SPD: Senat macht Hortkinder zu "Versuchskaninchen"

Hamburg. Eigentlich, das versicherten die Parlamentarier aller vier Bürgerschaftsfraktionen immer wieder, sei die verlässliche Nachmittagsbetreuung an Schulen eine gute Sache. Das war aber auch der einzige Punkt, bei dem gestern Einigkeit herrschte. Die Aktuelle Stunde in der Bürgerschaft geriet zur Generalabrechnung mit den Plänen des schwarz-grünen Senats, die Hortreform bereits im nächsten Schuljahr zu starten und nicht wie geplant 2013. "Es kann ja wohl nicht sein, dass sie auf einen Streich Kinder aus 80 Schulen zu Versuchskaninchen machen", wetterte die Kita-Expertin der SPD, Carola Veit. Ohne Not bringe der Senat eine gute Idee in Verruf, weil er sie überhastet und dilettantisch umsetze.

Schulsenatorin Christa Goetsch (GAL) hielt dagegen. "Sie machen Opposition gegen Elternwillen in der Stadt." Überall machten Eltern Druck, weil sie die Betreuung für ihre Kinder wollten. Trotzdem gebe es keinen Qualitätsrabatt für eine möglichst schnelle Einführung. "Die Voraussetzungen werden geschaffen." Goetsch kündigte an, dass es eine Sozialstaffelung der Elternbeiträge geben soll. "Niemand soll mehr bezahlen als bisher." Zudem ist eine Verkleinerung der Gruppenstärken auf 17 bis 19 in sozial schwachen und 21 bis 23 in anderen Gebieten geplant.

Zustimmung kam vom Regierungspartner CDU. "Mehr Bildungsgerechtigkeit ist das Hauptmerkmal des Systemwechsels", sagte die familienpolitische Sprecherin Friederike Föcking. Entscheidend sei, dass die Ausweitung freiwillig und in enger Abstimmung mit den Hortträgern geschehe.

Argumente, die in der mehr als einstündigen Debatte bei der Opposition nicht ankamen. Es sei zu befürchten, dass das neue System nur Aufbewahrungsniveau habe, sagte Mehmet Yildiz (Linke) und erneuerte seine Forderung, vor einem erweiterten Start die fünf Modellschulen auszuwerten. Eltern wollten eine seriöse Planung. Das habe der Volksentscheid gegen die Primarschulreform gezeigt, sagte auch der schulpolitische Sprecher der SPD, Ties Rabe. "Sonst bleibt bei den Menschen nur die Botschaft hängen: Reformen funktionieren nicht."