Harburg
Triathlon

Triathlon-Team lernt von der Weltmeisterin

Anne Haug aus München (M.) läuft mit Kindern und Jugendlichen auf dem Sportplatz der Halepaghenschule

Anne Haug aus München (M.) läuft mit Kindern und Jugendlichen auf dem Sportplatz der Halepaghenschule

Foto: Katrin Beyer

Kurz vor Beginn der Olympiavorbereitung nimmt sich Anne Haug Zeit für Trainingsstunden mit dem Buxtehuder Nachwuchs.

Buxtehude.  Natürlich wissen die Mädchen und Jungen in den blau-gelben Trikots, wie man auf ein Rennrad springt, und zwar so schnell wie möglich. Schließlich gehören sie zur Nachwuchsgruppe des Buxtehuder Triathlon-Teams . Allerdings haben sie an diesem Tag auf der Sportanlage der Halepaghenschule eine Lehrmeisterin, an deren Anweisungen sie sich lange erinnern werden. „Die Hände am Lenkrad macht ihr drei Schritte mit dem Rad“, sagt die zierliche, aber energische Frau im Trainingsanzug. „Das linke Bein immer zuerst auf die Pedale – eins, zwei und beim dritten Abstoßen schwingt ihr zuerst das rechte Bein, dann den ganzen Körper über den Sattel. Dann in die Pedalen und mit aller Kraft treten und Tempo machen.“

Dreimal macht Anne Haug das vor. Dreimal sieht das spielend leicht aus. Und dreimal sind Buxtehudes Triathleten stolz darauf, für einen Tag von einem Weltstar lernen zu können.

Als Maxi, ein selbstbewusster 13-Jähriger, es Anne Haug nachmachen will, bleibt er mit dem rechten Bein am Sattel hängen. Auch das ist eine Lektion. Denn sowohl den Kindern wie den Erwachsenen wird beim Training mit der Weltmeisterin stets bewusst: beim Schwimmen, Radfahren und Laufen müssen die kleinsten Details tausendfach wiederholt und verfeinert werden.

„Beim Kraultraining im Schwimmbad hat sie uns gezeigt, wie wir das Wasser fühlen müssen“, erzählt Uta Zielke, die gemeinsam mit Tanja Hahn den Nachwuchs trainiert. „Wenn man die Hand unterm Körper durchzieht, hat das den Effekt, als wenn man mit dem Bauch auf einem Tisch liegt und sich mit der Hand darüber weg zieht.“

Anne Haug, Weltmeisterin mit der Mannschaft, Vizeweltmeisterin im Einzel, deutsche Meisterin und die große Hoffnung für die Olympischen Spiele 2016 in Rio , lässt die Kinder inzwischen auf einem Bein stehen. „Und wenn ich bis Drei zähle“, ruft sie, „schließt ihr die Augen.“ Nach Sekunden fangen die ersten an zu wackeln. „Da fehlt Körperspannung“, sagt Olaf Voss, Abteilungsleiter der Triathleten im Buxtehuder SV, die mit ihrer Spitzenmannschaft in der Regionalliga vertreten sind.

Bei dieser Übung zeigt sich, wer genügend Muskeln aufgebaut hat.“ „Jetzt gehen wir in die Standwaage“, ist Anne Haug wieder zu hören. Dabei ist zu spüren, wie ernst die Weltklasse-Sportlerin das Training mit den Kindern nimmt. Und wie viel Freude es ihr macht. „Ich habe mich erst ganz auf meinen Sport konzentriert“, erzählt die 32-Jährige, „als ich mein Studium der Sportwissenschaft abgeschlossen hatte. Jetzt kannst du es wagen, habe ich mir gesagt. Jetzt konzentrierst du dein Leben auf den Olympischen Triathlon.“ Das sind 1,5 Kilometer Schwimmen, 40 Kilometer Radfahren und zum Abschluss zehn Kilometer Laufen.

Ob diese dreifache Belastung wirklich so schmerzhaft und qualvoll ist? „Es gibt Wettkämpfe, da kommst du in einen Fluss, da erscheint alles wundervoll leicht“, sagt die Athletin, auf deren Autogrammkarte ihre Größe mit 1,64 Meter und ihr Gewicht mit 52 Kilogramm angegeben ist. „Leider passiert das nicht so häufig. Gerade bei der kürzeren Olympischen Distanz musst du schon beim Schwimmen über deine Grenzen gehen. Danach auf dem Rad musst du gerade am Anfang höchstes Tempo treten, damit du Anschluss an eine der ganz schnellen Gruppen findest. Ohne Schmerzen geht das nicht.“

Dieser unbändige Kampfgeist und Siegeswille werde schon in der Kindheit geprägt, sagen Kinderpsychologen. Anne Haug denkt darüber nach und bestätigt lachend: „Ja, ehrgeizig war ich schon als kleines Mädchen.“

Heute ist sie, wie fast jeder Sportler, der ins Scheinwerferlicht drängt, eine Jungunternehmerin; ihr Geschäft der Triathlon. Natürlich hat sie mit Frank Übelhack einen Manager. „Einen Teilzeitmanager“, korrigiert der lächelnd. „Ich bin bei einer Sparkasse angestellt.“ Offiziell ist Anne Haug Soldatin bei der Bundeswehr, trainiert aber täglich bis zu acht Stunden im eigenen Umfeld oder im Nationalkader. „Dazu hat sie etwa 15 Sponsoren“, berichtet der Manager. Zu denen gehört die Global Fruit Point GmbH mit Büro in Buxtehude. Sie unterstützt auch das Triathlon-Team Buxtehude.

„Der Besuch und das Training hier ist für Anne eine der letzten Möglichkeiten, ihre Popularität zu vermarkten“, erzählt Geschäftsführer Matthias Neuel. „Ab nächste Woche ist sie ständig in der Welt unterwegs, um sich auf Rio vorzubereiten.“ Am abendlichen Essen nahmen 40 BSV-Ausdauer-Enthusiasten teil. Auch dabei hat Anne Haug die Herzen erobert. „Sie ist an jeden Tisch gekommen“, schwärmt Jugendtrainerin Uta Zielke. „Sie hat viel Privates erzählt. Das war für uns Erwachsene ein sehr netter Abend. Und unsere Triathlon-Kinder schwärmen beim Training viel von ihr. Man spürt neuen Ehrgeiz und frische Motivation. Anne Haug ist ein tolles Vorbild.“