Hamburg

Bergedorf: Eine neue City ist wie ein neues Leben

Foto: picture-alliance / HB-Verlag / picture-alliance / HB-Verlag/dpa

Was ändert sich 2011 in den Hamburger Bezirken? Heute: Bergedorf. Die Umgestaltung des Zentrums in Bergedorf ist fast abgeschlossen.

Hamburg. Was haben die Bezirke vor? Was wurde aus ihren Plänen für 2010? Das Abendblatt hat sich in allen sieben Bezirken sowie im Hafen umgesehen. Heute Teil 2 der Serie: der Bezirk Bergedorf.

1. Das Stadtzentrum: Zehn Jahre lang wurde Stück für Stück die Innenstadt von Bergedorf neu geplant und umgebaut. Insgesamt 350 Millionen Euro wurden investiert, darunter 70 Millionen Euro aus Steuergeldern. So wurde eine neue Fußgängerzone gestaltet, das Sachsentor modernisiert, ein neues Bille-Bad gebaut. Am Standort des alten Bades entstanden Wohnungen. Das City Center Bergedorf (CCB) ist mittlerweile modernisiert und teilweise neu gebaut worden, genauso wie der Neue Mohnhof. Im kommenden Jahr wird das große Projekt vorerst abgeschlossen. In einem letzten Schritt sollen die Nebenstraßen zum Sachsentor, Hinterm Graben, Neuer Weg und Hude, 2011 neu gepflastert werden. "Die Innenstadt von Bergedorf hat für den gesamten Bezirk eine große Bedeutung", sagt Bezirksamtsleiter Christoph Krupp (SPD). "Mit den Baumaßnahmen haben wir die City neu belebt."

2. Der neue ZOB: Für rund 40 Millionen Euro entsteht derzeit in der Innenstadt von Bergedorf ein moderner Busbahnhof. Für das Projekt "Bergedorf baut" musste 2008 das alte Bahnhofsgebäude weichen. Im kommenden Jahr soll der neue Bahnhof nach drei Jahren Bauzeit fertiggestellt und im Mai in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig steht die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes an. Der Vorteil des neuen Bahnhofs: Der direkte Zugang vom Bahnsteig der S-Bahn zum ZOB ist möglich. Zudem fahren alle Buslinien künftig zentral von einer Businsel ab. Zusätzlich ist Hamburgs modernste Fahrradstation mit mehr als 600 Stellplätzen und einem Reparaturservice geplant. "Das Ziel soll sein, dass die Pendler ihr Rad morgens mit einem Reparaturauftrag abgeben und abends fertig mitnehmen können", so Krupp. "Gerade für Bergedorf ist die Kombination von Bahn und Fahrrad attraktiv."

3. Die Fußgängerzone Lohbrügge: Die Fußgängerzone von Lohbrügge mit ihren rund 70 Geschäften soll modernisiert werden. Für 2011 ist ein Planverfahren angesetzt, bei dem "in enger Abstimmung mit den Grundeigentümern, Anwohnern und Geschäftsleuten der Umbau vorbereitet werden soll", so Krupp. "Nach dem Planverfahren müssen wir dann die Finanzierung sichern", so der Amtsleiter. Baubeginn für dieses Projekt soll 2012, spätestens 2013, sein.

4. bis 6 . Wohnungsbau: In Bergedorf wurden 2010 Baugenehmigungen für 455 Wohnungen erteilt, das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Zuwachs von 50 Prozent. Auch 2011 will Amtsleiter Krupp mindestens 400 neue Wohnungen genehmigen. Etwa ebenso viele sollen fertiggestellt werden. Erst vor Kurzem wurde das Wohnungsbauprogramm des Bezirkes einstimmig von der Bezirksversammlung beschlossen.

4. An der Bergedorfer Straße 60-66 sollen insgesamt 96 Wohnungen im öffentlich geförderten Mietwohnungsbau entstehen. Einige Wohnungen sind barrierefrei geplant. Baubeginn für das Projekt soll 2011 sein.

