Schlechte Noten für Hamburgs Lehrer in Sachen Demokratie

Hamburgs Ombudsfrau für Schülervertretungen hat zu ihrem Abschied den Lehrern in Sachen Demokratie in der Schule eine schallende Ohrfeige verabreicht: "60 Prozent der Konflikte zwischen Schülern und Lehrern wären unnötig, wenn Lehrkräfte und Schulleiter das Schulgesetz ernst nehmen würden", sagte Barbara Beutner im Bericht über ihre Arbeit in den vergangenen zehn Jahren.

Die Missachtung des Mitsprache- und Mitwirkungsrechts der Schüler führe dazu, dass sich Schüler ohnmächtig fühlten, sich aus Konflikten mit Lehrern aus Angst vor schlechten Zensuren zurückzögen und sich wort- und widerstandslos in Machtstrukturen einfügten. "Das ist mir bitter aufgestoßen und widerspricht unserem demokratischen Grundverständnis, insbesondere vor dem Hintergrund der deutschen, unrühmlichen Vergangenheit."

Als Ombudsfrau für Schülervertretungen war Barbara Beutner seit März 1999 ehrenamtliche, unparteiische Schiedsfrau in Konfliktfällen zwischen Hamburgs Schülern und Lehrern. Als Ombudsfrau habe sie allein im März 2008 knapp 70 Hilfeanfragen von Schülervertretungen und 184 Anfragen von einzelnen Schülern erhalten. 23-mal hätten sich Eltern gemeldet, um sich bei Konflikten mit Lehrkräften oder Schulleitungen beraten zu lassen. Katrin Blümel von der Lehrerkammer: "Wir müssen diese Missstände dringend in den Griff kriegen."

Barbara Beutner hat ihr Ehrenamt an den Ex-Elternkammervorsitzenden Holger Gisch abgegeben: "Die Bestärkung und Motivation zur Schülerbeteiligung durch Lehrkräfte und Schulleitungen muss ins Blickfeld der Arbeit rücken", so Beutner zum Nachfolger. "Da hast du einiges zu tun."