalt Tay Eich, sagte zu Hamburg 1: "Wir als Aufsichtsrat werden uns an dieser Demonstration beteiligen und mitmarschieren, weil wir Angriffe, die offensichtlich nicht dazu dienen, Straftaten zu verhindern oder Straftäter zu ermitteln, verurteilen."

Stephan Delius, der Betreiber der St.-Pauli-Fankneipe an der Budapester Straße, wirft der Polizei vor, "innerhalb von wenigen Minuten" die komplette Bar mit Reizgas gefüllt zu haben. Laut Delius hätten etwa 100 Gäste in der Nacht zu Sonntag eine "friedliche Geburtstagsparty" gefeiert, bis die Polizei den Laden gestürmt habe. Die Gäste seien in die Toiletten und das Getränkelager im Keller geflüchtet, vermummte Polizisten mit Schlagstöcken hinterher.

Gast Ulrike Swadzba: "Wir standen da und konnten nicht raus." Festnahmen habe es nicht gegeben, auch Personalien seien nicht kontrolliert worden. Laut Polizei hätten sich zuvor allerdings immer wieder Flaschen- und Steinewerfer in das Jolly Roger zurückgezogen. Das Dezernat Interne Ermittlungen (DIE) hat den Fall auf dem Tisch. Rechtsanwalt Tay Eich fordert eine vollständige Aufklärung des Vorfalls. Freitagabend wollen Stammgäste des Jolly Roger, Betroffene, Fans und Funktionäre des FC St. Pauli gegen den Einsatz protestieren.

Auch im Rathaus ist die Krawallnacht im Schanzenviertel, bei der 50 Polizisten verletzt wurden, heute Thema: In der letzten Sitzung vor der Sommerpause wollen die Abgeordneten dabei auch den strategischen Ansatz der Polizei diskutieren. Der hat nach Ansicht der GAL "statt Schutz nur Irritation und Unsicherheit" gebracht.