5. Parkkante Allermöhe heißt ein Bauprojekt, bei dem an der Hans-Stoll-Straße insgesamt 150 Reihenhäuser entstehen. Der erste Bauabschnitt mit 59 Häusern ist bereits fertiggestellt, die Häuser bezogen. Der zweite Bauabschnitt mit 39 Reihenhäusern wird gerade gebaut. Diese Wohneinheiten sollen Ende 2011 bezugsfertig sein. Der dritte Bauabschnitt mit 52 Häusern ist in Planung, auch hier sollen 2011 die Bauarbeiten beginnen.

6. Auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs in Bergedorf entstehen etwa 320 neue Wohneinheiten mit 155 Mietwohnungen, rund 140 Eigentumswohnungen und 25 Stadthäusern. Die ersten Wohneinheiten wurden bereits Ende 2009 bezogen. Drei weitere Gebäude mit insgesamt 75 Eigentumswohnungen werden 2011 fertiggestellt. Für einen letzten Bauabschnitt mit 14 Wohneinheiten ist der Baubeginn für den kommenden Sommer vorgesehen. Der niederländische Investor Bouwfonds hat rund 53 Millionen Euro in das Quartier investiert.

7. Die Schleusengärten: Wohnen und arbeiten am Wasser, das ist die Idee für die Flächennutzung der Bergedorfer Schleusengärten. Das Ziel: Ein riesiger Park, ein Gewerbegebiet und 600 Wohnungen sollen innerhalb des nächsten Jahrzehnts entstehen. Als erstes Bauprojekt wird derzeit das neue Laserzentrum Nord realisiert. "Der Rohbau steht", so Krupp. Die Planungen sehen vor, dass das Laserzentrum 2011 in Betrieb genommen wird. "Für weitere Projekte auf dem Areal haben wir bereits Interessenten." Im Sommer soll zudem der Beach-Club Schleusenperle wieder eröffnen.

8. Das Kinder-Kulturhaus: Mit dem Kinder-Kulturhaus haben Kulturbehörde, Schulbehörde und Bezirk ein Projekt ins Leben gerufen, das die Integration in Bergedorf fördern soll. Im Februar 2011 nimmt das Kinder-Kulturhaus seinen Betrieb auf. In einem denkmalgeschützten Haus am Lohbrügger Markt, das die Lawaetz-Stiftung zur Verfügung stellt, werden dann verschiedenste Kunst- und Kulturprojekte in Zusammenarbeit mit den Schulen angeboten. Dazu übernimmt das Kinder-Kulturhaus Aufgaben der sogenannten additiven Sprachförderung für Kinder mit Sprachschwierigkeiten. Und für Kinder, bei denen zu Hause Deutsch nicht Muttersprache ist. Finanziert wird das Kinder-Kulturhaus unter anderem vom Programm "Integrierte Stadtteilentwicklung". Zudem sollen künftig die Schulen für die Angebote bezahlen. "Von dem Kinder-Kulturhaus bin ich besonders begeistert", sagt Krupp. "Glücklicherweise soll es zu einer dauerhaften Einrichtung werden."

9. Konzept für das Bergedorfer Schloss: Das Bergedorfer Schoss ist eine Außenstelle des Museums für Hamburgische Geschichte und in dieser Funktion auch von den Turbulenzen der Stiftung Historische Museen Hamburg erfasst, so der Bezirk. "Wir machen uns große Sorgen um die Zukunft des Schlosses", sagt Amtsleiter Krupp. Deshalb will der Bezirk gemeinsam mit allen Beteiligten im kommenden Jahr ein Zukunftskonzept für das Schloss erarbeiten. "Für uns steht das Museum im Schloss nicht zur Disposition, schließlich findet sich dort die gesamte Bergedorfer Geschichte."

