Hockey

Nächstes Ziel ist die Aufstiegsrunde

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Markus Steinbrück
Diese Mannschaft hat und macht Spaß. Trotz Trainingspause kamen jetzt 19 Hockeyspielerinnen der TG Heimfeld zum freiwilligen Techniktraining in zwei Zehnergruppen. In der Mitte steht Trainer Dennis Sievert.

Diese Mannschaft hat und macht Spaß. Trotz Trainingspause kamen jetzt 19 Hockeyspielerinnen der TG Heimfeld zum freiwilligen Techniktraining in zwei Zehnergruppen. In der Mitte steht Trainer Dennis Sievert.

Foto: Markus Steinbrück / HA

Trotz offizieller Trainingspause treffen sich die Hockeyspielerinnen der TG Heimfeld zum freiwilligen Techniktraining.

Heimfeld.  Bis zum 19. Juli legen die Hockeyspielerinnen der TG Heimfeld eine Trainingspause ein – offiziell. Vollkommen freiwillig, so berichtet Trainer Dennis Sievert, ist das Techniktraining, das er einmal wöchentlich anbietet. Wer nun aber meint, es verlören sich einige wenige Spielerinnen auf dem Kunstrasenplatz am Waldschlößchen, liegt falsch. Es sagt eine Menge über die Motivation und die Hockeybegeisterung in Heimfeld aus, dass 19 junge Frauen zur jüngsten Technikeinheit kamen. Gute Laune inklusive.

Dabei hat die Mannschaft, die in der 2. Bundesliga Nord spielt, eine Zeit hinter sich, die allein schon beim Erzählen anstrengend klingt. Um Punkte gespielt haben die Schützlinge von Trainer Dennis Sievert seit dem Abschluss der Hallensaison Ende Februar nicht mehr. Die Regionalliga Nord schloss die TG Heimfeld als Tabellendritter ab. Mitte März hatte das Team gerade mit der Vorbereitung auf die Rückrunde in der 2. Feldhockey-Bundesliga 2019/2020 begonnen, da kamen das Coronavirus und der Lockdown. An ein Training am Waldschlößchen war nicht zu denken.

Da sollte sich bezahlt machen, dass Trainerteam und Spielerinnen in der Vergangenheit Erfahrungen mit der Online-Kommunikation gesammelt hatten. „Hauptsächlich Spielanalysen machen wir über diese Schiene“, sagt der 32 Jahre alte Trainer. Jetzt traf man sich vor dem heimischen Laptop, um dreimal pro Woche Athletikeinheiten durchzuführen.

„Ich habe extra einen Beamer angeschlossen“, erzählt Sievert. Ein großer Bildschirm war auch vonnöten, um bis zu 35 Teilnehmerinnen im Blick zu behalten. Über die Athletik hinaus ging jede Spielerin dreimal pro Woche laufen, dokumentiert von einer Lauf-App. Und damit das Gefühl für den Hockeyschläger und den Ball nicht vollends verloren geht, dachte sich Co-Trainer Andreas Knutzen kleine Technikübungen aus, die die Spielerinnen auf dem heimischen Teppich ausführen konnten. „Das Team ist so fit wie noch nie“, sagte Dennis Sievert.

Training unter strengen Hygieneregeln

Trotzdem waren alle froh, als von Mitte Mai an wieder ein Präsenz-Techniktraining in Kleingruppen unter strengen Regeln möglich war. „In dieser Zeit haben wir an Dingen gearbeitet, zu denen man sonst keine Zeit hat“, so Sievert und meint konkret Torschuss, Passspiel und Dribbling. Freilich ohne Gegnerkontakt, der in Hamburg erst seit 1. Juli innerhalb von Kleingruppen von maximal zehn Akteuren wieder erlaubt ist.

Und wie geht es mit der Feldsaison weiter? Im September und Oktober vergangenen Jahres spielten die zehn Vereine der Nord-Staffel der 2. Bundesliga eine komplette Hinrunde. Die TG Heimfeld steht nach neun Spielen auf dem sechsten Platz. Die für April, Mai und Juni geplante Rückrunde fiel aus. Die Vereinsvertreter der 1. und 2. Bundesligen haben nach langen Diskussionen eine Regelung gefunden, die auch für andere Sportarten als Vorbild dienen könnte. Demnach werden alle Punkte aus der abgeschlossenen Hinrunde als Basis für zwei weitere Spielrunden mitgenommen, die im Herbst 2020 und Frühjahr 2021 durchgeführt werden.

Unter dem Strich also keine normale Hin- und Rückrunde, sondern eine Dreierrunde. Im Anschluss, also mit Beginn der Feldsaison 2021/2022, müsste der normale Saisonrhythmus wieder erreicht sein. „Wir wollten das Ergebnis der Hinrunde wertschätzen und die Punkte mitnehmen“, sagt Dennis Sievert. Und bezogen auf seinen Verein: „Für unsere Verhältnisse haben wir eine tolle Hinrunde gespielt.“ Bis sich die Vereine geeinigt hatten, waren allerdings drei Online-Diskussionsrunden mit jeweils bis zu 100 Vereinsvertretern notwendig.

Neun Neuzugänge müssen integriert werden

Eine Besonderheit gibt es doch. Nach der beschriebenen Hin- und Rückrunde wird die Nord-Staffel der 2. Damen-Bundesliga in zwei Gruppen aufgeteilt. Die ersten fünf der Tabelle spielen um Meisterschaft und Aufstieg, die Clubs auf den Rängen sechs bis zehn gegen den Abstieg. Heimfeld hatte sich gegen diesen Modus ausgesprochen. „Wenn wir Sechster bleiben, müssen wir nur gegen Clubs von unten spielen. Daher ist unser Ziel für die Rückrunde ganz klar, noch Fünfter zu werden“, sagt Dennis Sievert. Gelingt es tatsächlich, einen Punkt Rückstand auf den Crefelder HTC wettzumachen, würde die Damenmannschaft der TG Heimfeld das beste Ergebnis der Vereinsgeschichte erreichen. Die ersten Punktspiele auf dem Feld sollen am ersten September-Wochenende ausgetragen werden.

Bis dahin ist es die Aufgabe des Trainerteams, die bislang neun Neuzugänge in den insgesamt 35 Frauen umfassenden Kader zu integrieren. Im Vergleich zu den letzten Feldspielen im Oktober sind Ella Held, Henriette Nesemann, Wenke Hofmeister (alle eigene Jugend), Franziska Hansen (THC Münster), Jana Sprengel (Harvestehude), Karlotta Düring (Großflottbek), Lena Hauchwitz (zurück aus Australien), Janne Jungenkrüger (zurück nach Studium) und Luisina Amelia Jaimes (Argentinien) neu im Team. Nicht mehr dabei ist Naja Neumann, die zum Club zur Vahr nach Bremen gewechselt ist.

Ein auf den ersten Blick riesiger Kader, von dem elf Spielerinnen gleichzeitig auf dem Feld stehen und 17 auf dem Spielberichtsbogen eingetragen werden können. Die zehn Jugendlichen dürfen auch in den TGH-Nachwuchsteams eingesetzt werden, dazu gibt es einen engen Austausch mit der zweiten Damen. Es ist Aufgabe des Trainers, trotz des gesundes Konkurrenzkampfes alle Spielerinnen bei Laune zu halten. Diese Moderation sei eine seiner Stärken, sagt Dennis Sievert über sich selbst. Als Schwäche bezeichnet er es, manches Mal zu ehrgeizig zu sein. In der Summe scheint die Mischung zu stimmen, sonst wäre die Beteiligung am freiwilligen Training ganz sicher nicht so hoch.

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