Kommentar: Röder-Rücktritt

Mehr Respekt beim Spiel um die Macht

Zunächst die gute Nachricht: Berndt Röder hat mit seinem letztlich zügigen Rücktritt vom Amt des Bürgerschaftspräsidenten verhindert, dass aus der sogenannten Glatteis-Affäre eine Vertrauenskrise der Bürgerschaft wird. Dafür verdient der Mann Respekt, auch wenn er zu diesem Schritt von Parteifreunden offenbar nachhaltig ermuntert werden musste.

Der Fall Röder hinterlässt einen schalen Beigeschmack. Einmal wegen der Tatsache, dass der Mann überhaupt auf die Idee kam, sich seine Wohnstraße von der Stadtreinigung frei schippen zu lassen, während Tausende Hamburger schlitterten und stürzten. Ein klarer Fall von Amtsmissbrauch.

Er wirft aber auch ein grelles Licht auf die unappetitlichen Seiten der Parteiendemokratie, hier der CDU. Die Unions-Granden dachten nämlich zunächst an Schadensbegrenzung, das heißt: an sich selber. Weil ein Röder-Rücktritt das fein austarierte Gleichgewicht zwischen den CDU-Kreisverbänden in Unordnung bringen konnte, setzte statt Aufklärungsarbeit ein Postengeschacher ein. Fraktionschef Schira wollte mit einer Personal-Rochade seine Position im Rennen um die Nachfolge von Parteichef Freytag ausbauen. Als dieser und Innensenator Ahlhaus den Coup witterten, zog Schira zurück, Röder durfte bleiben. Erst als der öffentliche Druck, auch durch diese Zeitung, zu groß wurde, wurden Freytag und Ahlhaus aktiv - und Röder musste weg.

Den Respekt, den die Parteihierarchen jetzt Röder zollen, kann man getrost unter einer höheren Form von Heuchelei rubrizieren. Es ging nicht um Hamburgs höchstes Repräsentationsamt, sondern um Macht. Dem Ansehen der Demokratie nützt das nicht.