Harburg
Fußball

Danke, Captain! Andrea geht von Bord

Die früheren Trainer Karsten Frommann (3.v.l.), Horst Karjoth (4.v.l.), Thorsten Schammer (6.v.l.) und Klaus-Peter Schubert sind zum Abschied von Andrea Ludewig (5.v.l.) gekommen.

Die früheren Trainer Karsten Frommann (3.v.l.), Horst Karjoth (4.v.l.), Thorsten Schammer (6.v.l.) und Klaus-Peter Schubert sind zum Abschied von Andrea Ludewig (5.v.l.) gekommen.

Foto: Hans Kall

Torjägerin Andrea Ludewig vom VfL Jesteburg hängt nach 28 Jahren die Fußballstiefel an den Nagel. Nach dem Pokalfinale in Barsinghausen am 13. Juni ist endgültig Schluss.

Jesteburg.  Sie misst zwar nur 1,67 Meter an Körperlänge, ist jedoch eine ganz Große des niedersächsischen Frauenfußballs. Andrea Ludewig, noch besser bekannt als Andrea Jagusch, beendet nach 28 Jahren ihre Karriere. 17 Jahre lang ging sie zuletzt auf Torejagd für den VfL Jesteburg und die SG Jesteburg/Bendestorf. Vor dem letzten Saisonspiel in der Oberliga Niedersachsen gegen Absteiger VfL Bienrode haben ihre Mitspielerinnen ihre Frontfrau verabschiedet.

Zu deren Überraschung waren sämtliche Trainer von Andrea Ludewig aus ihrer langen Karriere seit den Anfängen als Fünfjährige beim MTV Handorf zum Abschiedsspiel gekommen. Sie selbst steuerte einen letzten Treffer zum 5:2 (5:0)-Sieg bei und war Vorbereiterin von zwei weiteren Treffern.

„Ich war total überrascht“, gestand sie ein. Aber sie hatte im Vorwege auch bewusst nicht nachgehakt, was denn vor dem letzten Heimspiel der Saison geschehen würde. Und so ganz hat sie noch nicht realisiert, dass sie in Zukunft am Wochenende frei haben wird und nicht den ganzen Sonntag auf irgendwelchen Auswärtsfahrten unterwegs ist. Ihr Fokus ist noch auf ein weiteres Highlight ihrer Fußballkarriere gerichtet. Am Sonnabend, 13. Juni, stehen die Jesteburger Fußballfrauen in Barsinghausen im Endspiel um den Niedersachsenpokal. Für Andrea Ludewig ist es nach 2001 und 2002 der dritte Anlauf. „Diesmal soll es klappen mit dem Pokalsieg“, sagt sie. Endspielgegner ist Pokalverteidiger SV Union Meppen, ebenfalls Oberligist aus der Parallelstaffel West.

Angebote von Profivereinen musste Andrea Ludewig stets ablehnen

„Wir haben die letzten acht Spiele gewonnen, wir sind gut drauf“, ist Ludewig zuversichtlich, ihre erfolgreiche Karriere mit dem Pokalsieg abschließen zu können. Zwei Niedersachsentitel hat sie als B-Mädchen mit dem TSV Radbruch gewonnen. Die zwei Pokalfinals waren weitere sportliche Höhepunkte der Torjägerin, die in den letzten zehn Jahre jeweils Torschützenkönigin ihres Teams war. Angebote von Profivereinen wie dem HSV und Werder Bremen musste sie ablehnen. „Weil ich als Frau vom Fußballspielen nicht leben kann, wäre der Aufwand einfach zu groß gewesen“, sagt die Speditionskauffrau, die in Tostedt lebt und in Hamburg arbeitet. 28 Jahre Leidenschaft für den Fußball – dafür stehen auch in dieser Saison wieder 18 Tore in den Oberligaspielen und bisher fünf im Pokal. Mit Nele Heins, die es zuletzt auf 17 Ligatore brachte, steht zwar eine Nachfolgerin in den Startlöchern, aber die Ära nach „AJ“, wie Andrea Ludewig, die sich ihren Ruf als gefürchtete Torschützin als Andrea Jagusch erworben hatte, intern genannt wird, bedeutet dennoch einen Neuanfang beim VfL Jesteburg. „Wir brauchen dringend noch eine Torjägerin“, sagte denn auch Mitspielerin Nadia Papist.

Musik hallte aus den Lautsprechern, als die beiden Frauenteams die Spielfläche in Jesteburg betraten, jeweils eine Spielerin der Jesteburger B- und D-Mädchen an der Hand. Ihre Mitspielerin Carolin Diekhoff sprach Andrea Ludewig den Dank der Mannschaft und des Vereins über Lautsprecher aus. Die Oberligafrauen hatten extra für dieses letzte Heimspiel für ihre Spielführerin neue Shirts mit der Aufschrift „Danke Captain“ besorgt. „Das war schon ein bewegender Augenblick“, sagte Andrea Ludewig und freute sich besonders über die Anwesenheit ihrer bisherigen Trainer – von Horst Karjoth, der ihr beim MTV Handorf die fußballerischen Grundlagen vermittelte, über Karsten Frommann, Thorsten Schammer und Klaus-Peter Schubert. „Andrea war traurig, als sie nur noch mit Mädchen zusammenspielen musste. Die Jungs hatten damals Angst vor den Freistößen von Andrea, die schon immer eine gute Schusstechnik hatte“, erinnerte sich Horst Karjoth an die Anfänge der Andrea Jagusch.

Beim MTV Handorf hat sie das Fußballspielen zusammen mit Jungs gelernt. Ab der C-Jugend wechselte sie zum TSV Radbruch, wo sie schon in den ersten Jahren im Frauenbereich eingesetzt wurde und in der damaligen Niedersachsenliga kickte. Ausgestattet mit viel Talent und dem Willen, immer besser zu werden, führte ihr Weg durch etliche NFV-Auswahlteams bis hin zum VfL Jesteburg, dem sie 17 Jahre lang bis heute die Treue gehalten hat. „Mit ihr verlieren wir eine Säule unserer Mannschaft“, sagt Nadia Papist.

Andrea Ludewig, mit der auch Lisa Oesmann verabschiedet wurde, kann sich nichts Schöneres vorstellen, als ihre Karriere mit dem Gewinn des Niedersachsenpokals als krönenden Abschluss zu beenden.