Harburg
Darts

Wenn im Jägerhof die Pfeile fliegen

Die "Triple-20" fest im Blick: in Hausbruch gingen jeweils zwei Akteure an 20 Scheiben gleichzeitig an den Start.  

Die "Triple-20" fest im Blick: in Hausbruch gingen jeweils zwei Akteure an 20 Scheiben gleichzeitig an den Start.  

Foto: Maximilian Bronner

Daniel Zygla aus Buxtehude setzt sich im Finale der norddeutschen Darts-Meisterschaft gegen PDC-Profi Mike Holz durch.

Hausbruch.  An Neujahr versenkte der Niederländer Michael van Gerwen seinen Championship-Dart in der „Doppel 16“ – und kürte sich bereits zum dritten Mal zum Darts-Weltmeister. Tausende Fans feierten im Alexandra Palace in London. Der „Ally Pally“, wie ihn die Fans nennen, ist das Mekka des Darts-Sports, tausende Fans jubeln jedes Jahr bei der Weltmeisterschaft den Superstars der Szene zu. In England ist Darts seit Jahrzehnten Volkssport. Auch Millionen Deutsche verfolgten das WM-Finale im Fernsehen, mehr als 20 Prozent der Tickets vor Ort gingen an deutsche Fans.

Dass der Dartsport seit einigen Jahren auch in Deutschland angekommen ist, weiß Andreas Marx (44), Vizepräsident des Landesdartverbandes Hamburg (LDVH). „Seit mehreren Jahren beobachten wir einen Boom in Deutschland.“ In der ersten Januarwoche veranstaltet der LDVH traditionell die norddeutschen Meisterschaften im Steeldarts.

Zeitliche Nähe zur Weltmeisterschaft in London ist gewollt

Auch wenn das Landhaus Jägerhof in Hausbruch nicht an die Dimensionen des legendären „Ally Pally“ herankommt, verbindet beide Orte eine für Dartsspieler fast magische Zahl. Die 180 – drei perfekte Pfeile in die „Triple 20“ sind der Traum eines jeden Spielers. „Bei uns fällt die Zahl natürlich nicht so häufig wie bei der WM. Wir sind schon froh, wenn wir ab und zu die 180 erreichen“, sagt Marx, der in Hausbruch ebenfalls im Herren-Einzel startete. Auf den Trikots der Spieler prangen Namen wie „Stefan Sheriff Krohn“, „Manni dat Mammut“ oder einfach nur „The Bomber“. Jeder kennt sich, das Turnier ist ein großes Wiedersehen der norddeutschen Dart-Szene.

„Wir sind gerade dabei, ein bisschen von der Randsportart wegzukommen. Das Kneipen-Image wird zwar immer bleiben, doch das finde ich gar nicht schlimm. Die Sportart hat ihre Ursprünge nun mal in den Kneipen und das ist auch gut so“, sagt Andreas Marx.

Eingängige Spitznamen wie „Manni dat Mammut“ und „The Bomber“

An insgesamt 20 Scheiben traten die Teilnehmer aus Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Mecklenburg-Vorpommern gleichzeitig gegeneinander an. „Wir rechnen an zwei Tagen mit ungefähr 150 Herren, 40 Damen, 20 Jugendlichen und 20 Mixed-Doppeln, die an den Start gehen“, weiß der LDVH-Vizepräsident. Die Planungen für das Event beginnen jedes Jahr bereits drei Monate vorher. Vom ehemaligen Profi bis zum blutigen Anfänger – in der offenen Startklasse der norddeutschen Meisterschaft konnte sich jeder Spieler anmelden.

„Darts ist faszinierend, weil man sich schon fast meditativ auf das Dartboard einstellt. Bis auf den Pfeil und das Board muss der Kopf vollkommen leer sein. Diese Ruhe kann man am ehesten mit Golf oder Sportschießen vergleichen“, erklärt Andreas Marx. Seit 25 Jahren spielt der gebürtige Kasseler selbst Darts, sein Vater brachte ihm damals eine Darts-Scheibe aus England mit. „Mein Vater war beruflich in England. Damals kannte in Deutschland noch fast niemand die Sportart, heute ist das ganz anders“, sagt er.

Innere Ruhe ist nur mit Golf oder Sportschießen vergleichbar

Auch der Zeitpunkt des Turniers sei nicht ohne Grund gewählt. „Die Darter kennen den Termin für die norddeutsche Meisterschaft. Wir nehmen gern den Schwung des wichtigsten Dartturniers der Profis, der Weltmeisterschaft, mit, um gleich am darauf folgenden Wochenende den norddeutschen Meister zu küren“, erklärt er. So meldeten sich auch viele Spieler erst spontan an.

Unter den vielen Amateuren fand sich auch Profispieler Mike Holz aus der Dartabteilung des Hamburger SV. Der 43 Jahre alte Hamburger startete bereits bei Turnieren der Professional Darts Corporation (PDC). Der einflussreichste Dartverband lockt auf Einladungsevents der PDC-Tour mit mehreren Hunderttausend Euro Preisgeld, über das Fernsehen erreicht die Tour ein Millionenpublikum.

Auch der HSV und FC St. Pauli haben Dartsabteilungen

Nur Daniel Zygla vom Bundesligateam „Area of Darts“ aus Buxtehude konnte Holz in die Schranken weisen. Den dritten Platz teilten sich Hennig Felber (Dartverein Harburg) und Janosch Poggensee (FC St. Pauli Dartpiraten). Bei den Damen siegte Michaela Merseburger aus Lübeck vor Janina Seeger (FC St. Pauli) und Sabrina Hansen (Dartverein Niederelbe).