Harburg
Motorsport

Andreas Steffen lebt seinen Traum

Foto: Hans Kall

47-jähriger Rallycrossfahrer vom Automobilclub Niederelbe wagt 2016 den Sprung in die Königsklasse der SuperCars.

Buxtehude.  Schon allein die vier Oldtimer auf dem liebevoll restaurierten Bauernhof des Altländer Reeders Claus Heinrich hätten alle Aufmerksamkeit verdient gehabt. Diesmal standen die Porsche 918 Spyder und Carrera RS, der Austin Healey 3000 MK III und der Bentley 8,0 Litre de Mans allerdings nicht im Mittelpunkt. Sie lieferten das besondere Ambiente für das „Projekt 2016+“ von Andreas Steffen.

Der Vorsitzende des Automobilclubs Niederelbe (ACN) und leidenschaftliche Rallycross-Fahrer präsentierte Sponsoren, Mitarbeitern, Freunden und der Familie sein neues Renn-­fahrzeug, einen Ford Fiesta ST, mit dem der 47 Jahre alte Buxtehuder in der Saison 2016 bei den SuperCars an den Start gehen wird.

„Auf diesen Tag habe ich lange hingearbeitet“, sagte Steffen, während sein Vater Jürgen und die drei Kinder Lilly, Liza und Janno das Geheimnis lüfteten und den in Rot-Weiß lackierten Wagen enthüllten. „Das Auto ist superschnell“, entlockte der Anblick des 580 PS starken Boliden auch Stades Landrat Michael Roesberg hohe Anerkennung. Genau wie Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt hob der Landrat die Bedeutung des Esterings für den Landkreis Stade hervor. „Buxtehude wird durch Rallycross ein bisschen in die Welt hinaus getragen“, sagte die Bürgermeisterin.

Für Andreas Steffen geht ein Traum in Erfüllung. Der Motorsportler fährt jetzt sozusagen in der Ersten Liga. Schritt für Schritt hat der ehemalige Versicherungskaufmann seinen Motorsporttraum realisiert. Was vor zwölf Jahren auf dem Estering begann, soll nun in der höchsten Klasse den Höhepunkt finden. Andreas Steffen ist ehrgeizig. Auch wenn er das erste Jahr bei den SuperCars vor allem viel lernen will, möchte er den Konkurrenten auch das eine oder andere Mal davonfahren.

Kraft genug hat der Ford Fiesta ST, der mit Allrad ausgestattet ist, 580 PS und fast 900 NM Drehmoment leistet. Das Auto ist vom Niederländer Jos Kuypers, der 1995 Vize-Europameister im Rallycross war, entwickelt worden, speziell auf die Wünsche von Andreas Steffen zugeschnitten. Aus dem Stand beschleunigt der Fiesta unter zwei Sekunden auf 100 km/h. Zudem ist der Wagen mit seinem kurzen Radstand auch in engsten Kurven auf Asphalt und Schotter äußerst agil.

Noch ist Andreas Steffen noch keinen Meter gefahren. Bei der Präsentation setzte sich der ACN-Vorsitzende das erste Mal hinters Lenkrad. „Wir werden viel und intensiv testen“, sagte Steffen mit Vorfreude auf die neue Saison. Er müsse das Auto fahren, und nicht das Auto mit ihm.

In der Saison 2016 wird Andreas Steffen an der FIA Rallycross Europameisterschaft (EuroRX genannt) und der FIA Rallycross Weltmeisterschaft (WorldRX) teilnehmen. „Es war immer mein Ziel, in der Rallycross-Königsklasse mit einem konkurrenzfähigen SuperCar zu starten“, verkündete er mit Stolz sein neues Projekt. Die Europameisterschaft findet 2016 im Rahmen der zwölf WM-Rennen statt. Fünf EuroRX-Rennen umfasst derzeit der Projektkalender. Auch zwei WorldRX-Rennen auf dem Hockenheimring und dem Estering, seiner Heimstrecke, will Steffen unter die Räder nehmen. „Vermutlich bekommen wir am 15. und 16. Oktober den WM-Lauf in Buxtehude“, sagt Rolf Lützow, Zweiter Vorsitzender des Automobilclub Niederelbe.

Schritt für Schritt hat sich Andreas Steffen im Rallycross nach oben gear­beitet. Auch wenn der frühere deutsche Meister bei den SuperCars angekommen ist, bedeutet das keinen Stillstand – im Gegenteil. Das zwölfköpfige Mitarbeiterteam muss sich weiterentwickeln. Zusätzliche Mechaniker, Elektroniker und Ingenieure werden das Projekt 2016+ unterstützen. Auch der Rennfahrer muss auf die Schulbank. Der 47-Jährige erwirbt den Führerschein Klasse zwei, um den ebenfalls neuen Transporter (über 7,5 Tonnen) fahren zu dürfen. Auch das ist Teil der Karriere eines Profirennfahrers, der mit seinem Team durch Europa tourt.

Über Kosten redet Andreas Steffen nicht gern. Der bisherige Etat werde sich in der Königsklasse aber verdreifachen. „Ich kann mich glücklich über die große Unterstützung meiner Sponsoren schätzen“, bedankte er sich bei allen, die ihm helfen, seinen Motorsporttraum zu leben. Wobei neue Sponsoren immer willkommen sind.