Harburg
Im Zeichen von Corona

Fußballtrainer zwischen Hoffen und Bangen

Der Trainer des TSV Elstorf, Hartmut Mattfeldt, möchte mit seiner Mannschaft gern aufsteigen.

Der Trainer des TSV Elstorf, Hartmut Mattfeldt, möchte mit seiner Mannschaft gern aufsteigen.

Foto: Karsten Schaar

Der TSV Elstorf ist souveräner Tabellenführer der Bezirksliga zwei. Darf er auch aufsteigen? Ein Gespräch mit Trainer Hartmut Mattfeldt.

Elstorf.  Wieder ist ein Wochenende ohne Fußball vorbei. Und wer weiß, wie viele noch folgen werden. Vergangene Woche hat der Niedersächsische Fußball-Verband (NFV) seine Generalabsage wegen der Coronavirus-Pandemie bis zum 19. April verlängert. Vier Wochen lang ruht der Amateurfußball in ganz Norddeutschland also mindestens noch. Die Hoffnung, die laufende Saison noch zu Ende spielen zu können, wird für die Vereine immer geringer. Immer wahrscheinlicher wird dagegen ein vorzeitiger Abbruch der Fußballsaison 2019/2020. Andere Sportverbände haben die Saison längst für beendet erklärt. Welche Folgen ein vorzeitiges Saisonende für die einzelnen Mannschaften haben würde, ist nicht abzusehen.

Fußballtrainer Hartmut Mattfeldt vom Bezirksligisten TSV Elstorf gehört jedenfalls zu jenen Optimisten, die noch hoffen, dass die aktuelle Fußballsaison vielleicht doch zu Ende geführt werden kann. Zumal der europäische Fußball-Verband UEFA entschieden hat, die im Juni und Juli 2020 vorgesehene Europameisterschaft um ein Jahr zu verschieben und erst 2021 auszutragen. „Dadurch haben wir Zeit gewonnen“, sagt Mattfeldt. „Warum sollen wir in allen Fußballligen nicht auch im Sommer spielen?“, stellt er die zumindest theoretische Möglichkeit einer Verlängerung der Spielserie bis in die eigentliche Sommerpause als Frage in den Raum.

Dabei ist auch der Wunsch der Vater des Gedankens. Denn Hartmut Mattfeldt muss schließlich befürchten, dass ihm und seinem TSV Elstorf ein zweites Mal in Folge der Aufstieg in die Landesliga Lüneburg vermasselt wird. In der vergangenen Spielzeit war es ein einziger Punkt zu wenig, um zum ersten Mal überhaupt in die Landesliga aufzusteigen. „Herbstmeister“ waren die Fußballer aus Elstorf gewesen, elfmal die Nummer eins in der Tabelle der Bezirksliga zwei, die letzten acht Spieltage rangierten sie allerdings schon auf Platz zwei. Der Meister und Aufsteiger VfL Westercelle hatte die Nase nur deshalb vorn, weil der Mannschaft nach einem verlorenen Spiel am ersten Spieltag drei Punkte nachträglich „am grünen Tisch“ zugesprochen worden waren.

Ein Nichtaufstieg hätte tragische Züge

Der Gegner, die SG Scharmbeck-Pattensen, hatte einen nicht spielberechtigten Akteur eingesetzt. Rein sportlich betrachtet hätte der Aufsteiger im Sommer 2019 TSV Elstorf heißen müssen. Es hätte also durchaus tragische Züge, sollte der TSV ein Jahr später an einem Virus scheitern und wieder nicht in die Landesliga aufsteigen. „Der Aufstieg wäre der größte Erfolg in unserer Vereinsgeschichte“, sagte Hartmut Mattfeldt, der aber ebenso wenig wie alle anderen weiß, wie gegebenenfalls die Auf- und Abstiegsfrage entschieden wird. Und ob es überhaupt Auf- und Absteiger geben wird. Geregelt sei der Fall einer „abgebrochenen Saison“ in den Durchführungsbestimmungen nicht.

Am gerechtesten fände es der Trainer, in diesem Fall die Tabellensituation zum Ende der Hinrunde heranzuziehen. „Dann fließen alle Ergebnisse aus einmal Jeder-gegen-Jeden in die Wertung ein,“ begründet der 59 Jahre alte Fußballtrainer seine Auffassung, dessen Mannschaft die Tabelle derzeit mit sieben Punkten Vorsprung anführt und auch am Ende der ersten Halbserie Spitzenreiter war. „Absteiger sollte es unter solchen Umständen gar keine geben, stattdessen sollten die Ligen aufgestockt werden“, empfiehlt Hartmut Mattfeldt. In der darauf folgenden Saison könne man die Ligen ja wieder auf ihre Sollstärken zurückführen.

Sportbetrieb ist völlig zum Erliegen gekommen

Als ungerecht empfände es Mattfeldt, wenn seine Mannschaft als souveräner Tabellenführer durch die Pandemie um die Chance des Aufstiegs gebracht würde. „Auch wenn wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt natürlich die Meisterschaft noch lange nicht für uns reklamieren können“, weiß Mattfeldt am besten, dass es sportlich noch ein langer Weg bis zum Titelgewinn wäre. Schließlich seien es nur sieben Punkte Vorsprung und nicht 25 Zähler, wie etwa beim FC Liverpool in der englischen Premier League. Natürlich weiß Hartmut Mattfeldt, der als Personalreferent in einem Hamburger Speditionsunternehmen tätig ist, dass es angesichts der globalen Bedrohung durch das Coronavirus wichtigere Probleme gibt, als die Sorgen und Nöte eines Fußballtrainers in Elstorf. „Wir können ja ohnehin nur hoffen und alles Erdenkliche dazu beitragen, dass die Infektionskurve möglichst flach verläuft, aber darüber hinaus selbst nur wenig machen.“

Der Sportbetrieb beim TSV Elstorf ist wie bei allen anderen Sportvereinen ohnehin völlig zum Erliegen gekommen. Die Fußballer haben individuelle Vorgaben erhalten, sich fit zu halten. Coach Mattfeldt selbst, der in seiner Freizeit fast ständig in Elstorf oder auf irgendeinem anderen Fußballplatz in der Region anzutreffen war, könne speziell mit den fußballfreien Wochenenden wenig anfangen.

Für die kommende Saison hat der Erfolgstrainer, der die Erste Herren seit seinem Amtsantritt 2015 von einem Kreisligisten zum Spitzenteam der Bezirksliga formte, bereits zugesagt. „Es läuft super hier. Nach Platz sieben, dann Rang zwei und jetzt der Spitzenposition in der Bezirksliga werden wir auf jeden Fall an unserem Ziel Aufstieg in die Landesliga festhalten“, sagt Hartmut Mattfeldt. Wenn nicht in diesem Jahr, dann eben im nächsten.