Harburg. Wer beherrscht wen? Juniorprofessor arbeitet daran, Künstliche Intelligenz an Bedürfnisse von Kunst und Forschung anzupassen.

„Meine Vision im Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI) ist, den Menschen und das KI-System als ein Team zu betrachten, das ein gemeinsames Ziel anstrebt. Sie sollen sich im Umgang miteinander als Partner verstehen, die sich gegenseitig Hinweise geben, sich korrigieren und relevante Informationen austauschen.“ Das sagt Pierre-Alexandre Murena, neuer Juniorprofessor an der TU Hamburg. Seine Arbeit zielt auf die Schnittstelle zwischen dem maschinellen Lernen in seiner jetzigen Form und seinen Nutzerinnen und Nutzern ab.

Der Mathematiker und Informatiker befasst sich mit menschenzentrierter Künstlicher Intelligenz. Was heute in aller Munde ist, hatte vor zehn Jahren noch einen Exotenstatus. Murena berichtet: „Als ich damals mein Interesse an KI erwähnte, fragten mich die Leute nach dem Terminator und Science-Fiction-Szenarien. Heute erzählen sie mir von ihren Versuchen, Künstliche Intelligenzen wir ChatGPT oder Midjourney zu nutzen. Das ist eine enorme Entwicklung, und ich denke, es ist wichtig, die Menschen dabei zu begleiten.“

Ziel ist, die KI stärker auf den Menschen auszurichten

Murenas Ziel ist, die KI stärker auf den Menschen auszurichten, um die Nutzung von KI-Tools für Wissenschaftler und Ingenieure zu erleichtern, die maschinelle Lernmodelle für ihre Forschung benötigen. All dies ist in der Praxis äußerst komplex: weil Interaktionen eher kurz sind und der KI nicht genügend Zeit gegeben wird, etwas zu lernen; und weil kognitive Modelle komplex sind und das Erlernen ihrer Parameter oft schwierig bis unmöglich ist.

In einer Beziehung unterscheidet sich der Mensch von der KI: Menschen interpretieren, was andere sagen, dadurch können Aussagen ungenau oder sogar falsch werden. „Sich anzupassen ist eine Fähigkeit, die wir haben, sie fehlt der KI. Diese Lücke soll eine menschenzentrierte KI einmal schließen. Aber der Weg dahin ist manchmal frustrierend, weil es so einfach zu sein scheint, aber schwierig zu erreichen ist!“, so Murena.

Fokus der meisten Universitäten ist die Entwicklung autonomer maschineller Systeme

„Obwohl die Frage der menschenzentrierten KI meiner Meinung nach in den kommenden Jahren eine große Herausforderung darstellen wird, liegt der Fokus der meisten Universitäten und Forschungszentren nach wie vor auf der Entwicklung starker autonomer maschineller Lernsysteme. Die Tatsache, dass die TU Hamburg eine Stelle zu diesem Thema eingerichtet hat, war für mich ein gutes Zeichen, dass die Universität diesen wichtigen Wandel voraussieht.“

Murena studierte Angewandte Mathematik und Informatik an der Ecole Polytechnique und der Ecole Normale Supérieure in Cachan (Frankreich) und er promovierte an der Université Paris-Saclay. Danach zog es ihn als Postdoc für drei Jahre nach Finnland, an die Aalto University und die Universität Helsinki. Dort wirkte er an verschiedenen Projekten im Bereich des maschinellen Lernens mit Menschen mit und leitete eine Forschungsgruppe am Finnish Center for Artificial Intelligence (FCAI).

Professor will KI für Kunstschaffende nutzbar machen

„Ich habe mich schon immer für Naturwissenschaften interessiert, vor allem für die Mathematik. Aber ich habe noch eine andere Leidenschaft, nämlich die Kunst.“, so Murena. Beides versucht er zu verbinden und unterstützt Kunst Schaffende, mit KI zu arbeiten. Außerhalb der Universität kann man Murena im Hafengebiet antreffen, wo er alte Industriebeuten fotografiert. Daneben geht er gerne ins Kino, spielt Klavier, kocht oder bereitet mit seiner Eismaschine leckere Sorten zu.