Vorfahrt für die Radfahrer?

Alsterkrugchaussee soll verengt werden, Langenhorner Chaussee könnte folgen

Langenhorn. Was wird aus der Langenhorner Chaussee? Auf Hamburgs gefährlichster Straße ereignen sich pro Jahr laut Polizei rund 400 Unfälle. Da 80 Prozent der Radwege in einem maroden Zustand sind, besteht dringender Handlungsbedarf (das Abendblatt berichtete). Die zuständige Wirtschaftsbehörde betonte gestern, man sei sich der Problematik bewusst. "Wir bewegen das Thema intensiv. In der nächsten Sitzung der Projektgruppe Radfahrstreifen wird die Langenhorner Chaussee besprochen."

Die GAL schlägt vor, die Hauptverkehrsstraße mit zwei überbreiten Fahrspuren, die oft vierspurig und von bis zu 38 000 Autos pro Tag genutzt wird, auf zwei Spuren zurückzubauen und die Radwege auf die Straße zu verlegen.

Bezirksamtschef Harald Rösler will der Behörde vorschlagen, noch in diesem Jahr die Radwege im Süden, zwischen Sengelmannstraße und Erdkampsweg, auf die Fahrbahn zu verlegen. Thomas Domres, SPD-Chef im Bezirk Nord, hält den Vorschlag für vernünftig: "Eine Verlegung der Radwege in der Alsterkrugchaussee auf die Fahrbahn hat den Vorteil, dass dort das Verkehrsaufkommen geringer ist als weiter im Norden auf der Langenhorner Chaussee." Dort müsse man abwarten, wie sich das Verkehrsaufkommen nach der Fertigstellung des neuen Knotenpunktes an der Segeberger Chaussee Anfang 2013 mit einem Tunnel in Nord-Süd-Richtung und einem Kreisel für den Ost-West-Verkehr verändert.

Auch die CDU weiß um die Problematik. "Wir haben in unserer Regierungszeit durch die Schaffung der Ortsumgehung Fuhlsbüttel die Langenhorner Chaussee schon deutlich entlasten können", sagt Christoph Ploß, verkehrspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion Nord. "Um die Zahl der Unfälle dort weiter zu reduzieren, werden wir in Kürze ein Maßnahmenpaket vorlegen. Ein Rückbau zur Einspurigkeit wäre aber der völlig falsche Ansatz, da sich dadurch der Verkehr in die Nebenstraßen verlagern und die Wohngegenden belasten würde."

Die Grünen wollen die Bürger vor Ort zukünftig stärker in die Verkehrsplanungen einbinden - und starten in Langenhorn. Am 11. April findet dort die erste von insgesamt 14 sogenannten querDENKfabriken statt. Titel: "Rennstrecke Langenhorner Chaussee - was läuft verkehrt?"

Auf einem interaktiven Stadtplan auf der Website www.beweg-die-stadt.de kann jeder die Verkehrsprobleme vor seiner Haustür oder im Stadtteil eintragen. "Kluge Ideen sollen zu konkreter Politik werden", sagt Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der GAL, zu dem neuen Mitmachprojekt. "Verkehr ist wie das Wetter. Jeder ist betroffen und kann mitreden. Denn jeder ist ein Experte vor Ort. Wir wollen unser verkehrspolitisches Programm komplett neu aufstellen. Wir wollen zuhören, wo die Probleme liegen, und den Bürgern nicht einfach fertige Lösungen präsentieren."