Die Hamburger CDU-Politiker Dirk Fischer, 68, und Jürgen Klimke, 63, wollen wieder nach Berlin und lösen einen Machtkampf aus.

Hamburg. Die Entscheidung hat Jürgen Klimke (CDU) so gut wie allein getroffen. Die Ortsvorsitzenden seines Kreisverbandes in Wandsbek hatte er über seine frühe Ankündigung, erneut für den Bundestag kandidieren zu wollen, nicht informiert. Auch der gerade erst wiedergewählte CDU-Kreischef Frank Schira war überrascht, als er von den Plänen seines Parteifreundes erfuhr. "Ich nehme das interessiert zur Kenntnis", sagte Schira, der seinerseits große Ambitionen auf einen Sitz im Bundestag hegt. Über die Informationspolitik Klimkes zeigte er sich darüber hinaus irritiert. "Wir werden Personalentscheidungen in Bezug auf die Bundestagswahl im Frühjahr treffen und diese zuerst mit den Parteifreunden besprechen."

Klimke selbst sagte, dass er lediglich wahrheitsgemäß auf die Frage, ob er noch einmal kandidieren wolle, geantwortet habe. "Ich wollte keine taktische Antwort geben", sagt er. Die hätte in etwa lauten können: "Dazu mache ich mir erst im Herbst Gedanken." Er verspüre dazu auch einen gewissen "Verteidigungswillen", schließlich habe er bei der Bundestagswahl 2009 das Direktmandat geholt.

Machtkampf in Hamburger CDU ausgebrochen

Dass das im kommenden Jahr auch gelingt, ist bei den jetzigen Umfragewerten nicht sehr wahrscheinlich. Vor drei Jahren noch lagen die Hamburger Christdemokraten erstmals vor der SPD bei einer Bundestagswahl. So verlor der damalige SPD-Chef Ingo Egloff sein Direktmandat an Klimke. Rüdiger Kruse profitierte in Eimsbüttel von dem Streit zwischen den SPDler Nils Annen und Danial Ilkhanipour. Und Christian Carstensen verlor sein Direktmandat in Nord an Dirk Fischer.

Letzterer sitzt seit 1980 für die CDU im Bundestag, und es war ausgemachte Sache, dass er im kommenden Jahr seinen Platz für Christoph Ahlhaus frei machen würde. Doch der musste seine Ambitionen auf eine Kandidatur nach dem Ermittlungsverfahren gegen sich fallen lassen. Ein Ersatz vom Format von Ahlhaus war nicht in Sicht. Es war von einem "drohenden Vakuum" die Rede. Und so entschied Fischer am selben Tag wie Klimke bekannt zu geben, dass auch er gedenke, erneut für den Bundestag zu kandidieren. Er wolle sich aber weiter nicht dazu äußern. Er habe, wie Jürgen Klimke auch, lediglich auf die Frage nach einer Kandidatur geantwortet. Eine Personaldebatte wolle er nun nicht führen, sagte er, obwohl er diese mit seiner Ankündigung längst losgetreten hat.

Parteichef Marcus Weinberg wusste bereits länger von dem Entschluss. Dass rund um die Direktkandidaturen ein knallharter Machtkampf entbrannt ist, nimmt er zumindest nach außen hin locker. "Ich bin völlig entspannt", sagt Weinberg, dessen Wiedereinzug in den Bundestag als sicher gelten dürfte. Außerdem stehe zunächst nicht die Kandidatenkür für die Wahl 2013 an, sondern die Landesvorstandswahlen im kommenden Monat. "Mit den Kandidaten für die Bundestagswahl sollte sich die Partei im Frühjahr beschäftigen", sagte Weinberg. (sba)