Hamburg-Eimsbüttel

Dinner in Weiß: Geheimnisvolles Massen-Picknick in Hamburg

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Christopher Beschnitt

Foto: Julien Hainaut

Die Idee aus Paris ist in der Hansestadt angekommen: Eimsbüttelerin organisiert die Veranstaltung an der Kreuzung Osterstraße und Schopstraße.

Hamburg. Alles ist weiß: die Kleidung der Menschen, die Tischdecken und Stühle, das Geschirr, die Kerzen und Laternen. Dieses ebenso surreale wie gespenstische Bild - mit Tausenden Teilnehmern - stammt aus Paris und zeigt das „Dîner en blanc“, das „Essen in Weiß“. Dieses Spektakel soll es nun auch bald in Hamburg geben. Eine Eimsbüttelerin möchte das Ereignis im August in ihren Stadtteil holen.

Rückblick: Ende der 1980er-Jahre wird die Idee des weißen Wild-Picknicks in der französischen Hauptstadt geboren. Aus einer regelmäßig veranstalteten Privat-Party entwickelt sich mit der Zeit ein sogenannter „Flashmob“, ein nichtangemeldeter, aber organisierter Massenauflauf wildfremder Menschen. Bis heute wird das „Dîner en blanc“ in Paris in dieser eigentlich illegalen Form praktiziert. Nun soll es das auch in Hamburg geben. „Allerdings in Abstimmung mit den Behörden“, sagt Manon Dunkel.

Die 37-jährige PR-Beraterin aus Eimsbüttel hat sich deshalb jüngst an das für sie zuständige Bezirksamt gewandt – und für Sonnabend, den 21. August, die Sperrung der Schopstraße/Ecke Osterstraße auf einer Länge von 140 Metern veranlasst. In knapp zwei Monaten soll dort folglich Hamburgs erstes „Weißes Dinner“ zelebriert werden. „Es ist schon einige Jahre her, dass ich eine Freundin in Paris besucht und vom ‚Dîner en blanc‘ gehört habe“, erzählt Manon Dunkel. Sie habe dieses Spektakel auf Anhieb interessant gefunden, ergänzt sie, und schließlich in Zeitungen und Magazinen sowie im Internet jede Menge Berichte über das Ereignis gefunden. „Vor allem die Bilder haben mich umgehauen. Dieses ganze Weiß: Alles erscheint dadurch so still, so friedlich, einfach so schön…“, sagt Dunkel.

Durchaus auch mystisch und kultig, könnte ein uninformierter Betrachter denken. Der Gedanke gar an eine ominöse Weltuntergangssekte scheint nicht allzu weit hergeholt. „Aber nein“, wehrt Manon Dunkel ab, „hinter dem ‚Dîner en blanc‘ steht überhaupt gar keine religiöse oder politische Aussage, genauso wenig wie ein kommerzielles Interesse. Es handelt sich bei dieser Veranstaltung um ein rein kulturelles Event, das allen Beteiligten ein nettes Beisammensein und ein leckeres Essen bescheren und ihnen dadurch schlicht Spaß machen soll.“

Das „Weiße Dinner“ organisiert Manon Dunkel gemeinsam mit einer Freundin, die beiden bezahlen alle Aufwendungen aus eigener Tasche. „Deswegen werden wir beim Dinner dann auch eine Spendenbüchse herumgehen lassen“, sagt Dunkel, die jedoch betont, dass das Spektakel an sich komplett kostenlos sei. Allerdings müsse jeder Gast selbst für seine Verpflegung sorgen: „Jeder Teilnehmer bringt einen Tisch samt Stühlen mit und packt einen Picknickkorb mit Köstlichkeiten“, so Dunkel. Sie fügt hinzu: „Dass jeder ganz in weiß erscheint, dürfte sich von selbst verstehen.“ Und wer sich nicht an den Arztkittel-Dresscode hält? „Der darf nicht mitmachen!“

Mit mindestens 200 Gästen rechnet Manon Dunkel bei der Hamburger Premiere des In-Weiß-Dinierens. Doch das soll, wenn es nach der Initiatorin geht, nur der Anfang eines in Zukunft womöglich großen hanseatischen Ereignisses werden: „Das diesjährige ‚Weiße Dinner‘ soll der Auftakt für eine neue Tradition in Hamburg sein“, hofft Dunkel. „Eimsbüttel, Elbstrand oder Alsterwiesen – ausreichend schöne Veranstaltungsorte für künftige Picknicks ganz in Weiß hat die Hansestadt auf jeden Fall zu bieten!“

Termin: Sonnabend, 21. August; ab 17 Uhr; Schopstraße/Ecke Osterstraße in Eimsbüttel; Eintritt: frei; Anmeldung: nicht erforderlich. Weitere Informationen, unter anderem mit einem Video vom Pariser „Dîner en blanc“, im Internet unter www.weisses-dinner-hamburg.de