Harburg
Darts

Debüt in der Nationalmannschaft

Rico Wengatz (48) vom Dartverein Harburg ist zum ersten Mal für die Steeldarts-Nationalmannschaft nominiert. 

Rico Wengatz (48) vom Dartverein Harburg ist zum ersten Mal für die Steeldarts-Nationalmannschaft nominiert. 

Foto: Maximilian Bronner

Der Dartspieler Rico Wengatz hatte beim Turnier in Luxemburg seinen ersten internationalen Auftritt. Aktuell steht er auf Ranglistenplatz fünf.

Harburg.  „Sportlich hätte es für mich besser laufen können. Ich bin aber auch nicht vollkommen unzufrieden“, sagt Rico Wengatz vom 1. Dartverein Harburg. Am Wochenende debütierte der 48-Jährige für die Steeldarts-Nationalmannschaft bei einem Viernationenturnier der World Darts Federation (WDF) in Luxemburg.

Die aktuelle Nummer fünf der deutschen Rangliste verlor im ersten Spiel gegen den Belgier Roger Janssen klar mit 2:7. Gegen den Niederländer Jeffrey Sparidaans unterlag Wengatz nur knapp mit 4:5. Sowohl Janssen als auch Sparidaans sind internationale Schwergewichte, beide stehen in der Weltrangliste der British Darts Organisation (BDO) unter den Top-30. Erst im dritten Spiel gegen den Luxemburger Daniel Martins Amil konnte Rico Wengatz mit einem 6:3-Erfolg seinen ersten Sieg im Nationaltrikot feiern. „In Deutschland sind wir einfach noch nicht so weit wie die Belgier oder Niederländer. Außerdem habe ich nicht das Niveau gespielt, das ich kann“, sagt Rico Wengatz.

Vor 27 Jahren hat Wengatz mit dem Dartspiel angefangen

27 Jahre ist es mittlerweile her, dass ihn ein Arbeitskollege ansprach. „Früher habe ich immer Handball oder Basketball gespielt. Als ich dann von meinen Arbeitskollegen nach Feierabend mit in eine Kneipe genommen wurde, habe ich Darts kennengelernt“, erinnert sich der gebürtige Berliner. Als er zehn Jahre später nach Hamburg zog, fing Wengatz zunächst mit Electronic Darts (E-Darts) an. „Da ich sehr ehrgeizig bin, ging es für mich im Laufe der Zeit immer weiter nach oben“, sagt der heute 48-Jährige. Rico Wengatz schaffte es 2013 bis zur E-Darts-Weltmeisterschaft in Las Vegas. Mit der Mannschaft wurde er auf Anhieb Vize-Weltmeister. Aufgrund seiner beruflichen Karriere musste Wengatz immer wieder längere Zwangspausen vom Darts-Sport nehmen, zum Profi auf der Bühne der Professional Darts Corporation (PDC) schaffte er es nie. Zu hoch sei der Zeitaufwand, zu stark die internationale Konkurrenz.

Ranglistenpunkte bei Turnieren in ganz Deutschland

Bereits seit mehreren Jahren spielt Wengatz beim 1. DV Harburg Steeldarts – für einen Platz in der Nationalmannschaft fehlten ihm bislang die nötigen Ranglistenpunkte. Diese können Spieler bei diversen Turnieren des Deutschen Dart Verbands (DDV) sammeln. „In der letzten Saison habe ich nur drei Turniere gespielt und bin trotzdem auf Platz 23 der Rangliste gelandet. Für diese Saison hatte ich mir vorgenommen, alle Turniere zu spielen und zu gucken, was am Ende dabei rauskommt“, sagt Rico Wengatz. Es wurde der fünfte Platz, bereits Rang acht hätte für die Nominierung zur Nationalmannschaft gereicht. „Man hat eine ganze Saison lang auf das Ziel hingearbeitet. Dass es jetzt geklappt hat, ist natürlich ein gutes Gefühl“, freut sich der 48-Jährige.

Trotz des Erfolges trainiert Rico Wengatz vergleichsweise wenig. „Es gab mal Zeiten, da habe ich täglich trainiert“, erinnert er sich. Mittlerweile nutze er kleinere Turniere und Punktspiele als Trainingseinheiten. „So spiele ich pro Woche dann nur noch zwei bis drei Mal“, erklärt Wengatz. Ein eigenes Darts-Board besitze er erst gar nicht. „Ohne Gegner kann ich mich nicht so in das Spiel reinsteigern. Wenn ich alleine spiele, fehlt mir einfach der Druck“, sagt der 48-Jährige. Für ihn bedeutet Darts mehr als einen lockeren Zeitvertreib in der Feierabendkneipe. Wengatz braucht den Wettkampf, will so oft wie möglich gewinnen. „Ich war schon immer so ehrgeizig. Erst beim Handball und Basketball, nun beim Darts“, sagt er.

Zwei große Probleme im Amateurbereich seien der hohe Zeitaufwand und die Reisekosten. Während seine Familie das Wochenende genießt, reist Wengatz auf der Jagd nach Ranglistenpunkten durch die gesamte Republik. „Wenn man Glück hat, bekommt man durch die Preisgelder die Fahrt- und Hotelkosten wieder raus“, erklärt er. Gerne hätte Rico Wengatz etwas Unterstützung durch Sponsoren. Doch die zu finden, sei schwierig. Trotz aller Schwierigkeiten sieht er die Zukunft des Sports positiv. „Seitdem auch einige Deutsche auf der PDC-Tour spielen, gibt es einen echten Darts-Hype in Deutschland“, erklärt er. Der Privatsender Sport1 überträgt regelmäßig Turniere, Millionen Deutsche verfolgten Anfang Januar das Finale der Darts-WM live im Fernsehen. „Das tut unserem Sport gut. Es kommen immer mehr Mannschaften und Spieler dazu“, weiß Wengatz.

Starke internationale Konkurrenz

Rico Wengatz hofft nun, beim Vergleich mit der starken internationalen Konkurrenz einen bleibenden Eindruck bei Bundestrainer Axel Krauss hinterlassen zu haben. Momentan schielt er mit einem Auge auf die Nominierung für den WDF World-Cup im rumänischen Cluj-Napako im Oktober. „Für den World-Cup nominiert der Bundestrainer aufgrund seiner persönlichen Einschätzung. Dort zählen nicht nur Ranglistenpunkte. Es geht darum zu zeigen, dass er auf mich setzen kann“, sagt Rico Wengatz. Um dieses Ziel zu erreichen, möchte er in Zukunft häufiger trainieren und verstärkt bei internationalen Turnieren antreten. Auch der deutsche Verband plant, das Training des Nationalkaders zu verstärken, geplant seien Wurfanalysen und Mentaltraining.