Harburg
Radsport

Der Junge aus Bad Bevensen kann unglaublich treten

Tobias Nolde aus Bad Bevensen sorgt als Gastfahrer des Team Hamburg bei den Youngclassics für Erstaunen. Philipp Plambeck von der RG Harburg tritt auch noch bei den Vattenfall-Cyclassics an.

Buchholz. Tausende fröhlich gestimmte Zuschauer an der Strecke und das erste Mal Mittelpunkt eines tollen Radrennens zu sein – für die meisten der Jungen sind die Youngclassics der erste sportliche Höhepunkt, den sie mit ins Leben nehmen. Bereits zum 9. Mal wurde das Etappenrennen für 15- und 16-jährige Nachwuchsfahrer (U17) in Otter gestartet und fand seinen Abschluss und Höhepunkt mit 22 Runden um die Binnenalster. Insgesamt waren 22 Teams aus allen Teilen Deutschlands und halb Europa mit insgesamt 144 Jungen am Start. Zum Team des Landesverbandes Hamburg gehörten Tim Albers und Philipp Plambeck von der RG Harburg. Als Gastfahrer wurde Tobias Nolde aufgenommen. Der Junge hat für viele Gespräche und noch mehr Bewunderung im Hamburger Radsport gesorgt. Der 16-Jährige aus Bad Bevensen hat bis 2013 Fußball gespielt, kletterte im Herbst des Vorjahres auf ein Fahrrad. Und setzt die Fachleute in Erstaunen. „Natürlich fehlt ihm noch die Technik“, sagt Frank Plambeck, der erfolgreiche Harburger Nachwuchstrainer, „aber der Junge kann treten, das ist unglaublich.“

In Otter beim Zeitfahren über 9,5 Kilometer demonstrierte der Spätstarter, was in ihm steckt. Um die Leistung richtig einzuordnen, muss man wissen: Zu den 144 Startern gehörten Deutschlands Beste, die U17-Nationalfahrer. In dieser starken, internationalen Konkurrenz kämpfte sich Tobias Nolde auf Platz elf vor. Gefährlich wurde das Zeitfahren für Philipp Plambeck, den ältesten Sohn des Trainers. Bei einer Abfahrt platze ihm bei hohem Tempo der Vorderreifen. Da der Vater mit einem Ersatzrad mit dem Auto neben ihm fuhr, hätte der Schaden in 20 Sekunden behoben werden können. „Aber Philipp musste so stark bremsen“, sagt der Vater, „dass auch der Hinterreifen ausgewechselt werden musste. Beides zusammen hat über eine Minute gedauert. Die konnte Philipp bei diesem stark besetzten Etappenrennen nicht mehr wettmachen.“ Bei der vierten Etappe auf dem Rundkurs in Buchholz, auf dem auch der Große Preis ausgefahren wird, erwischte es Tim Albers, das 15-jährige RGH-Talent aus Bendestorf. Er geriet zwei Runden in Rückstand und schied aus. Dann der tolle Abschluss mit Start und Ziel auf dem Jungfernstieg. Vom Team Hamburg war Max Jannes Hessel, eine Verstärkung aus Göttingen, der Beste auf Platz 22. Philipp Plambeck kam als 32. an. Tobias Nolde wurde rund um die Binnenalter 54., belegte in der Endabrechnung Platz 14 als Bester aus seinem Team. Philipp Plambeck ist außerdem auch noch die Vattenfall-Cyclassics mitgefahren. Jugendliche bis 16 Jahre dürfen dort nur über 55 Kilometer starten. Philipp kam als Vierter unter 4441 Startern ins Ziel.

Bei den Frauen über 155 Kilometer waren diesmal nur 58 am Start. Und vorne mit dabei Marion Burigk, die 47-jährige Bürokauffrau, die sich gewissenhaft und fast schon professionell (wie berichtet) vorbereitet hatte. Trainer Armin Raible nutze die Daten und Fakten der Leistungsdiagnostik, um die wöchentlichen Trainingspläne auszuarbeiten. Der Antrieb dafür kommt aus dem Wunsch der meisten Leistungssportler. Sie wollen besser sein als beim letzten Mal. „Bei mir ist das voll in Erfüllung gegangen“, sagte Marion Burigk, als sie zu Hause auf dem Sofa bereits die Beine hoch gelegt hatte. „Wenn ich nur an den Kösterberg in Blankenese denke, was war dieser steile Anstieg im Vorjahr für eine Qual. Ich verlor den Anschluss an meine Gruppe und musste die letzten 15 Kilometer allein kämpfen. Diesmal konnte ich vorne mitfahren und habe auf der Elbchaussee sogar ein paar Mal die Führung übernommen. All der Aufwand der letzten Monate hat sich gelohnt. Für mich war es das tollste Rennen überhaupt.“ In Stunden und Minuten allerdings hat sich das nicht niedergeschlagen. Marion Burigk war nach 4:20 Stunden im Ziel. Damit war sie drei Minuten langsamer als 2013, aber unter den 58 Starterinnen waren nur zwölf Frauen schneller.

„Der starke Wind und die kühleren Temperaturen haben die Rennen langsamer gemacht“, sagte Trainer Armin Raible. Er war bei den Männern über 50 als einer der Favoriten gestartet – aber nur über die Elbbrücken gekommen. „Nach 50 Kilometern hatte ich einen Platten“, erzählte er, „als ich einen neuen Schlauch montierte, hatte auch der ein Loch. Ein anderer Fahrer gab mir einen neuen Schlauch, da bekam ich keine Luft rein.“ Ein Service-Fahrer reichte eine neue Luftpumpe, die aber nicht zum Ventil passte. Für Armin Raible war das Rennen beendet.