Bezirksamtschef Schreiber muss sich immer wieder korrigieren

Hamburg. Immer wieder ist Markus Schreiber (SPD), Leiter des Bezirksamts Mitte, seit Bekanntwerden des Methadon-Todes der elfjährigen Chantal mit unbedachten Äußerungen aufgefallen. Ohne Not hat er sich selbst in Bedrängnis gebracht und musste sich anschließend korrigieren.

Auch im Rathaus gibt es über Schreibers Äußerungen Kopfschütteln, zumal er selbst ihm zugewandte Entscheider damit verärgert. So sagte Schreiber Anfang vergangener Woche auf NDR 90,3: "Wir achten aufs Kindeswohl, und das Kindeswohl war nicht gefährdet. Sondern im Gegenteil, dem Kind ging es gut, bis zuletzt. Jetzt ist es tot, das ist tragisch. Aber bis dahin ging's dem Kind gut." Damit wollte er sich schützend vor seine Mitarbeiter im Jugendamt stellen. Nach öffentlicher Empörung gab er Fehler seiner Mitarbeiter zu. Später ließ der Bezirksamtsleiter wissen, dass er sich bei seiner Aussage auf Informationen seiner inzwischen abgesetzten Jugendamtsleiterin Pia Wolters verlassen hatte.

Schreiber ließ über seinen Sprecher Lars Schmidt-von Koss verbreiten, Chantal habe sich ihre Pflegefamilie selber ausgesucht. Richtig ist, dass das damals acht Jahre alte Mädchen regelmäßig bei seinen späteren Pflegeeltern zu Gast gewesen war. Kinder können sich ihre Pflegefamilien allerdings nicht aussuchen. Die Entscheidung darüber wird stets im Jugendamt getroffen.

Schreiber beklagte sich im Abendblatt darüber, dass er weder von Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) noch von dessen Vorgänger Dietrich Wersich (CDU) Unterstützung erhalten habe, seine Jugendamtsleiterin, von der er sich bereits seit 2009 trennen wollte, zu versetzen. Am Dienstag wurde Sozialsenator Scheele im Familienausschuss darauf angesprochen. Er sagte das Gegenteil. Über die Personalie Pia Wolters sei erst im Zusammenhang mit dem Fall Chantal gesprochen worden.

( (HA) )