Umstrukturierung

Machtwechsel bei lokalem Fernsehsender Hamburg 1

Einst hatten vier Manager den Sender übernommen. Jetzt geben ein Hamburger Unternehmer und ein Schweizer Investor den Ton an.

Rotherbaum. Das war es dann - gestern erhielten Mitarbeiter des lokalen Fernsehsenders Hamburg 1 eine denkwürdige E-Mail. Bernhard Bertram, vor einem Jahr noch Geschäftsführer des Senders, verkündete darin den kompletten Ausstieg der vier bisherigen Mehrheitsgesellschafter bei Hamburg 1. Die vier Gründungsgesellschafter aus dem Jahr 2003 - neben Bertram selbst Kim Schwaner, Michael Schmidt und Ingo Borsum -, hätten ihre Anteile an den Schweizer Minderheitsgesellschafter veräußert. "Damit gewinnt der Sender wieder einen starken Mehrheitseigentümer, der die Unabhängigkeit von Hamburg 1 Fernsehen im Hamburger Medienmarkt sichern kann."

Hinter dem neuen Hausherren stecken ein Schweizer Investor, der sich für sein Wirken "Diskretion" ausbedungen hat, und der Medienunternehmer Nikolaus Broschek, bis 2002 Eigentümer der Traditions-Druckerei gleichen Namens. Broschek und der Schweizer Investor halten jetzt über eine Firma 63 Prozent bei Hamburg 1. Zu dem Konsortium gehören zudem mit zusammen 37 Prozent die Axel Springer AG und die Triangle Medien Beteiligungs GmbH, an der wiederum Medienunternehmer Frank Otto Anteile hält.

Bei der seit rund zwölf Monaten geplanten Umstrukturierung seien etliche rechtliche Hürden aus dem Weg zu räumen gewesen, sagte Broschek gestern dem Abendblatt. "Die Umstrukturierung bedeutet jetzt nicht, dass wir etwas am Programm oder der Redaktion ändern wollen. Wir werden aber sicher den Vertrieb noch stärker aufstellen."

Der Abschied deutete sich bereits vor einem Jahr an, als sich Schwaner, Borsum und Bertram aus dem operativen Geschäft zurückzogen. Bertram, der aktuell als Berater für Medienunternehmen tätig ist, sagte zum Machtwechsel beim Sender. "Ich halte das für eine gute Lösung für Hamburg 1." Unter der Ägide der Vier hatte der zuvor jahrelang mit unruhiger Hand geführte und defizitäre Regionalsender zu relativer Stabilität gefunden. Bis 2000 gehörte Hamburg 1 dem New Yorker Medienriesen Time Warner, danach folgten als Eigentümerin die Münchner Kirch-Gruppe und ab Ende 2002 die Deutsche Fernsehnachrichten Agentur (DFA). 2003 gründeten Bertram, Borsum, Schmidt und Schwaner die Beteiligungsgesellschaft Almond Media, die Ende 2003 den Sender von der DFA übernahm.

Das Quartett war seit Jahren mit Hamburg 1 verbunden: Ingo Borsum war 1995 Gründungsgeschäftsführer, Bertram DFA-Manager, Schmidt Nachrichtenchef und Schwaner über seine Firma Brand New Media Production als Dienstleister für den Sender tätig. Die vier Führungskräfte brachten den 1995 gegründeten Sender, der in den ersten Jahren kaum ein Zehntel der angepeilten 30 Millionen Euro erwirtschaftete, finanziell auf Vordermann.

2005 verkündeten sie stolz, man habe den "Break-Even" geschafft und schreibe nun schwarze Zahlen. Der Erfolg ging einher mit einer klaren Ausrichtung von Hamburg 1 als lokalem Stadtfernsehen. Der Sender gewann an Hamburg-Kompetenz und an politischem Profil. Das Gesicht dieses Profils ist Herbert Schalthoff, Moderator von "Schalthoff Live und "Nachgefragt".

Die alte Chef-Riege unter dem Dach der Almond Media hat Adieu gesagt - bis auf Michael Schmidt, der Chefredakteur und neben Jan-Niko Lafrentz Geschäftsführer bleiben wird. Schmidt: "Hamburg 1 ist ein Sender, der seine Rolle in der Hamburger Medienlandschaft gefunden hat - und die wird er weiter ausbauen."