Einbruchsserien in Winterhude und Rissen

Bis zu 216 Prozent mehr Taten in einigen Vierteln. Polizei macht Banden verantwortlich

Hamburg. Einbrecherbanden nehmen verstärkt Hamburgs feine Viertel ins Visier. Hier ist die Zahl der Einbrüche zwischen Januar und Juni teilweise dramatisch angestiegen. So registrierte die Polizei etwa in Winterhude mit 84 Einbrüchen einen Zuwachs von 180 Prozent. Von Januar bis Juni 2009 hatte es in dem Stadtteil 30 Einbrüche in Wohnungen und Häuser gegeben. In Rissen stieg die Zahl der Taten um 111 Prozent (von 27 auf 57). Den mit 216 Prozent stärksten Anstieg gab es auf der Uhlenhorst: Die Zahl der Taten stieg von 18 auf 57.

In ganz Hamburg waren im ersten Halbjahr Täter in 4070 Häuser und Wohnungen eingebrochen - gegenüber dem Vorjahr ein Plus von 33,9 Prozent. Sehr viel häufiger als im Durchschnitt aber wurde auch in Eppendorf (58 Einbrüche, plus 87 Prozent) und in Alsterdorf (44, plus 109 Prozent) eingebrochen. Und nur etwa jede 20. Tat in der Stadt wird aufgeklärt. Die Aufklärungsquote sank von 10,9 auf 5,5 Prozent.

Für den seit Jahren anhaltenden Anstieg der Zahlen sind nach Angaben der Polizei vor allem Profi-Banden verantwortlich. Sie reisen häufig im Familienverbund von Stadt zu Stadt - und schlagen gezielt in Stadtteilen mit wohlhabenderen Einwohnern zu. Meistens befinden sich die Tatorte in der Nähe von Bus- oder S-Bahn-Haltestellen, sodass die Täter schnell flüchten können. "Das Problem ist auch, dass oft Kinder in die Häuser geschickt werden", sagt ein Fahnder. Wenn diese festgenommen würden, müssten sie sofort wieder freigelassen werden, da sie noch nicht strafmündig seien, beklagt der Beamte. "Und schon am nächsten Tag brechen diese Kinder wieder irgendwo anders ein."

Polizei und Innenbehörde versichern, dass sie die seit 2006 kontinuierlich steigenden Einbruchszahlen sehr ernst nehmen. "Wir haben daher vor knapp zwei Wochen eine feste Dienststelle geschaffen, in der wir gezielt die Strukturen der Banden erhellen wollen", sagt Polizeisprecherin Ulrike Sweden. Doch setzt sich der Trend des ersten Halbjahres fort, könnte in diesem Jahr die Zahl der Taten erstmals wieder über 8000 steigen.

"Die Zahlen sind alarmierend und für das Sicherheitsempfinden der Menschen besorgniserregend", sagt der SPD-Innenexperte Andreas Dressel. "Es wird Zeit, auch neue Wege zu gehen." So schlägt Dressel vor, Wertgegenstände künftig mit einer sogenannten künstlichen DNA zu versehen. Dies ist eine nicht sichtbare Markierungsflüssigkeit, die etwa auf Schmuck aufgetragen wird. Die Flüssigkeit enthält winzige Mikrochips, mit denen die Besitzer des gesicherten Gegenstands ermittelt werden können. In Verbindung mit Warnschildern habe dieses Projekt in Bremen zu einem Rückgang der Einbruchszahlen geführt, sagt Dressel.

Diesen hat es entgegen dem Hamburger Trend auch im Bezirk Bergedorf gegeben. Dort sank die Halbjahreszahl um fast 30 Prozent auf 161. Im eher bürgerlich geprägten Bezirk Nord hingegen weist die Statistik die größten Zuwächse aus. Insgesamt wurden dort 612 Delikte gezählt. Mit einem Plus von rund 92 Prozent hat sich die Zahl der Einbrüche im Vergleich zum Vorjahreszeitraum damit nahezu verdoppelt.