CDU will Frauen stärker fördern

Neues Mentoringprogramm soll erreichen, dass mehr weibliche Mitglieder in der Bürgerschaft aktiv werden

Winterhude. Die Hamburger CDU hat ein Frauenproblem. Zwar sind knapp 40 Prozent der Parteimitglieder weiblich, aber Karriere machen die wenigsten. Im Senat sitzt nur eine CDU-Ressortchefin. Gerade mal 15 der 56 Bürgerschaftsabgeordneten sind Frauen. Mit dem aktuellen Neuzugang Claudia Folkers, 50, die für Finanzstaatsrat Rolf Reincke in die Fraktion aufrückte, liegt die Quote bei 26,8 Prozent - und damit knapp zehn Prozentpunkte unter dem Bürgerschaftsschnitt. "Wir müssen mehr Frauen für die aktive Mitarbeit in der Partei interessieren", sagt die Vorsitzende der Frauenunion, Marita Meyer-Kainer, 56. Noch in diesem Monat soll ein Mentoringprogramm starten, das gezielt weiblichen Politiknachwuchs fördern soll.

Die CDU betritt damit neues Terrain. Klar ist: Nicht nur die Wirtschaft, auch die Parteien brauchen dringend Frauen in Führungspositionen. Politikerinnen erschließen Wählerinnenstimmen und geben der Partei einen modernen, emanzipatorischen Anstrich. Die anderen Parteien in Hamburg sind da deutlich weiter.

Beispiel SPD: 34 Prozent der Mitglieder sind Frauen. Das entspricht fast genau dem Anteil der Mandatsträgerinnen (35 Prozent). Bei der GAL steht die Zweite Bürgermeisterin und Schulsenatorin Christa Goetsch in vorderster Front, die Linke hat mit Dora Heyenn eine Fraktionschefin. "Wir wollen gerade jüngeren Frauen deutlich machen, dass sie bei uns auch Politik gestalten und Karriere machen können", sagt Frauensunionschefin Meyer-Kainer.

Initialzündung soll ein Mentoringprogramm sein, das über sechs Monate angelegt ist. Es besteht aus einem Rahmenprogramm mit je einer monatlichen Veranstaltung, wie Besuchen in der Bürgerschaft und in der CDU-Bundestagsfraktion, Rhetorikkursus oder Einführung in die Pressearbeit. Als zweiten Baustein bekommt jede Frau eine Mentorin oder Mentor zur Besprechung aller Fragen. "Sie können sich aber auch von Anfang an aktiv einbringen und Round-Table-Gespräche mit Landespolitikern organisieren oder auch mal in Sitzungen auf Kreisebene oder in Bezirksfraktionen reingucken." Interessierte können sich unter 040/46 85 48 00 melden. Informationen gibt es unter www.hamburger.frauenunion.de . CDU-Mitgliedschaft ist keine Voraussetzung. Unterstützt wird das Programm durch eine "Virtuelle Akademie" der Bundes-Frauenunion, über die sich Frauen auch online in die Parteiarbeit einarbeiten können. "Unser Ziel ist, dass auf den Kandidatenlisten für die Bürgerschaftswahl 2012 deutlich mehr als ein Drittel Frauen steht", sagt Meyer-Kainer, die sich für eine Quote starkmacht. Wie wichtig Frauen für die Partei sind, macht sie an einem Beispiel deutlich: "Wenn wir bei der Kita-Gebührenerhöhung stärker eingebunden wären, wäre das anders gelaufen."