Grosses Fest in der Hamburger Innenstadt

China Time: Fernöstlicher Besuch in "Han Bao"

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Die Hansestadt lädt wieder zur China Time. 200 Veranstaltungen gibt es bis zum 25. September, von Tai-Chi bis zum Drachenumzug.

Altstadt. Der riesige Drachen ist schon da, Elefanten und Löwen folgen. Untrügliche Zeichen, dass in Hamburg China Time gefeiert wird: Bis zum 25. September ist das Reich der Mitte abwechslungsreich aktiv und beschert der Innenstadt zum dritten Mal fernöstlichen Charme. 200 Veranstaltungen machen neugierig auf einen Handelspartner, der die Hälfte seiner Deutschlandgeschäfte über die Hansestadt abwickelt. Mehr als 10.000 Bürger mit chinesischer Abstammung fördern diese Annäherung tagtäglich. "Han Bao", die Burg der Chinesen, heißt Hamburg übersetzt. Farbenprächtiges Finale der fantasievoll organisierten Fiesta ist ein verkaufsoffener Sonntag am letzten Septemberwochenende. Dann soll sich die gesamte City im exotischen Gewand präsentieren und einen würdigen Rahmen für den europaweit größten Drachen- und Löwentanz bieten.

Der gewichtigste Vorbote dieses Spektakels muss auf dieses Vergnügen verzichten: Ein 4,3 Tonnen schwerer Kupferdrache bezog bereits gestern vis-à-vis zum Rathaus trutzige Position. Der sieben Meter lange und fünf Meter hohe, nachts rot illuminierte Feuerspeiher besteht aus 6000 zusammengeschweißten Schindeln - sein viel älteres Vorbild steht im kaiserlichen Sommerpalast in Peking.

Zu Füßen des Hamburger Bruders wird heute um 10 Uhr der große chinesische Markt eröffnet. Schlangenfrau Sun Qing Qing lässt erahnen, was das Ensemble des Chinesischen Nationalzirkus in der kommenden Woche auf dem Rathausmarkt zu bieten hat. Wer selbst in Schwung kommen möchte, kann heute um 9 Uhr an einer kostenlosen Tai-Chi-Stunde teilnehmen.

Gestern wurde emsig gewerkelt, um fernöstliches Flair in Hamburgs "gute Stube" zu zaubern. Vor den roten Pagodenzelten wurden Lampions aufgehängt und Papierdrachen drapiert. Helfer transportierten kunstvoll verzierte Dächer aus Fernost und installierten typische Garküchen. Neben chinesischen Speisen sind traditionelles Handwerk, Kalligrafie, Schmuck, Stoffe und Kunstgewerbe zu entdecken.

Derweil die Arbeiten draußen auf Hochtouren liefen, wurde in der Rathausdiele eine Ausstellung mit Motiven asiatischer Fotografen eingeweiht.

Am Abend wurde im Großen Festsaal gefeiert. Im delikaten Schulterschluss zwischen Hamburg und seiner zehnmal größeren Partnerstadt Shanghai reichten Ober Fingerfood vom Feinsten. Hamburger Pannfisch im Glas, Brottaler mit Räucheraal oder Kurpflaumen im Speckmantel standen im kulinarischen Kontrast zu Zitronengrassuppe mit Ente im Glas, handgemachten Frühlingsrollen sowie Tintenfisch mit Bambus in Weizenteig.

"Mit der China Time öffnen wir einem großen Publikum den Blick nach China", sagte Bürgermeister Christoph Ahlhaus den 350 geladenen Ehrengästen aus beiden Ländern. Während seiner Reise nach Shanghai und Chengdu Anfang Juni habe er sich persönlich davon überzeugt, "dass sich China den ökologischen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts sehr intensiv stellt". Der rasche Gegenbesuch des Vizepräsidenten der Politischen Konsulativkonferenz der zentralchinesischen Provinz Sihuan, Xie Hong, zeige deutlich, wie weit oben die Themen Umwelt- und Klimaschutz auf der politischen Agenda in China ständen.

Oberbaudirektor Jörn Walter berichtete von "einem wachsenden Interesse an nachhaltiger Stadtentwicklung" im Reich der Mitte: "Das bemerken wir an dem großen Zuspruch, den wir derzeit mit unserem Hamburg House auf der Expo in Shanghai erleben." Gemeint ist das erste zertifizierte Passivhaus in China. Zwischen den Reden und vor dem Essen präsentierten Wang Sijia und Hou Tengfei aus Shanghai moderne Tanzkunst mit chinesischen Elementen. Wu Wei spielte auf einer chinesischen Mundorgel (Sheng). Am Schluss stellten Coco Zhao und Sasha ein interkulturelles Duett.

Diese Auftritte machten Appetit auf die kommenden Tage der China Time. Wenn die Geschäfte der Hamburger Innenstadt am letzten Septembersonntag bis 18 Uhr geöffnet sind, bieten insgesamt 100 Tänzer einen mehr als vierstündigen Drachen- und Löwenumzug. Auch das gab's in der Hansestadt noch nie.