Bezirksversammlung Mitte

Grote: "Lebensqualität in Horn und Billstedt verbessern"

Hamburg-Mitte wählt heute einen neuen Bezirksamtsleiter. Andy Grote ist Favorit, da FDP und SPD zusammen einfache Mehrheit haben.

Altstadt. Der Ort für die Party steht schon fest. Freunde und Weggefährten von Andy Grote haben für heute Abend eine Einladung in eine Traditionskneipe auf den Kiez bekommen. Nicht er selber, sondern sein SPD Distrikt St.-Pauli-Süd hat zu der Feier eingeladen. Die Parteifreunde scheinen sicher zu sein, dass sie dann auf die Wahl von Andy Grote zum neuen Bezirksamtsleiter in Mitte anstoßen können.

Die Bezirksversammlung Mitte kommt heute um 18 Uhr im Sitzungssaal am Klosterwall 4 zusammen und hat als einzigen Tagesordnungspunkt die Wahl des Bezirksamtsleiters. Die Wahl von Grote, der von den neuen Koalitionspartnern FDP und SPD vorgeschlagen wird, gilt als sicher. Die beiden Parteien haben eine bequeme Mehrheit von 28 der 51 Abgeordneten. Für die Wahl reicht dem Stadtentwicklungsexperten eine einfache Mehrheit. Die Grünen werden sich enthalten, weil die öffentliche Ausschreibung laut Fraktionschef Michael Osterburg "eine Farce war. Andy Grote war von Anfang an gesetzt als Kandidat."

+++ Das Parlament in Mitte +++

Die Neuwahl ist notwendig geworden, weil Bezirksamtsleiter Markus Schreiber (SPD) nach dem Tod der elfjährigen Chantal durch eine Methadonvergiftung in einer Wilhelmsburger Pflegefamilie zurücktreten musste.

Der Favorit, Andy Grote, arbeitet bis zur letzten Minute als Anwalt in der Kanzlei "Bernzen Sonntag" an der Mönckebergstraße. Denn wenn der ledige Jurist heute für sechs Jahre gewählt wird, wird er seine Anwaltszulassung zurückgeben und Beamter auf Widerruf. Auch sein Bürgerschaftsmandat müsste der 43-Jährige aufgeben. Dem Abendblatt sagte Grote: "In mir ist eine gewisse Grundanspannung. Aber ich bin durchaus zuversichtlich."

Doch nach Abendblatt-Informationen wird es heute einen zweiten Kandidaten geben. Der Wahlvorschlag kommt überraschenderweise gemeinsam von der CDU, den Linken und den Piraten. Ihr Wunschkandidat heißt Rüdiger Günther und ist Kanzler an der Fachhochschule Westküste in Heide: "Wir halten Herrn Günther für den besseren Kandidaten, weil er bei seiner Vorstellung in der Fraktion durch besondere Kompetenz und gute Konzepte bei der Bewältigung der drohenden Einsparungsmaßnahmen im Bezirk aufgefallen ist", sagte CDU-Fraktionschef Jörg Frommann. Außerdem verfüge Günther über umfangreiche Verwaltungserfahrung und kenne sich in der Führung eines "großen Personalkörpers" aus. Das hört Rüdiger Günther gerne. Der Jurist sieht es "als Herausforderung" an, heute gegen Andy Grote anzutreten: "Ich bin eine bewusste Alternative zu Herrn Grote. Meine Verwaltungserfahrung und vor allem meine politische Neutralität sprechen für mich", sagte Günther. Die Themen "sinnvolle Einsparungen im Bezirk" und ein besonderes Augenmerk auf die Arbeit des Jugendamts stünden ganz oben auf seiner Liste.

Das gilt auch für Andy Grote: "Hamburg-Mitte muss ein guter und sicherer Ort zum Aufwachsen für Kinder sein", sagte Grote. Die Strukturen in der Kinder- und Jugendhilfe beziehungsweise die Arbeitsweise des bezirklichen Jugendamts müssten gründlich überprüft und neu ausgerichtet werden. Denn für Grote steht fest: "Nach dem Tod von zwei Kindern (Anm. d. Red. Chantal und 2009 Lara Mia) müssen wir alles in unserer Macht stehende tun, um zu verhindern, das Kinder unter dem Schutz des Jugendamts zu Schaden kommen."

Außerdem will Grote die Lebensqualität in Stadtteilen wie Billstedt, Horn oder Wilhelmsburg steigern: "In diesen Stadtteilen leben die meisten Menschen in Mitte, aber trotzdem werden sie häufig noch nicht als attraktive Wohnquartiere wahrgenommen." Insgesamt müssten für die Zeit nach der Internationalen Bauausstellung (IBA) und der Internationalen Gartenschau (igs) für Wilhelmsburg nachhaltige Entwicklungsziele formuliert und verfolgt werden.

Weitere Schwerpunkte für Grote sind, "ausreichenden und bezahlbaren Wohnraum für einen wachsenden Bezirk zu schaffen". Außerdem ist Grote wichtig, dass die Bezirke trotz Schuldenbremse leistungs- und gestaltungsfähig bleiben.

Jetzt muss es nur noch mit der Wahl klappen. Die Unterstützung aus den eigenen Reihen ist ihm sicher. SPD-Fraktionschef Falko Droßmann spricht von einem "absoluten Wunschkandidaten mit Verwaltungskompetenz und einem guten Draht zu den Bürgern". Lob kommt auch von Vorgänger Schreiber: "Ich halte Andy Grote für meinen idealen Nachfolger."