10. Neuer Stadtteil: Vom 1. Januar 2011 an hat Bergedorf einen neuen Stadtteil. Neu-Allermöhe-West und Neu-Allermöhe-Ost sind nicht mehr geteilt, sondern in dem eigenen Stadtteil Neu-Allermöhe zusammengefasst. "Das hat für die Bewohner keine Auswirkungen, ist nur eine Frage des Lebensgefühls - und eine Frage der statistischen Daten", so Krupp.

11. Der Elberadweg: Der Elberadweg, der meistfrequentierte Fern-Radweg Deutschlands von Tschechien bis Cuxhaven, führt auch durch die Vier- und Marschlande. Zwischen Fünfhausen und Tatenberg ist der Radweg in einem schlechten Zustand und soll 2011 modernisiert werden. Die Kosten in Höhe von knapp einer Million Euro übernimmt die Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt. Bis zum Beginn der Radsaison sollen die Bauarbeiten auf der sieben Kilometer langen Strecke nach Angaben des Bezirksamtes abgeschlossen sein.

12. Sternwarte-Besucherzentrum: Die Bergedorfer Sternwarte auf dem Gojenberg bekommt ein Besucherzentrum. Für 500 000 Euro werden derzeit Veranstaltungsräume, Gastronomie und Toiletten gebaut. Hiermit unterstützt die Bezirksversammlung die 176 Jahre alte Sternwarte bei ihrer Bewerbung um den Weltkulturerbe-Titel. Das neue Besucherzentrum soll im Frühjahr 2011 fertig sein.

13. Neues Hotel Zollenspieker: Der Zollenspieker ist nicht nur der südlichste Punkt Hamburgs, sondern auch ein attraktiver Ort an der Elbe. Und das Hotel und Restaurant Zollenspieker Fährhaus ein wichtiger Anlaufpunkt für Besucher. Unter der Leitung der Firmengruppe Sellhorn wurde das Fährhaus denkmalgerecht saniert. Daneben entsteht ein Neubau mit rund 60 Zimmern. Das Hotel soll Ende 2011 eröffnet werden.

14. Ein Multiplex-Kino: Kinogänger in und um Bergedorf können sich bald die Fahrt in die Hamburger Innenstadt sparen. Für Bergedorf ist ein Multiplex-Kino geplant. Auf dem alten Postgelände ist ein Theater mit etwa sechs Sälen und Plätzen für 1700 Besucher vorgesehen. Im Erdgeschoss sollen zwei Gastronomiebetriebe einziehen. Derzeit befinde man sich in der Detailplanung, so Michael Miersch, Prokurist bei der Otto Wulff Bauunternehmung. Auch ein Büro- und Gewerbehaus soll auf dem Gelände gebaut werden. Anfang 2012 könnten die Arbeiten beginnen. Ende 2013 soll das Kino eröffnet werden. Die Kosten für das Projekt: rund 60 Millionen Euro.

15. Der Stadttaler Bergedorf hat eine eigene Währung - den Stadttaler. Die Idee für die alternative Währung stammt von der BID Sachsentor, einem Zusammenschluss Bergedorfer Grundeigentümer. "Der Taler ist Geschenkidee, Einkaufsgutschein und Sammlerobjekt zugleich", heißt es beim BID. Noch bis zum 31. Mai 2011 kann die dritte Auflage des Stadttalers in der historischen Innenstadt als Zahlungsmittel verwendet werde.

16. Der Bergedorfer Hafen: Der Cityhafen von Bergedorf, der Serrahn, soll ausgebaut werden. Bereits in diesem Jahr wurden die Anlegemöglichkeiten für die Ausflugsschiffe modernisiert. 2011 werden Stromanschlüsse und Sanitäranlagen für die Sportboote gebaut. "Damit ist der Hafen von Bergedorf die einzige Möglichkeit in Hamburg, mitten in ein Stadtzentrum mit einem Sportboot zu fahren", so Bezirksamtsleiter Krupp.