Wandsbek: Protest gegen Suchthilfeprojekt

Drogenklinik: Jaschke will vermitteln

Ehemals Süchtige sollen auf das Leben nach der Therapie vorbereitet werden. Weihbischof möchte den Konflikt lösen.

Jetzt greift Weihbischof Hans-Jochen Jaschke in den Streit um die Ansiedlung einer Fachklinik für abstinente Drogenabhängige in Wandsbek ein. "Selbstverständlich muss die Kirche die Sorge und Nachsorge für Suchtkranke unterstützen", sagte Jaschke dem Abendblatt. Der katholische Caritasverband, so der Geistliche, biete sich "für eine emotionsfreie Moderation vor Ort" an.

Die scheint auch nötig zu sein, denn in Wandsbek schlagen die Wogen der Emotionen derzeit hoch. Der Verein Jugendhilfe will im ehemaligen Polizeikrankenhaus an der Witthöftstraße und in einem Neubau eine Fachklinik mit 44 Betten für abstinente Suchtkranke einrichten. In einem Nachbargebäude soll eine "Clean WG" entstehen, in der die Menschen auf ein selbstständiges Leben vorbereitet werden sollen.

Die Schulleiter der katholischen Schule St. Joseph sowie des Matthias-Claudius- und des Charlotte-Paulsen-Gymnasiums hatten gegen den Plan scharf protestiert. Die Pädagogen warnten vor "Spritzen in den Gärten und auf der Straße" sowie Dealer, "die sich in den Schülerschaften neue Märkte erschließen" wollten. Nach Angaben des Vereins Jugendhilfe ist die Voraussetzung für eine Unterbringung in der Klinik, dass die Patienten keine Junkies mehr sind, sondern "clean".

Jaschke will nun auf die katholische Schule und die Kirchengemeinde einwirken. "Ich setze darauf, dass die Beteiligten vor Ort die Situation verantwortlich klären", sagte Jaschke. Er könne nicht beurteilen, ob der Standort der richtige sei oder es auch geeignete Alternativen gebe. "Der Kirchengemeinde steht es gut an, Frieden stiftend zu wirken und für einen Ausgleich einzutreten", so der Weihbischof.

Auch in der Schulbehörde wird wegen der beiden staatlichen Gymnasien über den Fall nachgedacht. "Die Behörde wird das Gespräch mit den beiden Schulen suchen mit dem Ziel, den Konflikt zu lösen", sagte Behördensprecherin Brigitte Köhnlein.

Sozial- und Gesundheitssenator Dietrich Wersich (CDU) hatte der Brief der Schulen empört. "Hinter dem Protest stehen echte Vorurteile", sagte der Senator. "Es kommen dort keine Menschen hin, die an der Nadel hängen." Mit der Einstellung, die hinter dem Protest stehe, würden bald auch alte und behinderte Menschen aus der Mitte der Gesellschaft gedrängt.

Wersichs Wandsbeker Parteifreunde in der Bezirksversammlung sehen die Sache anders. "Wir stehen dem Projekt nicht besonders positiv gegenüber", sagte CDU-Fraktionschef Eckard Graage. Die Wandsbeker CDU wolle "nichts gegen die Bürger machen". Die Bürgerschaft hat für Bau und Umbau der Gebäude an der Witthöftstraße vier Millionen Euro aus dem Konjunkturprogramm bewilligt.