Harburg
Triathlon

Harburger schafft den Glücksburg-Triathlon

Reiner Wieneke legte 180 Kilometer mit dem Rad zurück und erreichte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 30 km/h

Reiner Wieneke legte 180 Kilometer mit dem Rad zurück und erreichte dabei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp unter 30 km/h

Foto: Marathon Photos

Reiner Wieneke vom HTB braucht für die Ironman-Distanz gemeinsam mit seinen Freunden weniger als zwölf Stunden.

Harburg.  „Alles geben – nichts nehmen!“ Mit diesem Schwur der Anti-Doping-Agentur Nada auf der Brust hatten sich die drei älteren Herren beim populären Triathlon in Glücksburg an der Ostsee auf ihre große sportliche Herausforderung eingestellt: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und zum Abschluss die 42,195 Meter des Marathons.

Akribisch hatten sich Rainer Brase, der Geschäftsführer einer Klinik in Hannover, Jochen Menzel, der Kinderarzt im Ruhestand, und der pensionierte Sportlehrer Reiner Wieneke auf ihren ersten gemeinsamen Staffel-Wettkampf vorbereitet. Reiner Wieneke, vielfacher Hamburger Triathlon-Meister über kurze Distanzen, schildert, wie er früh um 7 Uhr den Start erlebte.

„Die Seebrücke in Glücksburg war schon voller Menschen. Ein Pfarrer hielt eine kurze Andacht. Für die Teilnehmer wurden in Kurzform die Nationalhymnen ihrer Heimatländer gespielt. Ganz Europa war dabei, und selbst die israelische Nationalhymne klang an. Genau eine Minute vor dem Start dann die deutsche Nationalhymne. Jubel und Freude und Fröhlichkeit. Dann wurde heruntergezählt und 700 Schwimmer stürzten sich ins Wasser. Die Ostsee brodelte. Das war ein so emotionales Erlebnis – das vergisst man nie“.

Und Rainer Brase, der Schwimmer des Trios, wird die 3,8 Kilometer durch die Ostsee auch nicht vergessen. Den nassen Auftakt des harten Dreikampfes einen Wettstreit zu nennen, wäre eher eine Verharmlosung. Es ist ein Kampf, ein recht brutaler sogar.

Da wird in den Positionskämpfen auf den ersten Hunderten Metern mit den Ellbogen geschlagen, gezerrt und gedrückt und weggedrängt. In Glücksburg kam noch dazu, dass ein sehr kräftiger Wind Wellen aufpeitschte. Das allerdings war für den ehrgeizigen Klinikchef eher ein Vorteil. Denn der 62-Jährige ist ein erfahrener Langstrecken-Schwimmer.

Und er hatte sich, wie auch die Partner, intensiv vorbereitet. So war Rainer Brase zum letzten Härtetest eine Woche vorher einen Fünf-Kilometer-Wettkampf in der Ostsee und am Sonntag einen über drei Kilometer in einem See geschwommen. „Aber heute, 3,8 Kilometer im Neoprenanzug, und das bei einer Wassertemperatur von 24 Grad“, erzählte Rainer Brase nach einer kalten Dusche, „das war schon brutal.“

Als sich die drei Sportler vor einem halben Jahr zur Staffel verschworen, setzten sie sich ein anspruchsvolles Ziel – gemeinsam elf Stunden für den Dreikampf. Sehr gewagt für Ausdauer-Freaks, die 200 Lebensjahre mit in den Wettkampf nahmen. Der zehrenden Hitze wegen gaben sie sich jetzt eine Stunde dazu.

Rainer Brase verließ die aufgewühlte Ostsee nach 1:23:45 Stunden. In der Wechselzone lauerte Reiner Wieneke mit dem Rennrad. „Für den Wechsel mit der Übergabe des Transponders haben wir eine 1:33 Minuten gebraucht“, sagt er und es klingt stolz. Natürlich hatten die drei Leistungs-Enthusiasten auch das sorgfältig einstudiert.

Die Radstrecke, ein Rundkurs von 30 Kilometern mit langgezogenen Hügeln und kurzen, harten Anstiegen. Also 1260 Höhenmeter Unterschied insgesamt und das sechsmal hintereinander. Auch routinierte Radfahrern graust es bei diesen Zahlen. „Dazu kam ein böiger Gegenwind“, berichtet der 66-Jährige.

„In den ersten vier Runden habe ich einen Schnitt von 30 Kilometer pro Stunde halten können. In der fünften noch 28 km/h. Dann kam die letzte Runde und plötzlich ein gewaltiger Regenguss. Bei jedem Tritt hat das Wasser in den Schuhen gepatscht. Die Oberschenkel haben gebrannt. Und doch wusste ich, dass ich in meiner Zeit bleiben würde, dass sich die monatelange Quälerei auf der Rolle im Keller, mit der ich Tempohärte aufgebaut habe, jetzt auszahlen würde. Es war die Hölle. Aber ich wusste, du stehst sie durch. Du lässt dich nicht unterkriegen. Da war Euphorie in mir. Nie zuvor in meinen vielen Jahren im Sport hatte ich solche Glücksgefühle“.

Nach sechs Stunden, 12 Minuten und 49 Sekunden gab Reiner Wieneke den Stab, also den Transponder, an Marathon-Mann Jochen Menzel weiter.

Der Kinderarzt, der vor zwei Jahrzehnten die Triathlon-Sparte des VfL Jesteburg gegründet hat, hat übrigens als einziger der Drei den Ostsee-Triathlon schon allein durchgestanden. Deshalb war ihm der hügelige, kraftraubenden Rundkurs von 8,44 Kilometern vertraut.

Und unten, im Gedränge auf der Promenade, warteten Rainer Brase und Reiner Wieneke um sein Durchhaltevermögen aufzufrischen. In die letzte Runde begleitete ihn Reiner Wieneke ein paar Meter und klopfte ihm auf die Schulter. „Jochen, du bist noch toll drauf.“

Später dann, auf den letzten 50 Metern, haben sich die drei an den Händen gefasst und sind unter dem Jubel der Zuschauer ins Ziel gestürmt. Dabei hatten Rainer Brase, der Schwimmer, Reiner Wieneke, der Radfahrer und Jochen Menzel, der Läufer die große Uhr fest im Blick. Bei 11:51:54 Stunden blieb sie stehen. Sie hatten ihr ehrgeiziges Ziel von zwölf Stunden unterboten.

Unter den 68 Männerstaffeln erreichten die drei Freunde Platz 48 – was ihre fast 200 Lebensjahren betrifft, war der Vorsprung riesig.

2300 Aktive

Als sich 1984 der Hamburger Triathlonverband gründete, gehörte Reiner Wieneke bereits zu den ersten Mitgliedern. „Wir waren wohl nicht mehr als 20“, erinnert er sich heute. Inzwischen haben sich dem Verband 49 Sparten von Sportvereinen und Betriebssportgruppen angeschlossen. Die offizielle Mitgliederzahl heute: 2300 Aktive.