Harburg
Ju-Jutsu

Sergej Balbuzki ist Deutschlands Nummer 1

Sergej Balbuzki vom TuS Finkenwerder (rechts) im Kampf mit einem Konkurrenten. 

Sergej Balbuzki vom TuS Finkenwerder (rechts) im Kampf mit einem Konkurrenten. 

Foto: Joerg Eschenfelder

Der Kämpfer vom TuS Finkenwerder hat mit der Mannschaft in Abu Dhabi sogar die Vizeweltmeisterschaft gewonnen.

Finkenwerder.  Die Erfolgsbilanz von Sergej Balbuzki beeindruckt. Der Ju-Jutsu-Kämpfer des TuS Finkenwerder kann mit 25 Jahren bereits auf einen Titel bei der sowie fünf Deutsche Meistertitel in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm zurückblicken. Am vergangenen Wochenende ging die Weltmeisterschaft in Abu Dhabi zu Ende. Balbuzki gewann im Mannschaftswettkampf den Vize-Weltmeistertitel, im Einzelwettkampf erreichte er den neunten Platz. „Als Team haben wir gegen Frankreich nur sehr knapp verloren. In der Weltspitze sind fast alle Kämpfer auf Augenhöhe“, sagt Balbuzki.

Seit mehr als zehn Jahren kämpft er für den TuS Finkenwerder. Der Grund dafür sei sein Trainer Claus Behm. „Seit ich in Finkenwerder bin, habe ich nie daran gedacht, den Verein zu wechseln. Claus ist für mich der beste Trainer Hamburgs, an ihn kommt keiner ran. Wenn er nicht geht, gehe ich auch nicht“, schwärmt Balbuzki. Neben seinem Sport studiert der in Rellingen lebende Balbuzki per dualem Fernstudium Fitnesswissenschaften. Bei seinem Arbeitgeber, einer Kampfsportschule, unterrichtet er zudem junge Ju-Jutsu-Kämpfer.

Die Sportart vereint Elemente aus Karate, Judo und dem Bodenkampf. „Mich fasziniert das Gesamtpaket der Sportart. Außerdem gibt es durch ein rein auf Punkte ausgelegtes Wertungssystem kaum schwere Verletzungen“, erläutert er. Bis zu zwei Mal täglich trainiert der 25-Jährige. „Ich würde gerne noch mehr machen, leider fehlt dafür die Zeit. Trotzdem unterstützt mich mein Arbeitgeber sehr, wenn es darum geht meine festen Trainingszeiten einzuhalten. Dazu kommen dann noch die Trainingslager an den Wochenenden.“

Die Eltern schickten ihn zum Training

Bereits im Alter von vier Jahren hat er mit Ju-Jutsu begonnen. „Meine Eltern haben mich hingeschickt. Die kommen ursprünglich aus Kasachstan. Mein Vater hat dort früher selber Judo gemacht – also wollte er, dass ich mich auch selber verteidigen kann“, sagt Balbuzki. 19 Jahre später dominiert der 25-Jährige die nationale Ju-Jutsu-Szene offenbar nach Belieben. „Ich würde nicht sagen, dass ich in Deutschland keine Gegner mehr habe. Aktuell bin ich in Deutschland aber die Nummer Eins“, sagt er. Was er mit dem erneuten Gewinn der German Open im Oktober unter Beweis stellte.

Vor den Wettkämpfen, gilt es, „Gewicht zu machen“, wie die Kampfsportler sagen. Über sechs Kilo musste der 25-Jährige in wenigen Wochen verlieren, der Großteil davon ist Wasser. „Gewichtmachen ist ein leidiges Thema im Kampfsport, gehört aber nun mal dazu“, sagt er. Viele Sportler steigen stark dehydriert auf die Waage – mit dem Ziel in einer möglichst kleinen Gewichtsklasse zu kämpfen.

Ärzte sehen diese extreme körperliche Belastung kritisch. Besonders deutlich wird Sergej Balbuzkis Ehrgeiz, wenn er über den neunten Platz bei der Weltmeisterschaft spricht. „Wenn ich nicht Erster werde, bin ich nie zufrieden. Mit meiner Leistung war ich aber einverstanden“, sagt der 25-Jährige.

Die meisten Verletzungen resultieren aus Hebelgriffen

2013 zog sich Balbuzki eine Schultereckgelenksprengung zu, eine Woche vor dem Start der Junioren-Weltmeisterschaft. Für die meisten anderen Sportler wäre eine WM-Teilnahme somit undenkbar. „Ich konnte drei Tage meinen Arm nicht mehr heben. Ich bin aber trotzdem hingefahren und mit ein paar Schmerzmitteln noch Fünfter geworden“, erinnert sich Balbuzki. Unter anderem habe es zur Debatte gestanden, die Schulter vollständig taub zu spritzen – das Verletzungsrisiko erschien den Ärzten jedoch zu groß. „Wenn ich gar nichts mehr gespürt hätte, drohte die Gefahr, dass ich mir noch mehr kaputt mache und ich operiert werden muss. Deshalb sollte ich die Schulter schon noch merken“, erklärt Balbuzki.

Die meisten Verletzungen kämen im Ju-Jutsu durch Hebelgriffe zustande, gebrochene Arme seien jedoch die Ausnahme. „In solchen Hebel-Situationen will natürlich niemand den Punkt verlieren. Also gibt man nicht nach“, erklärt er.

Den Randsportlern fehlen die finanziellen Mittel

Ju-Jutsu-Kämpfer müssen jedoch nicht nur mit schmerzhaften Verletzungen zurechtkommen – durch das Schattendasein als Randsportler fehlen vielen Kämpfern die finanziellen Mittel. Auch Balbuzkis WM-Teilnahme in Abu Dhabi konnte nur mit Zuschüssen der Bezirksversammlung Hamburg Mitte finanziert werden. „In diesem Fall hat mich die Stadt Hamburg sehr unterstützt, so dass ich nichts selber bezahlen musste. Meine Trainer haben mir da sehr geholfen, da bin ich sehr froh drüber“, sagt er.

Grundsätzlich wünscht sich der 25-Jährige jedoch mehr Unterstützung – insbesondere von der deutschen Sportförderung. „Es ist klar, dass ich später als Ju-Jutsu-Trainer nicht genug Geld verdienen kann, um davon zu leben. Trotzdem möchte ich auch nach meiner Karriere weiter im Sportbereich arbeiten“, sagt er.

Neben seinem dualen Studium ist der 25-Jährige bereits lizenzierter Personal Trainer – und zukünftig auf der Suche nach neuen Kunden. „Momentan fehlt mir für das Ganze noch die Zeit. Da investiere ich die Stunde lieber in mein eigenes Training, statt als Personal Trainer zu arbeiten“, sagt Balbuzki. Eine Entscheidung, die ihm womöglich bei der kommenden Weltmeisterschaft zu noch größerem Erfolg verhilft.